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Medien-Münchhausen: NBC suspendiert Brian Williams für sechs Monate

Es ist der größte Fall einer hochfliegenden Journalisten-Karriere der vergangenen Jahre: US-Nachrichten-Star Brian Williams wurde von NBC für sechs Monate suspendiert – ohne Bezahlung. Vorausgegangen war eine falsche Darstellung eines Reporter-Einsatzes während des Golf-Krieges 2003. Wie der einstige Vorzeige-Journalist ein halbes Jahr nach seiner Verbannung noch einmal auf den Bildschirm zurückkehren will, erscheint völlig unklar.

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NBC hat sich entschieden – und Brian Williams die denkbar größte Demütigung zugefügt. Der 55-jährige Anchor der NBC-Hauptnachrichtensendung „Nightly News“ wurde für sechs Monate seiner Arbeit enthoben – unbezahlt und mit sofortiger Wirkung, versteht sich.

Man kann sich Brian Williams als den Inbegriff eines smarten Nachrichtenmanns des späten 20. Jahrhunderts vorstellen – kantiges Kinn, ein Scheitel wie aus einem Robert Redford-Film, ein Lächeln wie ein fleischgewordenes Pokerface.

Legendenbildung: Als „Embedded Journalist“ im Irak unter Beschuss

Bis vergangene Woche war der New Yorker mit einem geschätzten Jahreseinkommen von 10 Millionen Dollar einer der bestbezahlten Journalisten der Welt und das Aushängeschild des US-Nachrichtensenders: smart, in der Sache hart, aber stets ein Gentlemen. So moderierte Williams die prestigeträchtigen TV-Debatten zur US-Präsidentschaft. Er bekam als erster Journalist der Welt ein TV-Interview mit Edward Snowden in Moskau nach seinem Asyl in Russland, er holte die großen Konzernchefs der Welt vor die Kamera.

Um seine Karriere zu befeuern, riskierte Williams einiges – als Reporter an buchstäblich vorderster Front, aber auch nachträglich als Faktenverdreher in eigener Sache. Wie in der vergangenen Woche herauskam, nahm es Williams bei der Schilderung einer Heldengeschichte aus dem Irak-Krieg 2003 nämlich nicht so genau.  Als „Embedded Journalist“ sei er mit einem Transporthubschrauber (Chinook Helikopter) mitgeflogen und unter schweren Beschuss geraten. „Wir haben es irgendwie hinbekommen zu landen“, brüstete sich Williams gegenüber David Lettermann mit der Heroen-Saga.

US-Soldaten beenden Heldenepos: „Sorry Dude! Erinnere mich nicht, dass Du an Bord meines Helikopters warst“

Am 31. Januar setzte Williams dann einen verhängnisvollen Facebook-Post zu jenem Thema ab: Wie er den Soldaten Tim Terpack bei einem Hockeyspiel wiedertraf, der damals im Niemandsland vom Irak weit hinter den eigenen Linien Williams Sicherheit gewährleistete. „Sorry Dude! Ich erinnere mich nicht, dass Du an Bord meines Helikopters warst“, stellt der Soldat Lance Reynolds Williams bloß.

Der Pilot Chris Simone lässt den Tathergang dann noch klarer erscheinen: „So ein Lügner! Ich war der Pilot der Chinook, die Williams während der Invasion in den Irak geflogen hat. Er war an Bord meiner Maschine und wir wurden NICHT abgeschossen.“

Auszeit von „Nightly News“-Moderation, NBC leitete Untersuchung ein 
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Was folgte, war absehbar: Williams ruderte zurück. Doch es war offenbar nicht Williams einziger Verdreher von Fakt und Fiktion: Auch seine Kommentare zum Hurrikan Katrina, als der NBC-Moderator Leichen an seinem Hotelfenster hat vorbeischwimmen sehen, klangen dramatischer als es die Realität offenbarte – im Hotel, in dem sich Williams aufhielt, war das Wasser nämlich gar nicht so weit vorgedrungen.

Am Wochenende kämpfte der 55-jährige Starjournalist darum, zu retten, was noch von seiner glamourösen Karriere übrig geblieben war. Als NBC-Legende Tom Brokaw, von dem Williams vor zehn Jahren die „Nightly News“ erbte, sichtbar auf Distanz ging, schien Williams‘ Schicksal allerdings besiegelt. NBC leitete eine interne Untersuchung ein – und setzte seine Moderation der Primetime-Nachrichten bis auf weiteres aus. Williams befinde sich offiziell in einer Auszeit, hieß.

Suspendierung für sechs Monate 

Daraus ist nun ein Dauerzustand von mindestens einem halben Jahr geworden, wie NBC in ungewöhnlich deutlicher Form mitteilte:  „In den „Nightly News“ am Freitag, den 30. Januar 2015, hat Brian Ereignisse aus dem Irak-Krieg im Jahr 2003 falsch dargestellt. Es kam heraus, dass Brian bei anderen Gelegenheiten das Gleiche tat. Das war falsch und völlig ungeeignet für jemanden in einer Position wie Brians“, tadelt NBC in einer öffentlichen Erklärung seinen früheren TV-Star.

Doch damit nicht genug: „Darüber hinaus blicken wir sorgenvoll auf Kommentare, die Brian außerhalb von NBC News über seine Erfahrungen auf dem Gebiet abgegeben hat. Als Managing Editor und Anchor von den „Nightly News“, hat Brian eine Verantwortung, ehrlich zu sein und die hohen Standards der Nachrichtenabteilung zu jeder Zeit aufrecht zu erhalten.“

NBCUniversal-CEO Steve Burke  rechnet ab: „Suspendierung ist schwerwiegend und angemessen“

NBCUniversal-CEO Steve Burke rechnete in einer persönlichen Erklärung noch härter mit seinem einstigen Musterschüler ab: „Durch sein Handeln hat Brian das Vertrauen von Millionen Amerikanern in NBC News gefährdet. Seine Handlungen sind unentschuldbar, seine Suspendierung ist schwerwiegend und angemessen“.

In einem Nachsatz räumte Burke Williams nach Ablauf der halbjährigen Auszeit „eine zweite Chance“ ein – wie Williams nach einer derart rüden Bloßstellung seines Arbeitgebers indes noch einmal für NBC vor der Kamera stehen soll, erscheint vollkommen unklar. Selbst Mitarbeiter des US-Traditionssenders reagierten kopfschüttelnd auf Williams‘ Verbannung:

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