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YouNow: Was Eltern über den Livestream aus dem Kinderzimmer wissen müssen

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Auf der Video-Plattform YouNow filmen sich Jugendliche in ihren Kinderzimmern oder der Schule – und machen die Livestreams potenziell für ein weltweites Publikum zugänglich. Jugendschützer schlagen Alarm und die Plattform räumt Schwierigkeiten bei der Kontrolle des Dienstes ein. Wo liegen Probleme und was könnten Lösungen sein?

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Was ist YouNow?
Auf der Streaming-Plattform YouNow filmen sich die Nutzer live und veröffentlichen die Videos so für die ganze Welt in Echtzeit. Die Anmeldung läuft über die Facebook-, Google- oder Twitteraccounts; während des Livestreams können die Zuschauer Kontakt aufnehmen und im Chat fragen stellen. YouNow wurde bereits 2011 in den USA gegründet – ursprünglich als Tool für YouTuber und Musiker, um ihnen den Kontakt zu den Fans zu erleichtern. Doch mittlerweile nutzen vor allem Jugendliche die Plattform und streamen aus ihren Kinderzimmern oder aus der Schule. Seit Ende 2014 boomt die Plattform auch in Deutschland; bisher liefen mehr als 16 Millionen Nutzer-Sessions in deutschsprachigen Ländern. Für Jugend- und Datenschützer ist YouNow ein wahr gewordener Alptraum; das Bundesfamilienministerium kritisiert die Plattform scharf: Mobbing durch Gleichaltrige und sexuelle Belästigungen durch Erwachsene würden so erleichtert werden.

Was ist das Problem?
Zwar erlaubt die Plattform eine Nutzung des Dienstes offiziell erst ab 13 Jahren und verbietet darüber hinaus in ihren Richtlinien unter anderem auch Nacktaufnahmen – doch für diese Regeln und Bestimmungen wird sich wohl kaum ein Teenager interessieren. Zumal eine umfassende Kontrolle bei einem derart rapiden Wachstum so gut wie unmöglich sein dürfte. Für viele Jugendliche bietet YouNow vor allem die Möglichkeit, Anerkennung und Aufmerksamkeit zu bekommen – und zwar schneller als bei Facebook, Instagram oder YouTube. Bei einigen Videos schauen bis zu 100 Menschen zu und stellen den Usern – meistens sind es Mädchen – persönliche und teilweise sexuelle Fragen.

Das Bundesfamilienministerium kritisiert, dass YouNow keine Vorsorge betreibe, um Kinder und Jugendliche wirkungsvoll vor Übergriffen und Gefährdungen zu schützen. Aus diesem Grund sei der Dienst für Kinder ungeeignet. Das Netzwerk verleite seine jungen Nutzer, Einblicke in ihre Privatsphäre zuzulassen – meistens seien die Jugendlichen dabei eindeutig identifizierbar. Oft sei ihnen dabei nicht klar, in welchem Ausmaß sie wildfremden Menschen persönliche Daten anvertrauten: Sie seien sich gefährlicher Persönlichkeits- und Urheberrechtsverstöße oftmals nicht bewusst. So verletzte das Filmen von Klassenkameraden, Lehrern oder Passanten das Recht am eigenen Bild. Auch Musik im Hintergrund könne zum Problem werden, da für Musik in Online-Videos normalerweise Gema-Gebühren fällig sind.

Doch nicht nur die Politik schlägt Alarm. So warnte zum Beispiel auch YouTube-Star LeFloid in seinem Video „Seid nicht dumm auf YouNow“ vor den Gefahren, die vom Streamen auf der Plattform ausgehen können. Er fordert seine Zuschauer auf, erst ihren Kopf einzuschalten und dann das Internet. Er habe nichts gegen YouNow, es käme jedoch immer darauf an, wie man es nutze.

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Wie reagiert YouNow?
YouNow bezog Stellung zu der harten Kritik und richtete sich in einem Eintrag auf dem Unternehmensblog direkt an die deutschen Nutzer: „Wir haben ein Moderationsteam, das 24 Stunden am Tag arbeitet, um User zu verbannen, die gegen unsere Bedingungen und Regeln verstoßen. Wir haben zusätzliche deutschsprachige Moderatoren und Vertreter in Stellung gebracht, um YouNow Broadcaster und Nutzer zu überwachen. Täglich vergrößern wir dieses Team.“ Außerdem würden sie konstant in Technologien entwickeln, die die Sicherheit der YouNow-Community schützen sollen. Allerdings räumt das Unternehmen ein: „Insbesondere durch das schnelle Wachstum der Nutzerschaft in Deutschland gab es Ende 2014 vereinzelt Schwierigkeiten bei der durchgängigen Überwachung und der Ahndung von missbräuchlicher Nutzung der Plattform“. Die Macher sehen jedoch auch insbesondere die Eltern in der Pflicht, die Kinder und Jugendlichen aufzuklären: „YouNow teilt die Auffassung von Familienministerin Manuela Schwesig, dass Kinder und Jugendliche im Internet geschützt werden müssen. Das geschieht einerseits durch Maßnahmen der Industrie, andererseits sind aber auch die Eltern gefordert, ihrer Aufsichtspflicht, die auch im Internet gilt, nachzukommen.“

Was nutzen Warnungen?
Die meisten Teeanger kümmern sich herzlich wenig um die Warnungen und Belehrungen von Erwachsenen – das war natürlich schon immer so. Und viele von ihnen haben ein anderes Empfinden für Privatsphäre und Grenzüberschreitungen als es die Generationen vor ihnen hatten. Schließlich wachsen sie sowohl mit der Öffentlichkeit im Internet auf als auch mit einer ständigen Bewertung in den Medien. Sie kennen Sendungen wie „Germany’s Next Topmodel“ und „Deutschland sucht den Superstar“, in denen sich die Kandidaten freiwillig von einer Jury beurteilen lassen, seit ihrer Kindheit und das Sammeln von Likes und Followern gehört selbstverständlich zum Alltag dazu. Eltern, Lehrer und Politiker dürften hier primär wenig Einfluss haben – und das ist erst einmal auch in Ordnung so; schließlich müssen und sollen Erwachsene auch nicht unbedingt verstehen, was die heranwachsende Generation begeistert. Dennoch scheinen Aufklärung, das Erlernen von Medienkompetenz – und damit auch das Abschätzen von Gefahren – bei YouNow dringend notwendig. Mehr Videos, wie das von LeFloid, dürften ein richtiger Weg sein.

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