Anzeige

Burda: Zooplus-Verkauf und eingebrochenes Russland-Geschäft trüben die Bilanz 2014

Burda-CEO Paul-Bernhard Kallen
Burda-CEO Paul-Bernhard Kallen

Mit der Süddeutschen Zeitung sprach Burda-CEO Paul-Bernhard Kallen über die Bilanz 2014 und seine Wut auf us-amerikanische Internet-Reisen, allen voran Verlagsfeind Nummer eins: Google. Im vergangenen Jahr hat Burda mit 2,4 Mrd. Euro sieben Prozent weniger umgesetzt als im Vorjahr. Grund seien der Verkauf der Mehrheit am Online-Händler Zooplus und das eingebrochene Geschäft in Russland.

Anzeige
Anzeige

Burda hat die Mehrheit an Zooplus 20014 verkauft, die Erlöse des Händlers für Heimtierbedarf wurde deshalb in der Bilanz von 2014 nur für sechs Monate berücksichtigt. Wurden die Zooplus-Erlöse 2014 noch komplett in der Bilanz stehen, läge der Umsatz bei rund 2,7 Mrd. Euro, was einem Plus von 3,8 Prozent entspräche. Auch dieser Wert würde unter dem von Kallen ausgegebenen Wachstumsziel von zehn bis 15 Prozent pro Jahr liegen. Schuld ist hier wohl das darniederliegende Geschäft in Russland. Wegen der angespannten Beziehungen und dem Niedergang des Rubel schreibt Burda dort mittlerweile Verlust. Außerdem droht dem Verlag der Rauswurf aus dem Land. Seit 2014 gibt es in Russland ein Gesetz, dass bei Publikationen in einer Auflage über 1.000 mindestens 80 Prozent des Unternehmens in russischer Hand sein müssen. Burda ist allerdings Alleineigentümer seiner Russland-Geschäfte. Kallen hofft im SZ-Interview, dass das Gesetz noch geändert wird. Die Hoffnung stirbt bekanntlich zuletzt (hier die Online-Zusammenfassung des Interviews bei sueddeutsche.de, die Vollversion findet sich nur in der Print-Ausgabe).

Immerhin konnte die heimische Zeitschriften-Sparte Burdas 2014 ein Wachstum melden. Fürs laufende Jahr rechnet Kallen bei den deutschen Magazinen mit wieder einem Wachstum von zwei bis drei Prozent. Mit Bezahlinhalten im Internet wolle man nun auch „experimentieren“, so Kallen. Allerdings lässt er in der SZ durchblicken, dass konkrete Projekte nicht in den Startlöchern stehen. Man müsse erst schauen, für welche Inhalte Nutzer bereit seien zu zahlen und ob es sich dann lohne, solche Inhalte zu produzieren. Euphorie klingt anders. Bislang setzt Burda mit Focus Online und Huffington Post auf werbefinanzierte, reichweitenoptimierte Online-Angebote.

Anzeige

Breiten Raum in Interview nimmt das in Verlagskreisen allseits beliebte Google-Bashing ein.US-Präsident Barack Obama sei als Lobbyist für US-Internet-Konzerne unterwegs,so Kallen. Diese müssten sich nicht an deutsche Datenschutzgesetze halten und würden mit Milliarden US-Dollar subventioniert, meint er. Der Burda-CEO warnt vor Monopolen: „Google zum Beispiel hat bei der Internetsuche in Deutschland einen Marktanteil von 96 Prozent. Inzwischen hat Google auch auf anderen Stufen der Wertschöpfungskette Monopolstellungen. Das gilt zum Beispiel für die Betriebssysteme für Mobiltelefone. Das kann nicht erstrebenswert sein.“

Dabei kokettiert Kallen mit kartellrechtlichen Maßnahmen gegen Googles: „Wer ein Betriebssystem von Google hat, muss die Möglichkeit haben, die Suchmaschine oder ein Bezahlsystem eines anderen Anbieters zu nutzen. Die Pakete müssen entbündelt werden. Wir müssen fairen Wettbewerb schaffen.“ Ins gleiche Horn stieß vergangene Woche Thomas Ebeling, CEO der ProSiebenSat.1 Media AG. Im Interview mit dem Springer-Wirtschaftsmagazin Bilanz sagte er: „Auch die Post konnte nichts für ihr Monopol und wurde zerschlagen. Tatsache ist: Die EU hat recht, die so genannte ‚functional separation‘ bei Google zu diskutieren, wie bei jedem Konzern, der seine Marktmacht missbraucht.“ Die Debatte um kartellrechtliche Maßnahmen gegen Google könnten für den Internet-Konzern gefährlicher werden, als das total verkorkste Leistungsschutzrecht, mit dem sich die Verlage in erster Linie selbst geschadet haben.

Anzeige

Mehr zum Thema

Anzeige
Anzeige

Alle Kommentare

  1. Wenn der Burda-CEO wüsste, dass Android Open-Source ist, dann hätten wir bestimmt schon das Bunte-Phone mit Focus-Suche.

  2. Für die Verteidigung europäischer Werte, ist sich auch Burda nicht zu schade. Find ich toll. Hubert sollte einen Orden bekommen, wenn er nicht schon alle hat. Eng wird es vielleicht für die Mitarbeiter, aber wenn Burda Opfer bringt, warum nicht auch sie.

Dein Kommentar

Deine E-Mailadresse wird nicht veröffentlicht.

*