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Sat.1-Hoffnung „Newtopia“: Wenn die Aldi-Kassiererin auf den Key-Account-Manager trifft …

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15 Menschen aus nahezu allen sozialen Schichten und mit unterschiedlichsten Lebensentwürfen ziehen für zwölf Monate auf ein einsames Stück Land: Am Montag Abend startete bei Sat.1 die Reality-Show "Newtopia". Hat die Sendung das Zeug zum Sozialexperiment?

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Monatelang wurde es mit viel Brimborium angekündigt, am Montag Abend um 19.00 Uhr war es dann soweit: Auf Sat.1 startete das nach Angaben der Macher „größte TV-Experiment aller Zeiten“, die Reality-Show „Newtopia“. In 50 Minuten – mit nur 80 Sekunden Werbung – wurden die Teilnehmer vorgestellt und die Grundregeln für das Zusammenleben festgelegt.

Die 15 Bewohner von „Newtopia“, die sogenannte Pioniere, ziehen auf ein einsames Stück Land und sollen sich dort eine völlig neue Existenz aufbauen. Es gibt weder Betten, noch Toiletten oder Duschen; den Teilnehmern stehen lediglich zwei Kühe, 25 Hühner, ein fruchtbarer Acker und ein Teich mit Fischen, ein Handy mit einem Guthaben von 25 Euro und 5.000 Euro Cash zur Verfügung. Um sich ihr Überleben für ein Jahr zu sichern, dürfen beziehungsweise müssen sie Handel mit der Außenwelt betreiben – Freunde und Familie sind dabei allerdings tabu.

Aldi-Kassiererin trifft auf Key Account Manager

In den Niederlanden läuft die Sendung unter dem Titel „Utopia“ mit großem Erfolg, dort wurde die Sendezeit jetzt sogar über das geplante Jahr hinaus verlängert. In den USA hingegen ist das Format gefloppt. Gestern startete das Experiment nun in Deutschland; ab sofort läuft montags bis freitags jeweils ab 19.00 Uhr für eine knappe Stunde die Zusammenfassung des Tages.

Der Auftakt drehte sich vor allem um die Vorstellung der Kandidaten und deren Einzug in die „neue Welt“. Beim Casting hat Sat.1 ganze Arbeit geleistet und präsentiert einen Querschnitt der deutschen Gesellschaft: Hier trifft die energische Buchhalterin auf den Alt-Hippie, der sich offenbar vor allem auf Sex in der Scheune freut. Ein bodenständiger Handwerker ärgert sich über den eitlen Personal Trainer und eine Aldi-Kassiererin trifft auf einen Key Account Manager, der in „Newtopia“ unbedingt ein Start up gründen will. Hier prallen also tatsächlich Menschen mit unterschiedlichsten Lebensentwürfen aufeinander – was ordentlich Spannung und Konflikte verspricht.

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Nachdem die nervtötenden und vor Kitsch triefenden ersten vier Minuten verstrichen sind, in denen sich die Kandidaten zu Geigenmusik und unter Tränen von ihren Freunden und Familien verabschieden, geht es endlich ans Eingemachte: Die 15 Pioniere haben nur wenige Minuten Zeit, zu organisieren, wer was mit nach „Newtopia“ bringen darf. Dann fahren sie nach Hause und müssen dort im Eiltempo ihre Kiste packen. Hier wird es zum ersten Mal richtig spannend: Wer kann auf was nicht verzichten und was ist eigentlich lebensnotwendig? Das Ergebnis: Von Motorsäge über Kondome bis zum Dosenfraß ist alles dabei.

Kann Sat.1 das Tempo und die Spannung halten?

Über allem schwebt die Frage: Was für eine Welt wünschen wir uns? Wie können wir sie gemeinsam erschaffen – und zwar so, dass alle zufrieden sind? „Newtopia“ hat durchaus das Potenzial, ein spannendes Sozial- und TV-Experiment zu werden: Wie verhalten sich die unterschiedlichsten Persönlichkeiten in einer völlig neuen Umgebung ohne Regeln und ohne Gesetze? Braucht es einen Anführer und wenn ja, welcher Charakter setzt sich durch? Entwickeln sich Liebschaften? Und wie lange hält die Veganerin es durch, die Kuh nicht zu melken?

Die erste Folge startete – Gott sei Dank! – temporeich, am Ende der 50 Minuten sind alle Teilnehmer in der Scheune und die Tore zum Gelände geschlossen. Es gibt kein Zurück mehr, jetzt kann es richtig losgehen. Ob die Spannung und somit das Interesse der Zuschauer gehalten werden kann, bleibt abzuwarten. Hier wird es vor allem auch auf das dramaturgische Geschick von Sat.1 und der Produktionsfirma Talpa Germany ankommen – die Vorraussetzungen sind auf jeden Fall da.

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Alle Kommentare

  1. Der Titel der Sendung verspricht viel – „jeder wünscht sich einen Neuanfang“ wie auch im Vorspann der Sendung gemeldet. Aber hey, was treiben die da?
    Ich habe noch keine Gesprächsrunde erlebt, in der mal jeder von seiner Vision gesprochen hat, die ihn dorthin getrieben hat – und mittlerweile frage ich mich, ob es überhaupt wirkliche individuelle Visionen gibt. Im Moment sieht sich alles wie eine Kopie von „Big Brother“ an – und das war schrecklich genug.
    Möglicherweise läuft es sogar auf das Ergebnis heraus: Selbst wenn wir die Gelegenheit bekommen, etwas Neues aufzubauen – wir sind nicht (mehr) dazu in der Lage. Unsere selbstsüchtigen Wünsche und unsere Unfähigkeit, die Gruppe derart zu gestalten, dass durch Zutun und Zurücknehmen eines jeden dieser Gruppe eine „schöne(re) neue Welt“ geschaffen wird, machen mich unsäglich traurig – und wütend.
    Entweder sind die Kandidaten untauglich – oder, was ich sogar eher in Betracht ziehe, sie repräsentieren unsere Gesellschaft und wir sind nicht mehr in der Lage, uns von den aufoktroyierten Regel zu lösen und wirklich frei zu entscheiden – vor allem miteinander zu entscheiden und wirklich mal neue Wege zu gehen.
    Hut ab: total daneben gegangen – (meine Meinung) wenn der Anfang schon so besch… läuft, wird es nicht mehr besser…

  2. Mein Ergebnis nach 4 Tagen bis Heute ist die Sendung an Langeweile durch nichts zu überbieten. Ab Morgen gilt: Ich bin schon ausgestiegen.

  3. Nun ist es also vollbracht:

    John de Mol hat BigBrother mit dem Dschungelcamp gekreuzt und hat noch einen Schuss DieAlm reingerührt.

    Die Protagonisten sehen ihre mehr oder weniger große Chance, etwas aus ihrem Leben zu machen (nochmal verkorkst oder Neuanfang – wer weiß), und der Zuschauer darf sich also wieder mal über Streitbares, Liebestolles, Privates, Dümmliches, Primitives und sicher auch Peinliches freuen.

    Ok, ich will nicht unken. Ich bescheinige aber jetzt schon ein Scheitern des Grundgedankens. Warum? Weil sich Menschen „gezwungen“ nicht anpassen und angleichen werden. Und das ist unumgängliche Pflicht bei einem derartigen Projekt, bei dem es auf Teamgeist nicht nur ankommt, sonder wo Teamgeist Tagesordnung sein muss.

    Alles Gute!

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