Plus 70% am Kiosk: Bravo-Umstellung auf 14-täglich vorerst ein Erfolg

Bravo-Chefredakteurin Nadine Nordmann
Bravo-Chefredakteurin Nadine Nordmann

Publishing Es war ein gewagter, aber offenkundig notwendiger Schritt. Seit Ende Dezember erscheint die Bravo nicht mehr wöchentlich, sondern nur noch alle 14 Tage. Nun liegen erste Zahlen vor - und die machen der Redaktion Mut: Von zuletzt 70.500 Einzelverkäufen ging es für die beiden ersten 14-täglichen Hefte auf über 120.000 hinauf.

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Der Alltime-Minusrekord von 70.489 Einzelverkäufen war für die Bravo der Schlusspunkt der wöchentlichen Erscheinungsweise und das vorläufige Ende einer dramatischen Entwicklung. Blicken wir zurück:

Schon in den 1960er-Jahren erreichte das Jugendmagazin erstmals in einem Quartal einen Millionenverkauf, regelmäßig gelang das dann ab 1973. Im ersten Quartal 1979 verkaufte sich die Bravo erstmals mehr als 1,5 Mio. mal, Bis Ende der 1980er Jahre ging es dann zwar wieder auf 1 Mio. herab, doch die Wiedervereinigung bescherte dem Blatt frisches neues Publikum. Folge: Im ersten Quartal 1991 waren es wieder 1,5 Mio. Käufer. Bis 1998 blieb die Auflage siebenstellig – mit 1,1 Mio. im dritten Quartal. Danach setzte aber – nicht zuletzt durch das aufkommende Internet – der Absturz ein. 2000 waren es weniger 800.000 Verkäufe, 2004 weniger als 600.000, 2010 weniger als 400.000, 2013 weniger als 200.000 und im vierten Quartal 2014 dann nur noch dramatische 124.265. Am Kiosk setzte das Blatt noch 83.191 Hefte pro Woche ab, Abonnenten gab es 29.814.

Bravo 14-tgl

Angesichts einer solchen Entwicklung erschien der Plan, die Bravo ab 2015 nur noch alle 14 Tage heraus zu bringen, wie die letzte Chance für die Print-Version der Jugendmarke. Mit den üblichen Marketing-Buzzwords wurde der Relaunch begleitet: Man wolle das Blatt als „Premium-Printmagazin“ neu positionieren, Bravo solle ein „Social Magazine“ werden, mit mehr „exklusiven Hintergründe und Servicethemen“.

Eine solche Umstellung birgt natürlich Risiken, die Umsätze mit Vertrieb und Anzeigen brechen logischerweise ein, wenn nur noch halb so viele Hefte erscheinen. Auf der anderen Seite sinken aber auch die Kosten massiv. Dennoch: Sollte sich der Absturz der Bravo weiter fortsetzen, wäre nach der Umstellung auf 14-täglich die letzte Konsequenz wohl nur noch das Aus.

Dazu muss es nun aber vorerst nicht kommen, denn die ersten Zahlen der IVW machen den Bravo-Verantwortlichen durchaus Mut. Vom Einzelverkaufs-Minusrekord von 70.489 Exemplaren ging es in dieser für die Bravo wichtigsten Auflagenkategorie mit Heft 1/2015 auf 121.709 in Kiosken, Supermärkten, etc. abgesetzten Exemplare nach oben. Ausgabe 2/2015 erreichte dann sogar noch ein paar mehr: 123.140. Durch die 14-tägliche Erscheinungsweise und die Erweiterung der Heft-Inhalte gelang es den Machern also vorerst, viele Käufer zurück zu gewinnen. Von Ausgabe 52/2014 zu 1/2015 stieg der Einzelverkauf um rund 70%, nimmt man das komplette vierte Quartal 2014 als Maßstab, immerhin noch um fast 50%. Der Gesamtverkauf inklusive Abos, Lesezirkeln, etc. erreicht nun wieder mehr als 160.000 Exemplare, so viele wie seit fast einem Jahr nicht mehr.

Wie nachhaltig diese Entwicklung ist, muss sich natürlich noch zeigen, der radikale Absturz der Bravo-Auflage scheint aber erst einmal gestoppt.

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Alle Kommentare

  1. So ein Blödsinn!
    Lieber Herr Schröder, eins uns eins gibt drei – schon klar.

    Bitte noch einmal genau nachrechnen.

    Zwei reguläre wöchentliche Ausgaben hätten im gleichen Zeitraum 140.000 Ex. verkauft – also 20.000 Ex. mehr als eine 14-tägige.

    Hier von Auflagenerfolg zu sprechen, ist ja wohl ein Witz.

    Wirtschaftlich ist der neue Turnus wohl tatsächlich ein Erfolg, da so Druck- und Vertriebskosten halbiert werden und das wird die Gudrun und den Heinz frohlocken lassen.

    1. Wer sich in Woche 1 Bravo kauft, kauft in Woche 2 nicht erneut – ist ja wohl logisch. Insofern ist die Aussage korrekt, dass die Bravo-Leserschaft größer geworden ist.

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