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Von „Unfug“ bis „Überraschung“: Das sagen die Kritiker zu „Fifty Shades of Grey“

Bestseller-Verfilmung „Fifty Shades of Grey“
Bestseller-Verfilmung "Fifty Shades of Grey"

Monatelang wurde die Premiere dieses Films sehnsüchtig erwartet. "50 Shades of Grey" feierte auf der Berlinale endlich Deutschlandpremiere. Vom Erfolg des Buches und den hohen Erfolgserwartungen an die Verfilmung wollen Medien selbstverständlich etwas abhaben. Deshalb ist es kaum verwunderlich, dass nahezu jedes relevante Medium Kritiker in die Kinos geschickt hat. Die kommen zu teils sehr unterschiedlichen Urteilen.

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Für Spiegel Online hat sich Autorin Anne Haeming die Frage gestellt, ob der Film knistert. Ihre Antwort:

Da ist jede Kondompackung lauter. Alles, wirklich alles, ist mit Kuschelrock VI zugegossen (Frank Sinatra, Annie Lennox, Sia, Beyoncé, Richard Clayderm – ach nee, verhört). Wenn eine Szene prickeln soll, setzen die Violinen ein; es folgt ein Schwenk auf ein Ölbild von stürmischer See, sie beißt sich kokett auf die Lippe. Der kleine Eros möchte bitte in der Bettenabteilung abgeholt werden!

Focus Online zeigt sich voller Freude über Fifty Shades of Grey und hat den Film sogar minütlich protokolliert – um dann zu einem nüchternen Fazit zu kommen:
Ein bisschen plump, etwas zu viel Klischee und auch die große Überraschung blieb aus.„Fifty Shades of Grey“ zeigt eigentlich keine 50, sondern nur zwei Nuancen: „Ana, ich will dich. Nein, ich will dich nicht.“ Dieser Film provoziert nur subtil und ist mehr eine kleine Einführung in BDSM-Praktiken, die mit viel Dramatik verbunden sind, als heißer SM-Erotik-Thriller. Ein bisschen Herzschmerz gibt es aber auch noch oben drauf.
Für Die Welt hat sich Elmar Krekeler, stellvertretender Ressortleiter des Feuilleton, in den Kinosessel sinken lassen. Statt ausführlicher Filmkritik beschreibt der Journalist den Abend der Pressevorführung des „(kommerziell) wichtigsten Film des Jahres“. In seiner Filmbeurteilung heißt es dann:
Ach so. Der Sex. Findet statt. Er ist sauber, er ist sicher, er riecht nicht. Das erste Mal ereignet sich was nach ziemlich genau 41 Minuten. Im Spielzimmer packt Christian nach gut einer Stunde seine Handschellen aus. Wenn er zuschlägt, sieht man nichts. Insgesamt soll es elf Minuten Sex geben. Das könnte hinkommen. Ana ist gerne nackt, und sie probiert auch ständig die drei Gesichtsausdrücke der Lust aus, die ihr zur Verfügung stehen. Einmal sieht man den oberen Ansatz eines männlichen Geschlechts. „Fifty Shades of Grey“ ist genauso wenig ein Porno wie „Nymphomaniac“ einer war.
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Vernichtend ist die Kritik von FAZ.net. Dietmar Dath schreibt von Schmerz und wenig fesselnden Elementen, von „Unfug“. Und fragt: „Soll das wirklich der Stand des Schmuddel-Entertainments im dritten abendländischen Jahrtausend sein?“
Der fast völlig charmefreie „Fifty Shades“-Film (…) handelt einfach von einer öden Zweierkiste, in der ein gesichtsloser Prinz und ein harmloses Aschenputtel einander nichts Gescheiteres beweisen, als dass sie die Verletzungen, die ihnen der Plot zumutet, weder genießen noch überwinden können. Wie sagt die Domina? „Hau ab, du Depp, du bist züchtigungsunwürdig!“
Für die Stuttgarter Nachrichten kommt Roland Mischke zu einem recht positivem Fazit:
Schlecht ist dieses Liebesdrama freilich keineswegs: kurzweilig erzählt, hübsch bebildert und recht gut gespielt. Ein bisschen „Pretty Woman“-Romantik mit eher harmlosem „9 ½ Wochen“-Erotik-Touch. Der große Rummel dürfte sich bald gelegt haben.
Auch Autorin Sarah Schaschek fand den Film toll. Spricht sogar von einer „Überraschung“:
Die Verfilmung erschafft eine Welt des Begehrens, die erstaunlich unabhängig von der Vorlage ist.
Wer das Buch gelesen hat, braucht eine Weile, um sich zu lösen. Auch der Film findet nicht gleich von Beginn an, seine eigene Sprache. Aber schließlich findet er sie. Gerade in den Szenen, für die das Buch berüchtigt ist, läuft er nun zur Bestform auf: Wenn die beiden Protagonisten im Close-Up den Vertrag verhandeln, der sie zu seiner Sklavin erklärt. Wenn Grey Ana die Augen verbindet und sie – unter seiner Peitsche – zum ersten Mal kommt. Jedes Bild ist hier doppelt belichtet, seine Lust blendet in die ihre über, seine Handlungen sind ihr buchstäblich ins Gesicht geschrieben. Nur ein Film vermag diese Gleichzeitigkeit zu vermitteln.
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