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Lahme Meta-Satire: „Die Fernseher“ im Fernsehen für Fernseher

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Bei der ARD läuft die Operation Satire auf Hochtouren: Ob mit "Extra3“ oder der Comedy-WG - das Erste will an die bissigen ZDF-Erfolge von der "Anstalt“ bis zur "heute Show“ anknüpfen. Neuester Streich ist die Meta-Satire "Die Fernseher“ mit Jeannine Michaelsen, Pierre M. Krause und Philipp Walulis, die lustig-kritisch hinter die Kulissen des TV-Business schaut. Gleich in der ersten Folge stellt Michaelsen fest: "Wir alle hätten gerne einen Fernsehpreis“. Nach der ersten Sendung lässt sich sagen: Das wird wohl nichts.

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Aber aufgeschoben ist nicht aufgehoben. Das mit dem Preis kann noch was werden. Denn „Die Fernseher“ hat durchaus Potenzial. Etwas mehr Witz, etwas weniger Häme gegenüber dem Privatfernsehen und vor allem viel mehr echte Wut über die Katastrophen-Qualität, die täglich in der Glotze zu sehen ist. Dann hätten „Die Fernseher“ wirklich das Zeug für ein bissiges Medien-Entertainment-Format, das der Branche den Spiegel vorhält.

Wirklich nett ist, wie Michaelsen den ehemaligen Gameshow-Moderator Jörg Dräger in seinem Schrebergarten besucht. Wunderbar inszeniert sich der ehemalige Zonk-Zampano als Gegenentwurf zu Walter Freiwald, den es nicht schmerzt, dass er seine beste TV-Zeit hinter sich hat. Das ist natürlich alles Lüge. Natürlich kommt auch er nicht aus seiner Paraderolle heraus. Ob bei den Getränken oder den Antworten auf die Interview-Fragen. Ständig muss sich Michaelsen bei Dräger zwischen verschiedenen Antwort-Toren entscheiden. Und stets lauert der Zonk in der Laube.

Ansonsten bietet die Show überwiegend solides Handwerk. Walulis macht das, was er am besten kann: Er zeigt, mit welchen einfachen dramaturgischen Mitteln Fernsehbeiträge zusammengeschustert werden. Diesmal zerlegt er so eine typische Wallraff-Reportage, einen Trailer zum „Jenke Experiment“ und eine fröhliche Busfahrt zum Oktoberfest, die zu einer traurigen Werbereise umgeschnitten wird. Deren Ziel: ein günstiges ungarisches Bestattungsunternehmen.

Pierre M. Krause gibt den Meister des gelebten TV-Selbstversuchs und zeigt wie einfach es ist, sich beim „Musikantenstadl“ einzuschleichen.

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Die Humor-Attacke auf die Gute-Laune-Bastion der ARD-Volksmusik zeigt: Die drei geben sich größte Mühe, total selbstironisch zu sein. Vor allem, was die Öffentlich-Rechtlichen, das Internet und die überalterte Zielgruppe angeht. Nur leider ist irgendwann auch genug. Nach „heute-show“, Böhmermann und einigen anderen frechen, jungen und lustigen ARD/ZDF-Projekten ist diese Form des Sarkasmus dann doch wieder so alt wie die tatsächliche Zielgruppe vor den ARD-Empfangsgeräten.

Bereits die Sendezeit Freitag, 0.15 Uhr, zeigt: „Die Fernseher“ sind Nische mit der Hoffnung der Programmmacher, dass sich das Format zu einem Mediatheken-Hit entwickelt. Auch hier lassen die Erfolgsbeispiele Böhmermann oder „heute-show“ grüßen. Richtig zerstückelt bietet die Sendung tatsächlich einiges an Viral-Potenzial für die sozialen Netze und YouTube.

Im Grunde sind „Die Fernseher“ eine sich selbst erfüllende Prophezeiung. Bereits in der ersten Minute erklärt Krause, dass die Sendung eine „Dienstleistung“ sei: „Wir schauen für Sie fern, damit Sie zuhause nicht mehr fernsehen müssen“. Tatsächlich wird zu so später Stunde, um 0.15 Uhr, kaum mehr einer zusehen. „Die Fernseher“ hätte mehr verdient. Auch und gerade weil das Fernsehen oft so viel schlechter ist.

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