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Neue Schirach-Serie im ZDF: „Schuld“ in Zeiten der Streamingdienste

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Das ZDF ist im Streaming-Zeitalter angekommen und stellt alle Folgen der neuen Schirach-Serie "Schuld" auf einen Schlag in der Mediathek zur Verfügung. Doch nicht nur das macht die Serie zu etwas Besonderem: Der Sechsteiler mit Moritz Bleibtreu gehört schon jetzt zu den deutschen TV-Highlights des Jahres. Ein Vergleich mit US-Serien greift dennoch zu kurz.

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Jeder kann zum Täter werden: In der sechsteiligen ZDF-Adaption des Buches von Autor und Anwalt Ferdinand von Schirach geht es um das Gute und das Böse im Menschen, um Recht und Unrecht, Schuld und Unschuld. Die Rolle des Strafverteidigers Friedrich Kronenberg hat Moritz Bleibtreu übernommen.

Schon beim Vorspann von „Schuld“ wird klar: Hier haben wir es mit etwas Neuem zu tun, mit – für Deutschland – außergewöhnlichem Fernsehen. Und tatsächlich hält die Geschichte, was in den ersten Minuten versprochen wird. Handwerklich und inhaltlich bewegt sich die Produktion auf hohem Niveau und wer nach Beispielen für gute deutsche TV-Serien gefragt wird, kann von nun an mit gutem Gewissen neben der Standardantwort „Im Angesicht des Verbechens“ auch „Schuld“ nennen.

Binge Watching ist möglich, aber nicht unbedingt nötig

Nach „Verbrechen“ aus dem Jahr 2013, verfilmt Produzent Oliver Berben mit „Schuld“ bereits das zweite Buch von Ferdinand von Schirach. Doch dieses Mal wurden alle sechs Folgen im Vorfeld in der Mediathek bereit gestellt, das ZDF lädt sein Publikum zum Binge Watching ein – obwohl sich die Serie eigentlich nicht unbedingt dafür eignet. Schließlich werden hier abgeschlossene Kurzgeschichten verfilmt: Nach einer Folge ist der Zuschauer vorerst satt, die Story erzählt und der Fall abgeschlossen. Das Gefühl „Ach komm, eine geht noch“ stellt sich so nicht ein. Dennoch: Die Art der Distribution von „Schuld“ ist zeitgemäß und der Zuseher nicht an feste Ausstrahlungstermine gebunden. Das ZDF ermöglicht, selbst zu bestimmen, wann man eine weitere Folge sehen möchte – ganz so wie es Streamingdienste vormachen. Für viele Fernsehzuschauer ist das zwar schon lange Normalität, für einen öffentlich-rechtlichen Sender hingegen (noch) ein Highlight: Endlich hat sich ein Sender von der Angst gelöst, durch das vorzeitige Veröffentlichen von Inhalten die Einschaltquote zu gefährden, endlich haben sie begriffen, dass viele Serienfans noch nicht mal mehr einen Fernseher haben.

Der ständige Vergleich mit US-Serien hilft nicht
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Fernsehkritiker überschlagen sich mit Lob für die neue Serie. Die Süddeutsche Zeitung bezeichnete die Produktion als eine „exzellente, eine erregende, eine spektakulär gute Verfilmung“ und schreibt außerdem: „Dieser Sechsteiler schließt auf eine eigenwillig-tiefgründige, höchstspannende Art an die Kunst von US-Serien wie den Sopranos an.“ Dieser Vergleich geht jedoch etwas weit, tatsächlich ist der ständige Vergleich mit Serien aus den USA sowie die ständige Forderung „Wir wollen so etwas auch“ wenig zielführend. Schließlich ist die deutsche Fernsehlandschaft grundlegend anders aufgebaut als die US-amerikanische und der Versuch, Glanzstücke wie die „Sopranos“ oder „Homeland“ imitieren zu wollen, kann nur schief gehen. Ankündigungen wie „Wir machen das deutsche Breaking Bad“ sorgen eher für Sorge als Hoffnung. Denn wir brauchen kein deutsches „Breaking Bad“, es gibt ja schon ein hervorragendes Original. Wir brauchen eigene Serien, die sich von dem Anspruch lösen, so gut sein zu wollen wie die USA – denn dann können sie sich erst wirklich entfalten. „Weissensee“, „Im Angesicht des Verbrechens“ und jetzt auch „Schuld“ sind die besten Beispiele dafür.

Wenig Mut bei der Rollenbesetzung

Sowohl mit der Produktion als auch der Distribution haben das ZDF und Oliver Berben Mut bewiesen. Gerade deshalb wäre es schön gewesen, wenn die Redaktion mal auf ein neues Gesicht für die Hauptrolle gesetzt hätte. Natürlich ist Moritz Bleibtreu ein Zuschauermagnet und einer der großen deutschen Film- und Fernsehstars, doch gerade eine mutige Serie wie „Schuld“ wäre eine gute Möglichkeit gewesen, frischen Gesichtern eine Chance zu geben.

Doch all dies ist Jammern auf hohem Niveau, denn „Schuld“ nach Ferdinand von Schirach gehört jetzt schon zu den deutschen Fernsehhighlights des Jahres 2015.

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Alle Kommentare

  1. Sehr gut.

    Offensichtlich und nervig nur, dass anscheinend BMW und die Zigarettenindustrie gesponsert haben.

    1. Die Serie ist ganz interessant. Aber die Qualmerei ist die Höhe! Ich dachte das hätten wir hinter uns. Meinem Vater, mein Großvater und mein Onkel starben an Lungenkrebs. Der andere Großvater an Magenkrebs, ein zweiter Onkel an Knochenkrebs. Alle waren starke Raucher.
      Beim heutigen Kenntnisstand sollte man Zigaretten in Filmen nicht dermaßen verherrlichen!

  2. Nein, ein Zugpferd braucht die Serie nicht, aber fuer mich ist Bleibtreu die perfekte Besetzung und die habe ich mir als Zuschauer verdient. Danke ZDF und weiter so!

  3. „Verbrechen“ war schon außergewöhnliches Fernsehen auf hohem Niveau. „Schuld“ ist ein sehr guter Nachfolger, mit ähnlichen Effekten, obwohl mich das Buch nicht so gepackt hat, wie damals „Verbrechen.“ Frau Nora Burgard-Arp, ich stimme Ihnen absolut zu, wenn sie schreiben:
    „Doch gerade eine mutige Serie wie “Schuld” wäre eine gute Möglichkeit gewesen, frischen Gesichtern eine Chance zu geben.“
    Genau das war auch mein erster Gedanke. Ich mag Moritz Bleibtreu sehr, meine aber, dass man ihn als Magneten nicht braucht. Hier hätte ich mir einen völlig unbekannten Schauspieler gewünscht. Die kann man aber zumindest in den anderen Rollen entdecken.

  4. Eine wirklich tolle Serie, die bei mir tatsächlich das „Ach, eine geht noch“-Gefühl hat aufkommen lassen, einfach weil die Folgen so gut waren.

    Kleiner Hinweis aber noch: Oliver Berben ist nicht der Regisseur, sondern der Produzent der Serie.

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