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„Würstchen“ und „Schlampen“: Kachelmann nimmt DJV ins Fadenkreuz

Jörg Kachelmann (l.) greift DJV-Sprecher Hendrik Zörner an.
Jörg Kachelmann (l.) greift DJV-Sprecher Hendrik Zörner an.

Ex-ARD-Wettermann Jörg Kachelmann greift den Deutschen Journalistenverband an. Dessen Sprecher Hendrik Zörner zweifelt in einem Blog-Eintrag eine Entscheidung des Bundesgerichtshof an, nach der eine Beschwerde von Emma-Herausgeberin Alice Schwarzer abgelehnt worden ist. Sie wollte gegen eine Gerichtsentscheidung vorgehen, die ihr eine Glosse untersagte, in der der Eindruck erweckt wurde, Kachelmann könne ein Vergewaltiger sein.

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Der Konflikt freie Meinungsäußerung versus Tatsachenbehauptung zwischen Kachelmann und Schwarzer zieht sich bereits über Jahre. Kachelmann stand 2010 wegen Vorwürfen der Vergewaltigung vor Gericht und wurde 2011 freigesprochen. 2012 erwirkte er zum ersten Mal eine Einstweilige Verfügung gegen die besagte Glosse. Schwarzer legte bis zuletzt Revision ein. Der Bundesgerichtshof wollte sich mit dem Fall nicht befassen und lehnte auch eine Nichtzulassungsbeschwerde Schwarzers ab, wie der Spiegel berichtet. Grund: Die Rechtssache habe keine grundsätzliche Bedeutung.

Eine Meinung, der Hendrik Zörner, Sprecher des Deutschen Journalistenverbandes, offiziell widerspricht. In einem Blog-Eintrag spricht er dem Anliegen Schwarzers große Bedeutung zu. „Nicht nur Alice Schwarzer dürfte an einer höchstrichterlichen Einschätzung interessiert sein, wie weit die Grenzen der Meinungsfreiheit in Kommentaren zu ziehen sind“, schreibt Zörner. Er empfiehlt der Publizistin den Gang vor das Bundesverfassungsgericht in Karlsruhe. „Im Interesse aller Kommentatoren sollte sie das tun.“ Was Zörner damit nicht meint ist, dass er Schwarzers Meinung teilt.

„Schwarzersolidarische Würstchen“ und „willfährige Schlampen“

Eine Ansicht, die Kachelmann nicht nachvollziehen kann (oder will). Im DJV-Blog sowie bei Twitter nimmt er Zörner in gewohnt Kachelmann’scher Manier (also beleidigend) ins Fadenkreuz. Unter Zörners Beitrag schreibt Kachelmann:

Widerwärtig, wie ihr schwarzersolidarischen Würstchen eine Absolution wollt, lügen und über Leichen gehen zu dürfen. Ekelhaft.

Und auch via Twitter zetert Kachelmann:

Daneben retweetet Kachelmann fleißig sämtlich Tweets zu diesem Thema. Viele davon stimmen mit seiner Meinung, dem DJV gehe es um Schwarzers Sieg, überein:

Auf Nachfrage von MEEDIA erklärt Zörner nochmals: „Uns geht es nicht um den Stellungskrieg zwischen Jörg Kachelmann und Alice Schwarzer. Wichtig ist, über das Duell zwischen den Beiden hinaus, wie weit ein Kommentar gehen darf. Ein Oberlandesgericht kann in einer so wichtigen Frage nicht die letzte Instanz sein.“

Ob Schwarzer mit ihrem Anliegen auch noch vor Deutschlands höchste Verfassungsrichter tritt, wird sich in den kommenden drei bis vier Wochen zeigen. Laut Spiegel dürfte Alice Schwarzer und Emma der Rechtsstreit bislang mehrere Zehntausend Euro gekostet haben.

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Alle Kommentare

  1. Kommentare sollten möglichst weitgehend von der Meinungs- und Pressefreiheit geDeckt sein, sofern es sich nicht um Schmähkritik oder falsche Tatsachenbehauptungen handelt. Ein höchstrichterliche Klärung ist nicht nötig, da das schon zur Genüge geklärt ist.
    So ist es selbstverständlich unzulässig einen vermeintlichen Täter nach dessen Freispruch weiterhin als vermeintlichen Täter zu bezeichnen. Das Nachtreten von Frau Schwarzer geht eindeutig zu weit. Ob die Wortwahl von Herrn Kachelmann geschickt ist, mag bezweifelt werden, verständlich ist sie allemal.

  2. Ganz genau: Wenn er ungerechtfertigt Opfer einer Kampagne wurde – und dann noch freigesprochen – dann ist sein Ärger über solche Äußerungen des DJV völlig gerechtfertigt.

    Andere geben auf, er kämpft noch gegen seine mediale Verurteilung. Daumen hoch für Herrn Kachelmann.

    Ich war viele Jahre lang Mitglied im DJV, als in noch aktiver Journalist war. Und der Verein ist eh so schnarchig, dass er sich Kommentare in solchen wirklich für Personen relevanten Fragen verkneifen sollte.

  3. Sprüche wie „Ist er krank?“ und „Hat er das nötig?“ können nur von Leuten kommen, die nicht die geringste Empathie dafür haben, wie traumatisierend es sein kann, wenn man unschuldig in Haft gesessen hat und von einem Großteil der Medien vorverurteilt worden ist. Ja, es gibt sowas wie eine posttraumatische Verbitterung. Es gibt aber auch schlichtweg berechtigten Zorn. Ist ja nicht so, als ob sich unsere Gesellschaft und unsere Medien großartig gegen Falschbeschuldigungen und Vorverurteilungen bei Vorwürfen sexueller Gewalt engagieren würden. Vor dem Lästern also vielleicht mal an die eigene Nase fassen.

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