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„Kein Kind erwartet, dass wir plötzlich Pupskissen und Glitzerkettchen verkaufen“

Die Kinderversteher vom Baumwall: Geo-Publisher Alexander Schwerin (li.) und Chefredakteur Martin Verg
Die Kinderversteher vom Baumwall: Geo-Publisher Alexander Schwerin (li.) und Chefredakteur Martin Verg

Kinder sind mittlerweile eine Macht. Zumindest in der Verlagsbranche. Echte Pionierarbeit in diesem Bereich leistet G+J mit Geolino. Vor 18 Jahren versteckte sich das junge Entdecker-Magazin erstmals am Kiosk. Mittlerweile wuchs am Baumwall eine eigene erfolgreiche Kinder-Familie heran. Im MEEDIA-Interview verraten die beiden Macher, Chefredakteur Martin Verg und Publisher Alexander Schwerin, ob die Eltern oder die Kinder die Hefte kaufen und ob die Eltern oder Kinder sie dann lesen.

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Neben dem 18. Geburtstag von Geolino feiern die Hamburger dieser Tage zudem noch den fünften Geburtstag von Geo Mini. Bei der Auflage musste Geolino gerade ein Minus von 5,3 Prozent im Vergleich zum Vorjahr verkraften. Das Heft verkaufte im vierten Quartal 173.459 Exemplare. Bei Geo Mini steht dagegen ein Plus von 0,2 Prozent. Hier liegt der Gesamtverkauf bei 58.487.

Macht man Geo Mini und Geolino eigentlich für die Eltern oder die Kinder?
Martin Verg: Das macht man selbstverständlich für die Kinder. Wir wissen aber auch, dass die meisten Eltern mitlesen, vorlesen oder manchmal sogar schon vorher lesen, bevor sie das Heft den Kindern geben.

Zur Kontrolle?
Verg: Nein. Damit sie für all die Fragen gewappnet sind, die dann schon bald auf sie zukommen.

Wer also nicht vor den Kindern bereits das Heft durchliest, ist eigentlich ein schlechter Vater oder eine schlechte Mutter?
Verg: Nicht solange sie die Fragen auch so beantworten können (lacht).

Angelehnt an die erste Frage: Wer kauft denn dann eigentlich Kindermagazine? Die Eltern oder die Kinder?
Verg: Das sind die Eltern.

Immerhin befreit sie das dann ein wenig aus der Wettkampf-Situation am Kiosk, mit den vielen grellbunten Kinder-Heften, die mit unzähligen spektakulären Plastik-Goodies um Käufer kämpfen.
Verg: Den Wettkampf der Cover nehmen wir gerne an, wobei wir schon überwiegend Abo-Titel machen. Aber mit Plastik-Goodies fangen wir erst gar nicht an. Das würde nur nach hinten losgehen. Kein Kind erwartet, dass wir plötzlich Pupskissen und Glitzerkettchen verkaufen.

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Tatsächlich gehört der Kindermarkt zu den Wachstumssegmenten im Markt. Wie partizipieren Sie daran?
Alexander Schwerin: Wir haben in den vergangenen Jahren die Markenwelt von Geolino weiter ausgebaut, etwa mit Büchern, Kalendern oder Spielen. Außerdem haben wir einige digitale Angebote auf den Markt gebracht.

Hätten Sie vor 18 Jahren gedacht, dass sich das so entwickelt?
Schwerin: Nein. Als wir Geolino auf den Markt brachten, war nicht abzusehen, dass sich aus einem Sonderheft für Kinder eine erfolgreiche Markenfamilie entwickeln würde.

Ist das Blattmachen für Kinder schwieriger? Was muss zum Bespiel eine Story für Geolino haben, damit es eine Geschichte für das Magazin ist?
Verg: Wir haben uns schon von der Geo-Mutter abgenabelt, tragen aber noch immer ihre Gene in uns. Heißt: Das, was für GEO gilt, gilt auch für uns gleichermaßen: Wir brauchen nicht nur tolle Geschichten, sondern auch die starke Optik. Ansonsten haben wir – bis auf Stars und Promis vielleicht – keine Tabu-Themen.

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Ist es leichter oder schwieriger Kinder visuell anzusprechen?
Verg: Das ist nicht gerade leicht. Denn, was Erwachsene sofort erfassen, verstehen Kinder nicht immer. So sind Bilder etwa dann schwierig, wenn sie mit Unschärfen arbeiten. Wir Seherfahrenen finden das interessant. Kinder nicht, für sie ist das schlicht ein schlechtes Bild. Man muss wirklich darauf achten, dass alle Fotos klar und leicht verständlich sind. Das heißt nicht, dass sie nicht spannend sein dürfen.

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Kann man sich als Blattmacher und Redakteur überhaupt gut in Kinder reinversetzen?
Verg: Wir sind ja im Herzen jung geblieben.

Jetzt ernsthaft?
Verg: Wir geben uns zumindest Mühe. Zudem bekommen wir wahnsinnig viel Feedback. Sie glauben gar nicht, wie engagiert die Kinder unser Tun verfolgen und sich kritisch damit auseinander setzen. Wenn wir an den Bedürfnissen unserer Zielgruppe vorbei schreiben würden, würden die Leser sofort Alarm schlagen.

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Geolino feierte gerade seinen 18. Geburtstag. Es kommt das 50. Sonderheft von Geolino extra und Geo Mini wird fünf. Hat der jüngste Spross denn erfolgreich die Trotzphase hinter sich gebracht?
Verg: Geo Mini ist ein braves Kind.

Was unterscheidet denn dann eine Geo-Mini- von einer Geolino-Geschichte?
Verg: Wir muten den Kindern bei Geolino einfach mehr zu. Bei Geo Mini müssen die Storys auch funktionieren, wenn die Leser nur Blättern und noch gar nicht lesen können.

Wie feiert Geo Mini denn seinen fünften Geburtstag?
Verg: Wir haben dem Heft eine Erweiterung, ein Covermount und eine kleine optische Überarbeitung gegönnt. Ansonsten: Wie sich das für einen fünften Geburtstag gehört. Wir feiern nett mit Freunden und Familie – und auch die Kollegen im Haus werden das mitbekommen…

Auch der Kindermarkt entwickelt sich gerade rasant in Richtung Digital. Wie gehen die GEO-Kinder-Angebote damit um?
Schwerin: Für Geo Mini haben wir drei Spiele-Apps entwickelt, die sich jeweils mit den Themenwelten Dschungel, Safari und Ozeane beschäftigen. Diese Reihe läuft so gut, dass wir sie ausbauen möchten. Wir haben außerdem gerade einen Testballon mit unserem Monothematen Geolino extra gestartet: Anfang Februar ist die Ausgabe „Die Geschichte Deutschlands“ als eMag erschienen. Die ersten Verkaufszahlen zeigen, dass den Kindern diese digitale Version mit Hörfassungen und anderen Multimedia-Elementen gut zu gefallen scheint.

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Es blinkt und wackelt halt.
Schwerin: Die Kinder lieben es. Das bestätigen auch die Bestenlisten von Apple, in denen wir mit unseren Produkten ganz weit vorn zu finden sind.

Ist die Medien-Krise denn schon bei den Kindermedien von Gruner + Jahr angekommen?
Schwerin: Wir haben ein sehr gutes Fundament und suchen ständig nach neuen Angeboten und Ideen, um noch größer zu werden. Ob nun weitere Line-Extentions oder Digital-Produkte: Wir glauben fest daran, dass im Kinder-Segment noch viel Potential für Wachstum und gute Konzepte ist.

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