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Ein paar zahlende Leser mehr: die durchwachsene erste Paywall-Bilanz der Rhein-Zeitung

Die Rhein-Zeitung aus Koblenz hat Ende Januar ihr bisheriges Online-Bezahlmodell von einem Metered Model auf eine harte Paywall umgestellt. D.h. bisher gab es einige wenige Texte pro Monat gratis, nach der Umstellung nur noch Inhalte für zahlende Leser. Ende Februar zog die Redaktion eine erste Bilanz, die gemischt ausfällt.

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Dass die Reichweite von rhein-zeitung.de nach der Umstellung auf eine harte Paywall sinken würde, war klar. Von 2,5 Millionen Visits im Februar des Vorjahres gingen die Zugriffe um 23 Prozent auf 1,91 Mio. Visits im Februar 2015 runter. Das ist nach der Einführung einer harten Bezahlschranke erst einmal gar kein schlechter Wert. Allerdings muss man dabei auch bedenken, dass die Rhein-Zeitung als regionaler Medien-Anbieter online in einer kleineren Liga spielt, als überregionale Online-Nachrichtenangebote wie Spiegel Online, Focus Online oder Welt.de. Solche überregionalen Angebote würden bei Einführung einer harten Paywall vermutlich weit drastischere prozentuale Reichweiten-Einbußen hinnehmen müssen.

Wie aber sieht es mit der Zahlungsmoral der rhein-zeitung.de Leser aus? Es geht. Im Februar wurden 410 einzelne Artikel für 50 Cent das Stück verkauft. Die Zahl der Tagespässe für je 90 Cent stieg um 7,5 Prozent auf 474. Die Monats-Web-Abos legten nur um 1,4 Prozent auf 74 zu. Gerade mal ein Monats-Abo mehr als im Januar. Die Jahres-Web-Abos stiegen immerhin um 13,6 Prozent auf 325.

Die Zeitung zieht daraus den optimistischen Schluss, dass zwar die Gesamtreichweite sinkt, die Menge der zahlenden Leser aber steigt. Nur durch die Betrachtung des Februars wird man aber nicht erkennen, ob das Pay-Projekt der Rhein-Zeitung erfolgreich ist oder nicht. Die absoluten Zahlen der Web-Abo- und Tages- und Artikel-Zahler sind nämlich tatsächlich sehr gering. Theoretisch hätte die Ankündigung einer harten Paywall einen ersten Run auf Abos und Test-Käufe auslösen müssen. Nun hat man zwar mehr Online-Zahler als bisher. Aber nicht wesentlich mehr.

Die Wahrscheinlichkeit, dass die Zahl der Online-Zahler in den nächsten Monaten deutlich zunimmt, dürfte eher gering sein. Wie wollen die Nicht-Leser sich denn nun von den Qualitäten von rhein-zeitung.de überzeugen? Sie sind ja ausgesperrt. Die Zeitung wird wohl versuchen, hier mit Promo- und Marketing-Aktionen ein wenig die PR-Trommel zu rühren – ob das reichen wird, ist fraglich.

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In ihrem Blogpost zur ersten Bezahlbilanz bekennt die Redaktion selbst, dass man noch ganz am Anfang steht, dass die digitalen Bezahlvorgänge noch nicht optimal sind:

Wo dabei die Reise hingeht, zeigen dieser Tage Apple, die Postbank und die Deutsche Bank: Der bloße Fingerabdruck taugt mittlerweile als Zugangsautorisierung – sei es für die Erlaubnis, dass die Tochter auf ihrem iPad Mini eine bestimmte App installieren darf (dann taucht bei mir auf dem Handy eine entsprechende Abfrage auf, die ich mit zwei Zeigefinger-Abdrücken zulasse), sei es für den Zugang zum Bankkonto. In zwei Jahren werden wir vermutlich darüber lachen, wie eine ganze Generation von Digitalnutzern anderthalb Jahrzehnte lang seitenweise Passwörter notierte.

Die Paywall der Rhein-Zeitung ist also eine Wette auf die Zukunft. Ob die Wette aufgeht, vermag heute Niemand zu sagen.

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Alle Kommentare

  1. Abos sind schon seit Langem schwer zu verkaufen. Da darf man nicht erwarten, online ging das leicht und schnell.
    Das Problem ist möglicherweise aber ein Anderes. Auf einer englischen Seite lese ich gerade diesen Denkfehler, der einem häufig begegnet, nämlich es ginge darum „convincing people that the quality that they pay for on paper is also worth paying for digitally.“
    Die Erfindung des Abos hat nichts damit zu tun, dass die Leser großherzigerweise für „Qualität“ bezahlen wollten. Sie wollten ihre Nachrichtenversorgung zu einem günstigen Preis sicherstellen. Das heißt der Kern des Printabos bestand aus einem Komfortvorteil (Zeitung muss ich mir nicht mehr selbst holen, sondern ist gleich morgens da) und einem Preisvorteil (einem Abschlag gegenüber dem Kauf von Einzelausgaben).
    Womit lässt sich der Verlust der Komfort- und Preisvorteile ersetzen? Die Rhein-Zeitung ist, das ist meine Vermutung, auf dem richtigen Weg, wenn sie zunächst einmal darauf baut, dass sie für die Leser wenigstens noch eine allgemeine Relevanz als „Regionalversorger“ hat. Wer also sehr stark am Lokalen interessiert ist und Print nicht mehr haben will, müsste ansprechbar für ein Digital-Abo sein.
    Aber was setzt man an die Stelle des guten alte Preisvorteils? Wer den Punkt knackt, kann wieder Abos einsammeln. Ich denke, es gibt vielleicht Möglichkeiten. Wer umgekehrt diesen Punkt aber außer Acht lässt und einfach mit Appellen an die Zahlungsbereitschaft der Gutwilligen auskommen möchte, wird es vermutlich schwer haben.
    Ansonsten kann sich das Rad auch drehen, wenn die Überversorgung mit Nachrichten dadurch sinkt, dass die Zeitungen und Magazine eben Bezahltore errichten. Der Erste, der das macht, sieht erst einmal etwas blöd aus. Aber mit der Zeit könnte sich das Blatt wenden.

  2. Ich finde es schade das man nur gegen Cash die Rhein Zeitung online lesen kann. Viele andere Zeitungen sind online für jedermann ( Spiegel, FAZ, ect. )
    Ich empfinde es als Abzocke nur um Umsatz zu machen..
    Rhein Zeitung >> NEIN DANKE <<

  3. >Die Paywall der Rhein-Zeitung ist also eine Wette auf die Zukunft. Ob die Wette aufgeht, vermag heute Niemand zu sagen

    LOL – Wie das ausgehen wird kann eigentlich JEDER vorhersagen !

    Der Job eines Zeitungsmanagers ist heute doch eigentlich einfach, man kann sich komplett auf Kostensenkung fokussieren.

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