„SZ Leaker“ Sebastian Heiser soll die taz-Redaktion ausgespäht haben

taz-Chefredakteurin Ines Pohl hat eine Ausspäh-Affäre in der Redaktion
taz-Chefredakteurin Ines Pohl hat eine Ausspäh-Affäre in der Redaktion

Publishing taz-Redakteur Sebastian Heiser, der diese Woche mit vermeintlichen Schleichwerbe-Enthüllungen über die Süddeutsche Zeitung Furore machte, soll seine Kollegen bei der taz mit elektronischen Mitteln ausgespäht haben. Das berichten der NDR und die Zeitung Die Welt. Laut Welt hat Heiser Hausverbot erhalten, er selbst streitet die Anschuldigungen offenbar ab.

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Auf einer außerordentlichen Redaktionskonferenz am Mittwoch war der taz-Belegschaft eröffnet worden, dass an einem Redaktionscomputer ein so genannter Keylogger gefunden worden sei. Das ist ein Gerät, das aussieht wie ein USB-Stick, in Wahrheit aber den betreffenden Rechner ausspäht und auch Tastatur-Eingaben aufzeichnet. Somit können auch Passwörter und vertrauliche Informationen entwendet werden. Ein Techniker habe später einen taz-Mitarbeiter dabei erwischt, wie er den Keylogger mitnehmen wollte. Das Medienportal newsroom.de hatte den Fall ohne Namensnennung als Erster veröffentlicht.

Laut Berichten des NDR-Medienmagazins „Zapp“ und der Welt handelt es sich dabei um Sebastian Heiser, jenen Journalisten, der in dieser Woche angebliche Enthüllungen über Schleichwerbung und Vermischung von Anzeigen und Redaktion bei der Süddeutschen Zeitung in seinem privaten Blog öffentlich machte. Heiser belegte seine Vorwürfe gegen die SZ mit verdeckt mitgeschnittenen Tonband-Aufzeichnungen von Gesprächen mit Kollegen und Vorgesetzten. Solche verdeckten Aufzeichnungen sind grundsätzlich illegal. Ihre Veröffentlichung ist nur in Ausnahmefällen bei „überragendem öffentlichen Interesse“ rechtlich zulässig.

Im taz-Fall soll eine Analyse des Keyloggers ergeben haben, dass die Daten mehrerer Mitarbeiter ausgespäht wurden. Ressortleiter, Redakteure, ehemalige Redakteure, eine Volontärin und eine Praktikantin seien betroffen. Das heimliche Verwenden von Keyloggern ist in Deutschland grundsätzlich strafbar.

Laut Welt hat Heiser auch innerhalb der taz, ähnlich wie bei der Süddeutschen Zeitung, vermeintliche Missstände angeprangert. Dazu sollen die schlechte Bezahlung von Praktikanten und Sonderseiten, die als Anzeigenumfeld gestaltet wurden, gehört haben.

Die Welt berichtet weiter, dass Heiser gegenüber der taz-Chefredaktion die Vorwürfe bestreitet. Ihm sei mittlerweile Hausverbot erteilt worden, allerdings wolle die Chefredaktion ihm in einem Gespräch noch einmal eine Möglichkeit zur Stellungnahme geben. In der Nacht zum Donnerstag war außerdem in die taz-Redaktion eingbrochen worden. Eine Tür wurde dabei laut Berichten aufgebrochen, eine zweite, mit einem Zugriffscode gesicherte Tür, sei unbeschädigt geblieben.

 

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Alle Kommentare

  1. Da haben wir die Bestätigung: Einmal Maulwurf, immer Maulwurf. In meinem Kommentar äusserte ich die Vermutung, demnächst werde die TAZ auch ihr Leak haben. Abgesehen davon, dass man über die Objektivität von Sonderbeilagen diskutieren kann, ist dieser sogenannte Journalist in keiner Redaktion tragbar. Und was mir bei den vielen Kommentaren noch aufgefallen ist: Offensichtlich kennen viele Journalisten den Unterschied zwischen Kommentar/Meinung und Nachricht nicht und mischen alles munter durcheinander. Vielleicht sollten auch einige mal darüber nachdenken, ob Empörtsein immer die richtige Reaktion auf vermeintliche Skandale ist. Erst mal nachdenken und werten und dann schreiben: „Haltet den Dieb“.

  2. Na, hat mich mein Gefühl doch nicht getäuscht. Nein, in meinen Kommentaren wollte ich diesen Herrn nicht „niedermachen“. Aber wer einmal Kollegen bespitzelt, tut es auch wahrscheinlich auch ein zweites, drittes Mal. Dass er in anderen Berichten als „Enthüllungsjournalist“ bezeichnet wird, wirft kein gutes Licht auf die Branche.

  3. Dass Heiser nun vielleicht auch persönlich unter Verdacht und entsprechenden Beschuß gerät, wird kaum seine Recherchen zum Thema SZ und Käuflichkeit entwerten. Dumm nur für ihn, dass das jetzt trotzdem viele tun. Dabei hat seine nach wie vor gute Geschichte über eine unsägliche Praxis bei vermeintlich seriösen Zeitungen (am Beispiel der SZ) mit den neuen Vorwürfen überhauptnichts zu tun. Ein Schelm, wer Böses dabei denkt, dass ausgerechnet ZAPP mit Anja Reschke, die sich während „SZLeaks“ so unsäglich blamiert hat, Heiser angebliche Verfehlungen bei der taz mit aufgedeckt hat… Würde es sich nicht so verschwörungstheoretisch anhören, ließe sich sagen, dass das System, welches ja schon in den vergangenen Tagen wider alle Fakten Beharrungsvermögen gezeigt hat (Wolfgang Krach, Reschke et al.) nun zurückschlägt. Trauriger unmoralischer Kindergarten, diese Branche.

  4. Wenn so ein Thema sogar in der Bild gebracht wird, steckt meistens was anderes dahinter. Meines Erachtens ist das eine Nelbelkerze, um von der ansonsten im größeren Maßstab gelenkten Berichterstattung (z.B. „Nato-Presseorgane“) abzulenken. Die Leute sollen glauben, dass diese tatsächlich ärgerliche Schleichwerbung das einzige Problem in den Medien sei, was natürlich lächerlich und kaum mehr zu untertreiben ist.

    „…Das Geschäft der Journalisten ist, die Wahrheit zu zerstören, schlankweg zu lügen, die Wahrheit zu pervertieren, sie zu morden, zu Füßen des Mammons zu legen und sein Land und die menschliche Rasse zu verkaufen zum Zweck des täglichen Broterwerbs. Sie wissen das, und ich weiß das, also was soll das verrückte Lobreden auf eine freie Presse? Wir sind Werkzeuge und Vasallen von reichen Männern hinter der Szene. Wir sind Marionetten. Sie ziehen die Strippen, und wir tanzen an den Strippen. Unsere Talente, unsere Möglichkeiten und unsere Leben stehen allesamt im Eigentum anderer Männer. Wir sind intellektuelle Prostituierte.“ John Swinton, Chefredakteur der New York Times 1860er-Jahre

  5. Wieso nennt die taz eigentlich einen Verdächtigen mit vollem Namen? Sieht so verantwortungsvolle Verdachtsberichterstattung aus?

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