Bilds Griechenprotest: Diekmann meldet Rekordteilnahme, DJV fordert sofortigen Stopp

Publishing Der Deutsche Journalistenverband kritisiert die laufende Griechenland-Protest-Aktion von Bild und hat Bild-Online-Chef Julian Reichelt dazu aufgefordert, sie sofort zu stoppen. Bild ruft ihre Leser dazu auf, sich mit der heutigen Seite-2 ("Nein! Keine weiteren Milliarden für gierige Griechen") abzulichten. Währenddessen vermeldet Bild-Chef Kai Diekmann einen Teilnehmerrekord.

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Laut Journalistenverband verlasse die Bild-Zeitung ihr Aufgabengebiet. „Dass Boulevard-Medien eine andere Sprache und einen anderen journalistischen Stil pflegen, ist selbstredend. Die Selfie-Aktion von Bild.de überschreitet aber die Grenze zur politischen Kampagne“, kritisiert DJV-Chef Michael Konken und meldet gleichzeitig medienethische Bedenken an. Bild diffamiere für die finanzpolitischen Fehlentscheidungen „ein ganzes Volk“ („gierige Griechen“). „Die Verunsicherung über die Auswirkungen der Griechenland-Krise auf Deutschland ist groß“, erklärt der Gewerkschafter. Die Medien sollten sich auf ihre „umfassende und kritische Berichterstattung“ konzentrieren.

Bild ruft am heutigen Donnerstag seine Leser zu einem Griechenland-Protest auf (MEEDIA berichtete). Anlass ist die am Freitag anstehende Bundestagssitzung, in der über neue Finanzhilfen für das Euro-Land entschieden werden solle. Im Netz zeigt sich, dass die Aktion der Bild-Zeitung sehr umstritten ist. Allerdings kontert Bild gegen Mittag. Nach wenigen Stunden Aktion veröffentlicht Bild zahlreiche Fotos von Lesern samt Seite 2. Auffällig ist aber: Einige der veröffentlichten Fotos sind offenbar nicht von Lesern selbst, sondern professionellen Fotografen, wohl im Auftrag der Bild, gemacht worden.

Trotzdem verkündet Bild-Chef Kai Diekmann eine Rekordteilnahme, die Axel Springer auf Nachfrage von MEEDIA nicht genau definiert. Bis zum frühen Vormittag wären Fotos im „hohen dreistelligen Bereich“ zusammengekommen, Anzahl weiter steigend.

Auf die Forderung des DJV findet Diekmann folgende Antwort:

Gegenüber MEEDIA reagiert auch Bild-Online-Chef Julian Reichelt. „Mit der Selfie-Aktion verleiht Bild der vorherrschenden Stimmung in Deutschland optisch Ausdruck.“ Es gäbe eine „überwältigende Mehrheit der Deutschen“ gegen neue oder verlängerte Hilfspakete. Belege für seine Behauptung liefert Reichelt nicht. Dafür sei aber die Resonanz auf die Aktion „gewaltig und verdeutlicht, wie sehr dieses Thema und die Sorge um deutsche Steuergelder die Menschen bewegen.“ Zusätzlich zur Aktion habe Bild „heute seine seit Jahren eindeutige und unveränderte Position zu weiteren Hilfen für Griechenland in einem Kommentar deutlich gemacht“.

Sozen-rot statt Griechen-blau: Jusos greifen Bild-Aktion auf

Mit der offenbar steigenden Anzahl an Bild-Teilnehmern, wächst auch der Protest am Protest.  So griffen die Jungen Sozialdemokraten (Jusos) die Seite 2 der Bild auf und tauschten das Griechen-blau gegen das Sozen-rot.

nein-zu-volksverhetzung_image

Genau wie bei der Bild-Aktion sollen Nutzer das Foto herunterladen und Selfies damit machen, um sie in sozialen Netzwerken mit #Nein zu verbreiten. Statt einem „Nein“ zur Griechenhilfe, fordern die Jusos aber ein „Nein“ zu „Volksverhetzung in Tageszeitungen“.

 

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Alle Kommentare

  1. Wo ist der DJV wenn politisch gesteuert, Anti-AfD Kampagnen über das Land rollen ?

    Lächerlicher linksgrüner Verein !

    1. Diekmann vergleicht sich in der Griechen-Debatte publizistisch mit Nannen und Augstein. Dabei sollte er seine brutale Volksverhetzung doch eher in den Vergleich Hitler oder Goebbels einordnen.

  2. Ein paar hundert “ hoher 3-stelliger Bereich “ findet JEDES blinden Huhn für JEDEN MIST bei 80 MIO.

    Die erbärmliche Niedertracht erkennen VIEL MEHR !

  3. Verabscheuungswürdig! Die Initiatoren sollten sich schämen. Und ein bitterer Beigeschmack bleibt auch noch: Die Kampagne erinnert mich an die braunen 1930er-Jahre. Da wurde zwar nicht ein ganzes Volk, aber „eine Rasse“ runtergemacht und war an allem schuld. Und wie das endete, wissen wir ja.

    1. Geht‘ s noch? Was ist daran “ volksverhetzend“, wenn eine Zeitung den Protest gegen die infam-schamlose Bereicherungsmentalität nicht nur der sog.Regierung in Athen, sondern auch der dazu passenden Bevölkerung in Aktion umsetzt?

      1. Ganz einfach: weil mit der Aktion ein ganzes Volk, jeder einzelne Grieche, verhetzt wird. Das hat nichts mit der Bereicherung der Eliten in den letzen Jahrzehnten zu tun. Und glaubst Du wirklich, dass die Ladenverkäuferin in Thessaloniki sich ganz bewusst bereichert hat im festen Gewissen, Dir persönlich in die Tasche zu langen?

        Der Straftatbestand des §130 StGB ist meiner Meinung nach sowohl beim Anstifter, der B*LD-Redaktion als auch bei jedem einzelnen Teilnehmer erfüllt, denn es wird damit Hass gegen „die Griechen“ geschürt und die Bürger Griechenlands werden allesamt als gierig, faul und korrupt verunglimpft.

        Die Staatsanwaltschaft sollte in jedem einzelnen Fall Ermittlungen aufnehmen.

        WEHRET DEN ANFÄNGEN!

  4. Die Kampagne ist doch großartig!
    Mit „gierige Griechen“ ist ja auch nicht das Volk, sondern seine Regierung gemeint. Und diese ist gerade dabei, uns erneut nach Strich und Faden zu ver@..en. Getreu ihrem bereits öffentlich geäußerten Motto „Die Deutschen müssen zahlen, so oder so“.
    Da sollte der DJV mal schön den Ball flach halten.

    1. Die Länder, hätten nach dem Zusammenbruch genau so denken sollen, dann wäre Deutschland noch heute ein Entwicklungsland. Aber Undank ist des Welten Lohn.

      Mitnichten gibt es die Griechen, im Übrigen bekam und bekommt das meiste Geld die Französischen und Deutschen Banken, die Bürger dagegen dürfen verhungern. Im Übrigen tragen auch andere an den Problemen in Europa eine große Mitschuld, an erster Stelle Deutschland.

      Aber wenn Programme nicht helfen, die Krise zu lösen, sondern diese noch zu verschlimmern, dann frage ich mich wie wird eigentlich gedacht in Deutschland: Operation gelungen, Patient tot“?

      Komisch solange seine eigenen Vorurteile bestätigt werden, glaubt man den Medien, wenn nicht dann wird gebrüllt: „Lügenpresse halt die Fresse“?

      1. Deutschland war nie Entwicklungsland!

        Glauben sie nicht alle Märchen, die ihnen irgendwelche Bildungsopfer/Anti-Deutschen erzählen.

    2. Fakt ist aber, was da geschrieben steht. Die Interpretation mag jeder einzelne vornehmen.
      Und wenn da ganz allgemein „gierige Griechen“ steht, dann schließt das das ganze griechische Volk ein. Das ist Volksverhetzung erster Güte. Und die Zeitung ruft ja sogar mit der Aktion einzelne Menschen auf, sich an der Volksverhetzung zu beteiligen.

  5. Reichelt, Anda (!) und Diekmann „goebbeln“ sich durch Deutschland !

    Christian G. Christiansen, Berlin

  6. BILD, BAMS und Glotze. Ok, BILD geht schon mal in die richtige Richtung, an der Glotze muss allerdings noch gearbeitet werden. Aber letzterer können die Zuschauer und Zuhörer ja auch völlig egal sein, die leben schließlich (im Gegensatz zu BILD) von Zwangsgebühren.

    1. Sie haben da noch die Bildzeitung für Intellektuelle vergessen, wie Der Spiegel, FAZ, Süddeutsche usw.

      1. Na ja, ich bezog mich auf Ex-BK Gerhard Schröder, der diese drei als die wirklich wichtigen Medien bezeichnete. (Also ich habe diese BILD gestern bei meinem Lieblingsgriechen gelesen, der war hin und her gerissen zwischen seiner Loyalität als dt. Steuerzahler und patriotischem Griechen). Ich bin im Übrigen sicher, dass diese BILD AM wesentlich stärker beeindruckt als die von Ihnen genannten sog. Qualitätszeitungen. Es könnte noch spanndend werden, spätestens in vier Monaten.

  7. Die einzigen die sich bereichert haben sind die Deutschen und zwar an den Griechen. Deutschland profitiert von der europaweiten Krise am meisten.
    Was würde uns denn passieren, wenn wir den Griechen die Schulden erlassen?
    NICHTS! Keinen Cent würden wir verlieren, weil es sich um Zinsschulden handelt. Also nicht „geliehenes BRD-Erspartes“, sondern nur entgangener Zusatzgewinn. Christen sollen keine Zinsen nehmen! (Bibel).
    Lasst die Griechen leben.

  8. Der DJV ist ein an den eigenen Ansprüchen (Transparenz!) gescheiterter privater Verein, der verzweifelt um Aufmerksamkeit buhlt. Ihm laufen die zahlenden Mitglieder in Scharen davon (minus 20%!), bekannte Journalisten halten sich fern, die Funktionäre um den Ex-Beamten Konken streichen mitgliederbezogene Leistungen und erhöhen dafür die eigenen Luxus-Gehälter, der politische „Einfluss“ tendiert gegen null. Die demnächst kommende „Tarifeinheit“ dürfte dem DJV als Micker-„Gewerkschaft“ den Rest geben, zugunsten von Verdi, die wenigstens noch Flughäfen lahmlegen statt sich selbst.
    Wie beim überschätzten „Presserat“ („Zahnloser Tiger“) ist der Anspruch machtloser unbekannter DJV-Funktionäre, eine Art neue „Schrifttumskammer“ mit Zensur-Knüppel zu betreiben und andere Moral zu lehren, schlicht lächerlich. Natürlich nimmt „Bild“-Diekmann das nicht ernst, so wie Augstein und Nannen sich auch schon darüber amüsiert haben, dass da ein paar Wichtel ihnen Vorschriften machen wollten. Der DJV sollte die Medienfreiheit gegen eine verkommene „Elite“ verteidigen und nicht das politische Regime gegen Kritik.
    Für „Bild“ gilt, was für alle gilt: Anything goes! Jeder darf alles, solange ein Gesetz es nicht ausdrücklich verbietet. Der DJV wird dabei nicht gebraucht.

    1. Ihre Ahnungslosigkeit bezüglich „Stürmer“ dürfte auf die „Gnade der späten Geburt“ zurückzuführen sein. Der „Stürmer“ hatte eine feste Beilage mit den Titel „Pranger“. Dort wurden Namen und Adressen von jüdischen Deutschen veröffentlicht, die „Rassenschande“ im Sinne der „Nürnberger Gesetze“ begangen hatten. Heute gibt es wieder eine Zeitung namens „Pranger“ in ganz ähnlicher Aufmachung; Herausgeber ist der DJV-Bonze Konken, die Redaktion des „Pranger“ obliegt dem DJV-Geschäftsführer Döhring. Und wird mit vollem Namen „angeprangert“, was der DJV für eine „Schande“ hält. Funktionär bleibt halt Funktionär …

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