Döpfner zur Springer-Strategie: „Im Digitalen ist nun die ganze Welt unser Markt“

Mathias Döpfner, CEO Axel Springer
Springer-CEO Mathias Döpfner Foto: dpa

Publishing Deutschland ist nicht mehr genug: Springer will das führenden digitale Medienhaus werden. Dabei bezieht sich das "führend" nicht mehr ausschließlich auf Deutschland. "In Europa gibt es im Digital-Geschäft keinen größeren Verlag als Axel Springer“, sagte CEO Mathias Döpfner stolz auf der Bilanz-Pressekonferenz. Allerdings ist Europa für die Berliner nur eine Zwischenstation. Immer mehr Geld investieren sie auch in den USA. Dazu soll Peter Würtenberger nun jenseits des Atlantiks neue Geschäftsmodelle erschließen.

Werbeanzeige

Bislang war nur bekannt, dass sich Würtenberger von seinen Job als Chief Marketing Officer zurückzieht. Längst ist mit Andreas Geyr zudem ein Nachfolger gefunden. In seiner neuen Arbeitsplatzbeschreibung soll sich Würtenberger in der Position eines Vice Presidents um das Business Development in den USA und UK kümmern. Berichten wird er direkt an Mathias Döpfner.

Es wird spannend sein, welche neuen Startups der Vermarktungsprofi entdecken wird. Im vergangenen Jahr beteiligte sich Springer bereits bei OZY und Business Insider, übernahm Livingly Media und gründete ein europäische Politico-Joint-Venture. Pünktlich zur Bilanz-PK konnte Döpfner zudem verkünden, dass man sich in dem aktuellen Markenrechtsstreit um Politico.eu mit der Bielefelder Firmenwelten AG einigen konnte. Damit steht einem Marktstart im Frühjahr wohl nichts mehr im Wege.

Mit Blick auf das Engagement in englischsprachige Angebote merkte Döpfner an, dass dies die „wichtigsten Schritte“ waren, „die wir im vergangenen Jahr gemacht haben. Landesgrenzen waren auch immer logistische Grenzen. Das ändert sich gerade. Im Digitalen ist nun die ganze Welt unser Markt.“

Investitionen in Nicht-Demokratischen Ländern sind tabu

Das bedeutet jedoch nicht, dass sich die Berliner als die künftigen Marktführer in den USA sehen. In Europa gelang es mittlerweile die Konkurrenten Schibsted und Lagardere zu überholen. Zudem scheint sich Springer verstärkt mit den Wachstumsmärkten in Brasilien, Indien und Asien zu beschäftigen. Märkte in nicht-demokratischen Ländern seien für die Berliner tabu.

Tatsächlich sieht sich das Unternehmen im „Wachstumsmodus“. Damit trete man in die dritte Phase der Strategie ein. Zuerst ging es um die Restrukturierung des Hauses. Dann folgte die Transformation der Geschäftsmodelle und jetzt soll es um Wachstum gehen.

Das Geld für weitere Zukäufe ist vorhanden. So legten die Berliner am heutigen Mittwoch eine Bilanz vor, die die meisten inländischen Konkurrenten neidisch machen sollte. Der Umsatz stieg um 8,4 Prozent auf 3,038 Milliarden Euro. Der operative Gewinn kletterte um 11,6 Prozent auf 507,1 Millionen Euro.

Neben den Investitionen in neue journalistische Startups und Digital-Verlage geht es den Berlinern noch immer darum, die eigenen Marken Bild und Welt in die Digitale Paid-Content-Zukunft zu führen. Dabei meldet Springer mittlerweile für Bild über 253.000 bezahlte Digital-Abonnenten, für die Welt knapp 58.000.

Bundesliga bei Bild bleibt hinter den Erwartungen

Angesichts dieser Zahlen zeigte sich der Verlagschef zufrieden. Der Umsatz im Segment Bezahlangebote kletterte in 2014 allerdings nur um 2,6 Prozent auf 1,56 Milliarden Euro, bereinigt um Konsolidierungseffekte lag der Umsatz 1,4 Prozent unter Vorjahr. Im Segment Bezahlangebote sind neben den Digital-Abos auch die Vertriebs- und Werbeerlöse der gedruckten Ausgaben der Bild- und Welt-Gruppe enthalten. Die reinen Vertriebserlöse sanken um 3,1 Prozent, wobei die Vertriebserlöse in Deutschland mit -0,1 Prozent stagnierten.

Eine interessante Erkenntnis der aktuellen Digital-Strategie ist, dass Abonnentengewinne durch die Bundesliga bei Bild hinter den Erwartungen geblieben sind. Dagegen zahlen mehr Nutzer als geplant für die journalistischen Inhalte des Boulevard-Blattes. „Aber das ist für uns eigentlich eine gute Nachricht“, findet Döpfner.

Ob es tatsächlich gelingt, die schwinden Print-Erlöse durch Web-Einnahmen zu kompensieren, ist also noch nicht final erwiesen. Trotzdem ist Döpfner guten Mutes, dass die Transformation gelingt. „Ich glaube da sehr dran, dass sich Bezahlmodelle im Web durchsetzen werden“.

Alle Zeichen stehen auf Wachstum

Natürlich will er noch lange an den Print-Ausgaben von Welt und Bild festhalten. Beide fahren schon länger eine ausgeweitete Beilagen-Strategie. So startet die Welt bald eine weitere Kunst-Magazin und die Bild eine Gesundheits-Beilage.

Werbeanzeige

Mehr zum Thema

Dein Kommentar

Deine E-Mailadresse wird nicht veröffentlicht.

*

Werbeanzeige

Werbeanzeige