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Wenn der Putin auf dem Weaselpecker beim ZDF in die “heute nacht” reitet …

Was zur Hölle?
Was zur Hölle?

Ein auf einem Specht reitendes Wiesel schaffte es in die “heute”-Nachrichten des ZDF. Eine BBC-Doku über eine Vergewaltigung macht Indiens Regierung sauer. Die beste aller möglichen “Bachelor”-Kritiken gab’s bei Spiegel Online und Wolfram Weimer weiß, wie man die Medien rettet. Alles in diesem, Ihrem Wochenrückblick.

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Der Weaselpecker elektrisierte diese Woche die Medien. Ein britischer Fotograf knipste in einem Park ein Wiesel, das einen Specht attackiert. Der Specht flog davon, das Wiesel krallte sich am fliegenden fliehenden Specht fest. Der entsprechende Schnappschuss machte unter dem Stichwort Weaselpecker eine dieser Internet-Karrieren als so genanntes “Meme”. Will heißen: Allerhand Online-Spaßvögel montierten allerhand Zeugs auf das Wiesel drauf und twitterten, was das Zeug hielt. Auch Jörgen Camrath machte einen Witz und twitterte eine Medien-Montage:


Wie das manchmal so ist: Aus Spaß wurde ernst. Allerdings nicht in der “Tagesschau”, sondern in der Dienstagsausgabe der Nachrichtensendung “heute nacht” im ZDF. Da wurde tatsächlich ausführlich berichtet über den “Huckepack-Hype”, inklusive reitendem Putin, Darth Vader und reitenden Mainzelmännchen.  Gefunden bei Ole Reißmann.

Bildschirmfoto 2015-03-06 um 10.28.54

Auch die Moderations-Überleitung vom Weaselpecker zu einem Vulkanausbruch bei “heute nacht” genießt man am besten unter dem Einfluss eines alkoholischen Getränks:

Und wären Specht und Wiesel zufällig gerade in Chile unterwegs, sie wären vielleicht genauso zusammengeklammert geflüchtet, und zwar vor ihm hier: Der Vulkan Villarrica spuckt heiße Lava und Asche.

Es war halt spät.

Doch jetzt zu etwas ganz anderem:

Die BBC hat eine Dokumentation über eine schreckliche Massenvergewaltigung im Jahr 2012 gedreht. “India’s Daughter” heißt der Film, der am Mittwoch auf BBC 4 in Großbritannien gezeigt wurde. Der Sendetermin wurde vorgezogen, nachdem die indische Regierung gegen die Ausstrahlung protestiert hatte.

Im Film äußert sich u.a. ein wegen Vergewaltigung und Mordes zum Tode Verurteilter und erklärt, Frauen seien selbst verantwortlich, wenn sie vergewaltigt würden. Ein Strafverteidiger aus dem Prozess sagt im Film, wenn seine Tochter “vorehelichen Aktivitäten” nachgehen würde, würde er sie vor der gesamten Familie verbrennen. Es sind offenbar solche schockierenden Aussagen, die die Regierung Indiens nicht im TV verbreitet sehen möchte.

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Laut The Independent behauptete die Regierung Indiens zunächst, die Filmemacherin Leslee Udwin habe Vereinbarungen mit Gefängnisbeamten gebrochen. Udwin präsentierte allerdings schriftliche Einverständniserklärungen der Gefängnisbeamten zu den Dreharbeiten. Später behauptete die Regierung, der Film würde die Würde von Frauen herabsetzen. Am Mittwoch erklärte die Polizei von Delhi, der Film könne unter Frauen Angst auslösen und sei dazu geeignet, die öffentliche Ordnung zu gefährden.

Rakesh Singh, der indische Innenminister, erklärte, seine Regierung werde wegen der Ausstrahlung gegen die BBC vorgehen. Alle Optionen seien offen. Gleichzeitig verlangte die indische Regierung am Donnerstag von Google, dass die Doku aus dem indischen Angebot von YouTube entfernt wird, Google kam der Forderung nach.

BBCs TV-Boss Danny Cohen schrieb einen offenen Brief an Minister Singh, in dem er darlegt, dass die BBC mit den redaktionellen Standards des Film zufrieden ist und “India’s Daughter” nicht geeignet sei, die Würde von Frauen herabzusetzen. Cohen versichert allerdings auch, die BBC werde den Film in keinem Territorium zeigen, in dem indische Gesetze gelten.

Aber natürlich können Inder, den Film trotzdem sehen. Mit Hilfe von so genannten VPN-Programmen lassen sich IP-Länderkennungen umgehen und man kann “India’s Daughter” auch von Indien aus im Internet anschauen. Das Erschreckende an diesem Fall ist, dass sich die größte Demokratie der Welt hier benimmt, wie eine Diktatur. Wer den beeindruckenden Film sehen möchte. Hierzulande geht das zum Glück auch ohne Tricksereien:

Nach diesem ernsthaften Einschub (sorry!) schnell wieder etwas Leichgewichtiges. Wir sind ja zum Spaß hier. Diese Woche ist die aktuelle Staffel von “Der Bachelor” bei RTL zu Ende gegangen. Ab und zu schreibe ich auch über solche Trash-TV-Formate aber eigentlich habe ich dazu gar keine Lust mehr. Warum? Weil Anja Rützel bei Spiegel Online solche TV-Sendungen derart witzig und originell bespricht, dass man mit den eigenen Textchen daneben ausschaut wie so ein armseliger Hanswurst! Die aktuelle “Bachelor”-Besprechung “Quatsch mit Rose” ist wieder so ein Fall, bei dem die Lektüre der Kritik tausendmal amüsanter ist als der “Genuss” des Programms.

Lange nix mehr von Wolfram Weimer gehört. Moment! Er hat DWDL.de gerade in diesen Minuten ein Interview gegeben, in dem er über Standards, Innovationszyklen, akkumuliertes Kapital, Amerika, Europa und – ja, hol’s der Teufel – die “digitale Revolution” spricht. Und das alles schon in der allerersten Antwort – Hammer! Weimer weiß sogar, wie die deutsche Medienindustrie ihren drohenden Untergang abwenden kann. Sie muss, jetzt bitte anschnallen – “mehr ins Digitale investieren”. Dass da noch keiner drauf gekommen ist! Weimer sollte schnell seinen alten Kumpel Dr. Döpfner anrufen. Der ist für solche “Tipps” bestimmt sehr dankbar.

Ein sonniges Wochenende!

PS: Einen hammwa noch:

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Alle Kommentare

  1. „Das Erschreckende an diesem Fall ist, dass sich die größte Demokratie der Welt hier benimmt, wie eine Diktatur.“ Das schreibt Herr Winterbauer in Blick auf die Video-Zensur der indischen Regierung. Abgesehen von dem überflüssigen Komma hinter „benimmt“: Noch erschreckender ist die Tatsache, dass diese Diktatoren offensichtlich auch bei Meedia bestimmen, was gesehen werden darf und was nicht. Das wird großartig versprochen, dass das Ansehen des Videos bei Meedia auch „ohne Tricksereien“ geht. Und was kommt beim Anklicken des Clips? Die peinliche Meldung „Dieses Video wurde vom Nutzer entfernt.“ Noch eine Empfehlung: Angesichts seiner doch gravierenden interpunktionsschwäche sollte Herr Winterbauer seine Beiträge vor Veröffentlichung redigieren lassen.

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