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Liebesschnulze mit Peitsche: Der Medienhype um „Fifty Shades of Grey“

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Am Mittwoch feiert "Fifty Shades of Grey" auf der Berlinale Premiere, am Donnerstag läuft der Film offiziell in den Kinos an. Der Hype könnte kaum größer sein – seit Monaten berichten Medien über die Romanverfilmung, denn die Geschichte bietet unterschiedlichste Interpretationen.

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Die junge Studentin Anastasia verliebt sich in den sechs Jahre älteren, reichen und mächtigen Christian Grey. Sie lässt sich von ihm in eine Welt voller Geld, Privathubschraubern – und SM-Spielchen – mitnehmen. Über 70 Millionen Exemplare der Trilogie „Fifty Shades of Grey“ wurden bislang weltweit verkauft, der erste Roman war in Großbritannien das am schnellsten verkaufte Taschenbuch aller Zeiten – noch vor „Harry Potter“.

Diese Woche startet die Romanverfilmung in den Kinos und kaum ein Film hat im Vorfeld mehr Wirbel verursacht. Diesen Wirbel haben die Universal Studios genau kalkuliert und den Fans seit fast einem Jahr ordentlich eingeheizt: Zunächst veröffentlichte Beyoncé auf ihrer Instagram-Seite einen Teaser zum Film inklusive ihrer neuen Version von „Crazy in Love“, wenige Tage später haben die Verantwortlichen den offiziellen Trailer präsentiert, der bis heute über 250 Millionen mal aufgerufen wurde.

Dauerpräsenz in den deutschen Medien

Letztendlich ist die Geschichte um Anastasia und Christian nichts anderes als eine Liebesschmonzette mit Peitsche – und dennoch hat sich „Fifty Shades of Grey“ zum weltweiten Phänomen entwickelt; der bevorstehende Kinostart ist dauerpräsent in den deutschen Medien. Um alles wird ein großes Gewese gemacht: Wer führt Regie? Wer übernimmt die Hauptrollen? Wann wird das „Geheimnis“ um die Altersfreigabe endlich gelüftet? Und dann kündigt eine Baumarktkette auch noch an, sich angeblich für einen Ansturm auf Produkte zu rüsten, die Christian Grey im Film kauft!

Eins ist klar: „Fifty Shades of Grey“ trifft einen Nerv – Journalisten versuchen, dem Erfolgsgeheimnis des „Hausfrauenpornos“ auf die Spur zu kommen und arbeiten sich an den unterschiedlichsten Themenfeldern des Phänomens ab. Der Kultur-Redakteur Wolfgang Hertel fragt besorgt, ob Anastasia etwa ein Vorbild für junge Frauen sei: „Diese verschreckte, graue Maus mit ihrem Strickjäckchen, die die ganze Zeit auf den Boden schaut? Und sich davon beeindrucken lässt, dass dieser Lackaffe Christian Grey sie auf einen Hubschrauberausflug mitnimmt? Ernsthaft?“ Der Frauensender Sixx hingegen gibt Tipps zu „SM für Anfänger nach Shades of Grey“ und die Bild „zeigt den Busen, auf den die Welt gewartet hat“. Sowieso wird vor allem die Bild von „Fifty Shades of Grey“ beflügelt und würdigt die Verfilmung, wie das Bildblog schreibt, mit einem wahren „Artikelfeuerwerk“ voller „Sadomaso-Sabberei“. Der Radiosender SWR3 hat ein Quiz veröffentlicht, indem die Teilnehmer sich zwischen Zitaten aus der Bibel und „Fifty Shades of Grey“ entscheiden müssen und Lilly Becker verrät in der aktuellen Gala (ab morgen am Kiosk), dass sie es zwar spannend fände, optisch in die Sado-Maso-Welt einzutauchen, sich aber niemals von Boris schlagen lassen würde.

Unterschiedlichste Interpretationsansätze
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Die Interpretationsspielräume sind groß: Ist „Shades of Grey“ mehr als „lahme Charaktere und unrealistische Dialoge“ (The Guardian)? Geht es gar um eine „neosexuelle Revolution“ (The European) oder hat die Verfilmung doch eher einen schlechten Einfluss auf die Zuschauerinnen? Schließlich fand die Michigan State University heraus, dass Frauen, die mindestens eins der Bücher gelesen haben, eher dazu neigen würden, einen Partner zu haben, der sie anschreit und beschimpft.

Auch für Satiriker und Spaßvögel bietet der Medienhype um den Roman und seine Verfilmung ordentlich Potenzial: Schauspieler und Komiker Steve Buscemi veröffentlichte seine ganz eigene Version des „Fifty Shades of Grey“-Trailers und US-Talker Jimmy Fallon spielt mit Grey-Darsteller: Jamie Dornan „Fifty Accents of Grey“:

Der Erfolg ist dem Film in jedem Fall gewiss: Die Ticketverkäufe werden mit hoher Wahrscheinlichkeit Rekorde brechen. Auf der Berlinale verkündete die Regisseurin Sam Taylor-Wood außerdem, dass zwei weitere Shades-Filme geplant seien. Doch wie kommt der Film bislang bei den Kritikern an? The Hollywood Reporter schreibt, „Fifty Shades of Grey“ sei gut gecastet und biete auf jeden Fall Gesprächsstoff; Provokation und Gefühlsduselei würden sich in dem Film abwechseln. The Guardian urteilt, die Sex-Szenen seien nicht wirklich schockierend – vielmehr als um Christian Greys Vorlieben, ginge es vor allem um die Entwicklung von Anastasia.

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