Zeit-Chef: „Bei Ladenhütern wie Dschungelcamp geht man in der Werbepause pinkeln oder holt sich ein Bier“

Publishing Krise? Welche Krise? Bei der Zeit laufen die Geschäfte hervorragend. Der Verlag konnte gerade seinen Umsatz um acht Prozent auf 180 Millionen Euro steigern und Zeit Online hat den Break-even erreicht. Im Interview mit MEEDIA erklärt Geschäftsführer Rainer Esser, warum die Verlage selbstbewusster werden müssen, warum Zeit Online auf eine Bezahlschranke verzichtet und warum das kommende Jahr noch besser wird.

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Wie lief das vergangene Jahr wirtschaftlich?
Sehr gut: Wir haben den Umsatz in allen Bereichen, Print, Online und in den weiteren Geschäften um insgesamt 8 Prozent auf 180 Mio. Euro gesteigert.

Zeit Online schreibt mittlerweile schwarze Zahlen. Und das ganz ohne Paywall. Wie haben Sie das gemacht?
Zeit Online hat Break-even geschafft. Gemeinsam mit unserem Jobportal academics und der Online Stipendienplattform e-fellows sind unsere Onlinegeschäfte sehr gut profitabel. Christian Röpke und sein Team haben einen hervorragenden Job gemacht und die Werbeerlöse, aber auch weitere digitale Erlöse deutlich gesteigert. Insgesamt sind unsere Online-Erlöse um 29 Prozent gewachsen. Das konnten wir auch dank der hohen journalistischen Qualität erreichen, für die Jochen Wegner mit seiner Redaktion sorgt.

Sind damit die Pläne für eine Bezahlschranke im Web vom Tisch?
Im Moment planen wir kein Paid-Content-Modell. Der Ausbau des Digitalabos ist für uns jedoch wichtig. Wir haben bereits über 35.000 zahlende Kunden.

Welche Auswirkungen hat die Umstellung der Erscheinungsweise von Spiegel und Focus auf den Samstag für die Zeit?
Wir merken keine Auswirkungen. Das Angebot, das wir unseren Lesern jeden Donnerstag machen, ist einzigartig, Spiegel und Focus sind für uns keine direkten Konkurrenten.

Sie schimpfen immer und gerne mit viel Verve auf das Fernsehen und die vielen Werbemillionen, die beim Privat-TV landen. Was müssen die Verlage machen, damit ihr Anteil am Vermarktungskuchen doch noch größer wird?
Selbstbewusster auftreten. Printmarken werden gemeinsam mit ihren Onlineportalen immer mehr zum alleinigen Qualitätsmedium. Und nur das konzentrierte Lesen garantiert Alleinaufmerksamkeit. Bei Ladenhütern wie Dschungelcamp geht man in der Werbepause pinkeln oder holt sich ein Bier. Und 75 Prozent der Zuschauer schauen auf ihren second screen. Die Werbewirkung dürfte auf nahezu Null gehen.

In welchen Bereichen kann die Zeit noch wachsen?
In allen Feldern, Print wie Online – wir haben viele kreative Köpfe bei der Zeit, die das Haus in 2015 gemeinsam weiterentwickeln werden. Insbesondere im Digitalbereich ist viel Musik drin, aber auch bei unseren hochwertigen Bildungsangeboten wie der Zeit Akademie, die wir ausbauen.

Wie sieht ihr Ausblick auf die kommenden zwölf Monate aus?
Glänzend! Das Jahr hat prima begonnen und wir haben gute, neue Projekte in der Pipeline.

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Alle Kommentare

  1. Vielleicht sollte man auch erwähnen, dass die Honorare für Autoren bei Zeit Online nicht gestiegen sind in den vergangenen Jahren.

    Während der Umsatz also laut Esser um 8% gestiegen ist, sind die Honorare um 0% gestiegen.

    Das hätte man bei „Wie haben Sie das gemacht“ ruhig erwähnen können….

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