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iCar: Wie Apples PR-Strategie die Gerüchteküche am Brodeln hält

Apple-CEO Tim Cook
Apple-CEO Tim Cook

Warum kursieren die Gerüchte um ein Apple-Auto plötzlich – und das in so geballter Form? Ein Zufall ist es nicht, glaubt Apple-Kenner Gene Munster. Der Staranalyst von Piper Jaffray vermutet, dass Apple Investoren vor dem Apple Watch-Launch signalisieren möchte, dass die Produkt-Pipeline weiter prall gefüllt sei. 


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Was für einen Unterschied zwei Jahre machen können. Im Februar 2013 sah es so aus, als sollte Tim Cook der neue Job als Apple-CEO komplett entgleiten. Der iPhone-Hersteller hatte gerade enttäuschende Quartalszahlen vorgelegt und im gleichen Atemzug „einen realistischeren Ausblick“ angekündigt – die Wall Street reagierte komplett enttäuscht und schockiert.

Es sah so, als gehe der iPhone-Zyklus zu Ende, aber auch, als habe Apple nichts Neues in der Pipeline anzubieten – ein Fernseher wollte ebenso wenig kommen, wie Tim Cook offenkundig Lust hatte, immer neue Attacken von Hedgefondsmanagern zu kontern und Gerüchte um Lieferbestände aus der Zuliefererkette zu kommentieren.

„The Narrative“, wie die Wall Street die Deutungshoheit über das eigene Handeln so gerne umschreibt, entglitt Cook völlig. Die Apple-Aktie verkam zum Spielball für Leerverkäufe, über eine Ablösung des Apple-CEOs wurde in der Branche diskutiert.

Vor zwei Jahren: Nick Bilton von der New York Times gelang iWatch-Scoop

Der einzige Luftballon, der in jenen dunklen Februartagen emporstieg und doch angesichts des vermeintlichen Wundertools Google Glass belächelte wurde: Apple arbeitete angeblich an einer digitalen Armbanduhr, die als Kleinstcomputer ähnlich funktionieren dürfte wie andere iOS-Geräte.

Wie Nick Bilton von der New York Times am 10. Februar 2013 berichtete, teste Apple die sogenannte „iWatch„, die aus gekrümmtem Glas gefertigt sein könnte, bereits intensiv. Das US-Traditionsblatt berichtete ebenfalls, dass Apple gerade massiv im Arbeitsumfeld von tragbaren Computern Bewerber einstellen würde.

Zwei Jahre später kann man sagen, dass die New York Times mit ihrem Exklusivstück ins Schwarze getroffen hat: Die smarte Uhr kommt als Apple Watch nun 26 Monate später als Apple Watch in den Handel.

The Narrative: Apples PR-Abteilung spinnt am Handlungsstrang

Wie kommt es nun, dass eine der renommiertesten Zeitungen des Planeten von einem auf den anderen Tag zu einem Scoop über das nächste „One more Thing“ gelangt? Die Antwort ist schnell gefunden: Nicht in einer Watergate-esken Enthüllung hat Star-Journalist Nick Bilton („Hatching Twitter“) etwa auf dem Apple Campus die geheime Gründungs-Unit der Apple Watch ausfindig gemacht – Apples PR-Leute, allen voran die seinerzeit noch amtierende PR-Chefin Katie Cotton, dürften Bilton den Scoop gesteckt haben.

So funktioniert am Ende des Tages die Verquickung der milliardenschweren Tech-Kolosse mit der Journaille im Silicon Valley: Immer mal wieder haben Apple, Google, Facebook und Co. exklusive Informationen zu verbreiten, mit denen die Kara Swishers, Walt Mossbergs, John Paczkowskis und Nick Biltons hausieren gehen. Aus „unternehmensnahen Kreisen“ haben sie eine Information bekommen – oft genug vom Unternehmen selbst.

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WSJ verlieh iCar-Gerücht Glaubwürdigkeit

Kaum anders dürfte die Sachlage beim bislang größten Scoop des Techjahres 2015 gelagert sein: Ein iCar ist nicht weniger als eine kleine Sensation – und niemand Geringeres als das Wall Street Journal darf die aufsehenerregenden Details verbreiten.

Hunderte Apple-Mitarbeiter, die in der Geheim-Unit namens „Titan“ unter der Leitung von Apple-Manager Steve Zadesky, ehemals in Diensten des Autobauers Ford, bereits seit einem Jahr am iCar arbeiten, Flüge von Apple-Angestellten zu möglichen Produktionsstätten wie das österreichische Werk von Magna Steyr in Graz – solche Infos, verbreitet vom WSJ, sind zu umfassend und detailreich, als dass sie als Nebelkerze durchgehen würden.

„Anlegern Einblicke in die Pläne für die nächsten Jahre geben, ohne sich zu erklären“

Klar scheint:  Apple hat selbst ein großes Interesse, dass die Weltöffentlichkeit von der Existenz eines iCars erfährt. Warum, verdeutlicht nun die Erfahrung von vor zwei Jahren, wie Staranalyst Gene Munster erklärt: „Wir glauben, dass Apple Anlegern Einblicke in die Pläne für die nächsten  Jahre geben möchte, ohne eine öffentliche Erklärung abzugeben“, erläutert Munster.

Der goldene Mittelweg ist schließlich perfekt gewählt: Die iCar-Gerüchte bleiben am Ende des Tages Spekulationen, bis Apple irgendetwas Offizielles verlautbaren lässt – gleichzeitig steht das Gütesiegel des Wall Street Journal als so vertrauenswürdiger Absender wie die New York Times vor zwei Jahren zur Apple Watch.

Tim Cooks Moonshot: Mit der iCar-Andeutung zum Billionen-Börsenwert? 

Tim Cook rollt Investoren damit rhetorisch den roten Teppich aus, dass der Kultkonzern aus Cupertino auch nach der Apple Watch bereits am nächsten ganz großen Projekt arbeitet, während zwischendurch immer noch der Fernseher eingeschoben werden könnte, wie Munster bekanntlich für 2016/17 prognostiziert.

„Der Kreis scheint sich zu schließen: Zum iPhone 5-Launch 2012 kursierten erstmals die Diskussionen, ob Apple der erste Konzern werden könne, der einen Börsenwert von 1 Billion Dollar knackt“, erinnert sich Munster. „Die Zweifel bestanden damals darin, dass Apple keine weiteren bahnbrechenden Produkten in der Pipeline hatte. Die Aussicht von einem Auto könnte Anleger nun von neuen Apple-Projekten träumen lassen.“

Tim Cook scheint damit auf rhetorischer Ebene etwas gelungen zu sein, was man bislang  vor allem vom Nachbarn aus Mountain View gewohnt war: einen lupenreinen Moonshot abfeuern.

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Alle Kommentare

  1. Jaja. Für ein technisch simples Produkt wie eine Smartwatch hat Apple fünf Jahre gebraucht, noch länger doktort man dort (angeblich) an einem Fernseher herum – und dann glaubt allen Ernstes jemand, dieser Designerladen bringt ein Auto zustande? Apple hat in 20 Jahren genau zwei neue Produkte gebracht, den iPod und das iPhone (in aufgeblasenen Form auch als iPad bekannt) und ist seitdem damit beschäftigt, das Geld daraus zu zählen

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