Fotograf des Hitlergruß-Bildes: „Das Verhalten von Jan Böhmermann ist rufschädigend“

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Digital Economy Hitlergruß in Jogginghose: Jan Böhmermann twitterte die berühmte Aufnahme von Martin Langer und wurde prompt von dessen Anwalt abgemahnt. 1.000 Euro habe er zahlen müssen, wetterte der Moderator via Facebook und Twitter. Seit Tagen stichelt der TV-Promi weiter in Richtung des Fotografen. Dieser sagt: "Das Verhalten von Jan Böhmermann ist rufschädigend."

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„Mein Bild hat eine starke Aussage, eine hohe Strahlkraft – und deswegen auch erst recht einen hohen Wert. Das zeigt sich auch an der Nachfrage.“ Martin Langer fühlt sich missverstanden. 1992 hat er während der Ausschreitungen von Rostock-Lichtenhagen ein mittlerweile berühmtes Foto geschossen: Ein Mann macht den Hitlergruß – und trägt dabei eine Jogginghose mit Urinfleck. In Rostock tobte ein Mob, Steine flogen, Schüsse fielen. „Ich habe in fünf sehr langen Tagen und Nächten meinen Kopf für eine Fotostrecke hingehalten, die eigentlich aus insgesamt 25 Bildern besteht.“ Der Fotograf ist nicht einverstanden damit, wenn sein Bild ungefragt irgendwo auftaucht und verbreitet wird. „Dann entgeht mir das Honorar und, was mir bei diesem Motiv besonders wichtig ist, die Kontrolle über den inhaltlichen Zusammenhang. Denn ich verkaufe meine Bilder nicht an jeden“, erklärt er.

„Das kriegt jeder hin!“

Böhmermann hätte einfach auf ihn verlinken können, betont er. Dann wäre das Honorar auch nicht fällig geworden. „Aber es kann doch nun wirklich nicht so schwer sein, den Urheber herauszufinden. Das kriegt jeder mit wenigen Klicks hin!“, betont der Fotograf.

In einem Facebook-Post erklärt Jan Böhmermann, er habe Langer nicht vorher gefragt, ob er das Bild veröffentlichen dürfe: “Ich befand mich in der (offenbar falschen) Annahme, dass der Fotograf dieses zeitgeschichtliche Fotodokument (möglicherweise unter Angabe des Fotocredits) zur honorarfreien Verwendung außerhalb professioneller Presse freigegeben habe.” Sechs Monate später habe eine Anwaltskanzlei für das unerlaubte Publizieren eines Fotos in der Abmahnung einen Streitwert von 7.000 Euro zugrunde gelegt, unterm Strich sei ein Betrag von 906,50 Euro fällig geworden sowie die Abgabe einer Unterlassungserklärung. Böhmermann betont: “Ich zahle und unterlasse natürlich – unter der Bedingung der genaueren und öffentlichen Betrachtung dieser merkwürdigen Abmahnung.”

„Auch Privatpersonen dürfen das Bild nicht öffentlich posten“

Jan Böhmermann stößt besonders bitter auf, dass ein Kollege von ihm die selbe Abmahnung mit dem selben Streitwert erhalten habe – obwohl es sich bei dessen Account ganz offensichtlich um ein privates Twitterprofil handele. „Kein Promi-Faktor, keine Reichweite“, nennt es der Moderator. Martin Langer sieht dies anders: „Auch Privatpersonen dürfen das Bild nicht einfach so öffentlich posten. Das ist doch im Urheberrechtsgesetz sehr anschaulich geregelt. Daran halte ich mich.“ Das Recht auf Remix findet Langer durchaus diskutabel, hier ginge es aber darum, urheberrechtlich geschützte Inhalte ohne Erlaubnis in den Sozialen Netzwerken zugänglich zu machen. „Mir erschließt sich auch nicht, warum die Inhalte Schaffenden als Einzige leer ausgehen.“

Martin Langer ist gekränkt, er empfindet das Verhalten des Moderators als rufschädigend. „Weshalb werde ich als Täter dargestellt, wenn ich mich an geltende Gesetze halte?“

P.S. Jan Böhmermann gibt noch immer keine Ruhe. Gemeinsam mit William Cohn stellte er das entsprechende Bild nach:

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Alle Kommentare

  1. Was in der Darstellung fehlt: Laut Böhmermann legt die Kanzlei des Fotografen einen Streitwert von 7000 € zu Grunde – auch für die privaten Accounts. Für Privatpersonen darf der Streitwert nach meinem Wissen aber maximal bei 1000 € liegen. Sofern das stimmt, würde sich der Fotograf nicht gerade korrekt verhalten. Schade, dass dieser Punkt nicht genannt wurde, hierzu wäre eine Stellungnahme interessant gewesen.

    1. Eine solche Grenze („1000 Euro“) gibt es nicht. Das ist eine moderne Legende. Womit wollte man die auch begründen?

  2. Jan. B war schon immer ein Denunziant für den nur die eigene Meinung gilt, hat man ja kürzlich auch wieder bei der Vorverurteilung von Pegida (mitläufern) sehen können.

    Er ist da nicht weit weg von Raab, der auch immer dachte er darf alles und sich alles raus nimmt bis man es dann mal mit ihm gemacht hat und gleich mit einstweiligen verfügungen um sich geworfen hat.

  3. Täter ist Martin Langer, weil er erst mal einen Rechtsanwalt beauftragt, anstatt ganz normal erst mal eine Rechnung zu stellen – so ist es eigentlich guter Ton, aber da ging es wohl nur um Geld.

    1. Also mir ist bis heute nicht klar warum Herr Langer nicht einfach der Redaktion eine Rechnung gestellt hat oder dort angerufen hat. Ich finde den Weg über einen Rechtsanwalt sehr schade und genau dieses Verhalten war bestimmt der Auslöser für die Reaktion von Herrn Böhmermann.

    2. Hallo, geht’s noch?! Jetzt soll der Beklaute auch noch seine (Arbeits-)Zeit opfern um dem Dieb hinterher zu laufen um auch noch den guten Ton zu wahren? Warum denn das? Um denjenigen, der ohne Erlaubnis und Berechtigung sein Foto nutzt und damit dann auch noch unberechtigt Dritten gegenüber Nutzungsrechte einräumt (siehe Twitter AGB), die er gar nicht besitzt, noch schön lieb um ein Honorar zu bitten? Na, das versuche doch mal mit einem Supermarkt. Erst die Joghurts unbezahlt aus dem Regal nehmen, dann vor der Tür verteilen – und dann vielleicht noch versuchen einen Mengenrabatt rauszuschlagen wenn die Polizei kommt?
      Und natürlich geht es um Geld. Warum auch nicht. Auch Fotografen leben nicht von Luft und Liebe. Herrn B. ging es offensichtlich ja auch um Geld. Er wollte es nämlich NICHT ausgeben. Sonst hätte er sich ja um die Rechte gekümmert. Hinterher reden sich immer alle mit „Versehen“ raus. Erstaunlicherweise sogar regelmäßig auch Profis mit jahrelanger Redaktionserfahrung.

    3. Guter Ton wäre gewesen, wenn Herr Böhmermann vorher kurz gefragt hätte. Wenn man das tut, sagen viele Fotografen nämlich auch nicht nein. Und was das Rechnung-Stellen betrifft: Bei dem Bilderklau, der dieser Tage weltweit im Internet stattfindet, und im Falle eines Ikonenbildes wie dem von Langer käme der Fotograf wohl nicht mehr zum Arbeiten, wenn er tatsächlich selbst jede unerlaubte Nutzung seines Bildes feststellen und in Rechnung stellen würde.

  4. MUAHAHAHA

    Der Satz sagt ALLES:

    “Kein Promi-Faktor, keine Reichweite”, nennt es der Moderator.

    In derTat! DU BIST KEIN „PROMI“ !!

    Merkste watt?

    Nee, globale Merkbefreiung am Hosenband mit Eichenlaub und Schwertern …

  5. Kein Urinfleck – Abgesehen der Debatte um das Urheberrecht, möchte ich darauf hinweisen, dass es sich es bei bei dem Fleck auf der Hose wahrscheinlich nicht um Urin, sondern Bier handelt. Der Mann selbst gab in einer TV-Sendung an, mit dem Auto schnell zu dem Heim gefahren zu sein. Das volle Bier klemmte er sich beim Fahren zwischen die Beine. So soll es zu dem Fleck gekommen sein. Ist vielleicht nicht der entscheidende Punkt hier, dennoch…!

    1. Also mit einem halbvollen Bier zwischen den Beinen (und dem Rest im Bauch) zu schnell Auto zu fahren ist wohl noch weit bedenklicher, als eingepißt zu haben…paßt aber…

    2. Es wird wohl niemand im Fernsehen erklären, dass er sich in die Hose gemacht hat, sondern eine Alternative anbieten.

    3. ajo wenn mich jemand vor einem millionen publikum darauf anspricht ob ich mir auf diesem bild in die hose uriniert habe, hätte ich das natürlich vehement verneint und darauf hingewesen das es eher ein verunglückter furz war mit etwas flüssigstuhl, das war auf dauer so unangenehm während der autofahrt darauf zu sitzen, daß ich die hose einfach drehte, hinterteil nach vorn und schon sass ichw ieder trocken, dass man mir jetzt nachsagt ich hätte mich bepinkelt finde ich dann doch etwas kindisch.

  6. @Tobias:
    Wäre es ihm nur ums Geld gegangen, dann hätte er eine Rechnung gestellt – ob Herr Böhmermann dann so einfach gezahlt hätte, das ist die andere Frage.
    Keine Frage: Abmahnungen anstelle einer kurzen Kontaktaufnahme zur Klärung eines berechtigten Anspruchs sind eine Pest (an der freilich nicht die Urheber verdienen sondern die Anwälte).
    Aber zum Täter wird Martin Langer nicht dadurch, dass er seine Urheberrrechte an einem (auch wenn die Netzgemeinde das nicht für justitiabel sondern normal hält…) geklauten, urheberrechtlich geschützten Werk (das ausdrucksstarke Fotodokument hat nun einmal offenbar nur er gesehen, erkannt, aufgenommen) auf einem legalen Weg durchsetzen will. Der einige „Gefallen“, den Mr. Böhmermann Martin Langer und allen anderen Fotografen (und Urhebern) getan hat: Es wird mal wieder wahrgenommen, dass ihre Leistungen geschützte Werke sind, dass ihre Nutzung selbstverständlich Honorar kostet – und dass man sie gar nicht ohne Zustimmung des Urhebers nutzen darf. Das lernt man eigentlich in der journalistischen Ausbildung.
    Ich kann es schon verstehen, dass man sauer wird, wenn die eigene Arbeit dauernd geklaut wird, weil sie so gut ist – und dann sogar noch vom ach so coolen Dieb als Täter an den Pranger gestellt wird wird.

  7. Die Sache ist doch ganz einfach: Wer ein Foto veröffentlicht – in welcher Form auch immer – braucht die Einverständnis des Urhebers und muss für die Nutzung zahlen. Es sei denn, der Urheber verzichtet auf das Geld. Ob es ein prominenter Mensch im Fernsehen ist oder eine weniger bekannte Person in einer nicht so beachteten Publikation spielt keine Rolle.

    1. Der einfachste, dem gesunden Menschenverstand entsprechende Kommentar trifft es am besten und auf den Punkt. Danke!

    2. Was mir bei den rechtlichen Betrachtungen gerade ein wenig zu kurz kommt – und ich gebe zu, dass ich nicht alle Kommentare gelesen habe – ist folgendes: Es wird hier lang und breit über die Urheberrechte des Fotografen diskutiert. Was aber ist mit dem Persönlichkeitsrecht des Fotografierten? Es handelt sich zum Zeitpunkt der Fotografie eben nicht um eine Persönlichkeit der Zeitgeschichte. Das kann sich inzwischen geändert haben, aber zum Zeitpunkt der Aufnahme war das sicher nicht der Fall.

      Mich würde interessieren ob Herr Langer tatsächlich die Einwilligung hat, das Foto überhaupt zu verbreiten. Oder, wenn nicht, auf welche rechtlichen Bestimmungen er sich beruft.

      1. es handelt sich um ein dokument der zeitgeschichte. es dokumentiert ein wichtiges geschichtliches ereignis, das hat mehr gewicht als das persönlichkeits recht in diesem moment, somit hat sich die frage danach erledigt.

  8. Bei der ganzen Debatte hier kommt mir ein wesentlicher Aspekt zu kurz. Der Urheber hat auch das Recht eine Nutzung zu untersagen. Gerade bei einem politisch und zeitgeschichtlich relevanten Bild wie dem von Herrn Langer möchte der Fotograf sicherlich wissen, von Wem und in welchem Kontext das Bild verwendet wird. Mit einer einfachen nachträglichen Honorarzahlung, ist die Sache deshalb noch nicht vom Tisch, da der Urheber der Person/Organisation vielleicht gar kein Nutzungsrecht eingeräumt hätte.

    1. Aha, vielleicht sollten Sie Gesetzestexte, die Sie mit dem Vorwurf der Rechtsverletzung seitens des Fotografen verlinken, auch einmal lesen und verstehen.
      Dort steht nämlich recht unmissverständlich:

      „Ohne die nach § 22 erforderliche Einwilligung dürfen verbreitet und zur Schau gestellt werden:

      3. Bilder von Versammlungen, Aufzügen und ähnlichen Vorgängen, an denen die dargestellten Personen teilgenommen haben“

      Und genau das dürfte in diesem Kontext wohl unzweifelhaft der Fall gewesen sein – da muss man nicht mal darüber streiten, ob nicht auch Ziffer 1. schon greift!

      1. Wo sehen Sie eine Versammlung? Auf dem Foto sind exakt zwei Personen zu sehen und im Umfeld, insbesondere im Hintergrund, niemand sonst. Waren die vielleicht auf dem Weg nach Hause? Standen die in einiger Entfernung und beobachteten das Geschehen? Kann man da nicht sehen. Darüberhinaus greift §23(3) nicht mehr, wenn man mit dem Bild eine Person aus der Versammlung herausholt – der Absatz soll es einem nur ermöglichen die Versammlung als solche fotografieren zu können.

        Besagtes Bild ohne Beschneidung: https://elalemelalem.files.wordpress.com/2012/08/lichtenhagen_martin_langer.jpg

  9. Aha, Frank, das gilt aber genauso für Sie: was ist mit Ziffer 2?

    „(2) Die Befugnis erstreckt sich jedoch nicht auf eine Verbreitung und Schaustellung, durch die ein berechtigtes Interesse des Abgebildeten oder, falls dieser verstorben ist, seiner Angehörigen verletzt wird.“

    Könnte mir durchaus vorstellen, dass es nicht im Interesse des Abgebildeten liegt, vollgepisst/mit Bierfleck einer breiteren Öffentlichkeit bekannt gemacht zu werden. Da hat der Fotograf Glück, dass der Betroffene bislang wohl nichts dagegen unternommen hat…

    1. Hallo Joe,
      da auf dem Foto unter anderen eindeutig eine Straftat dokumentiert wurde, die zudem auch noch im Umfeld pogromartiger Ausschreitungen stattfand, die weltweit Beachtung fanden, dürfte das Interesse des Abgelichteten zwar in der Theorie verständlich, aber unter praktischen Abwägung der Umstände nachrangig sein.
      Sonst könnte sich ja auch jeder Straftäter, nach dem mit Überwachungsbildern öffentlich in Medien gefahndet wird, auf das Persönlichkeitsrecht berufen. Isoliert betrachtet hat dieser zwar theoretisch durchaus das Recht auf Persönlichkeitsschutz, das öffentliche Interesse wird aber eben höher gewertet.

      1. „Sonst könnte sich ja auch jeder Straftäter, nach dem mit Überwachungsbildern öffentlich in Medien gefahndet wird, auf das Persönlichkeitsrecht berufen.“

        Kann er nicht, denn §24 KunstUrhG erlaubt die Verbreitung in diesem Falle ausdrücklich.

  10. Was für eine Scheinheiligkeit, als Mitarbeiter einer öffentlich-rechtlichen Rundfunkanstalt sich in dieser Weise über Abmahnungen zu echauffieren. Wo jene ja nicht nur den „Kleinen“ mal ein Bild mopsen, sondern gleich alle E-Mail-Accounts samt Zugang zu Familie, Arbeitgeber, Ebay, Amazon und Girokonto, mit Streitwert 500.000. Und dann tröten „wir sitzen nun mal am längeren Hebel und bekommen alles, was wir wollen!“

    Herr Böhmermann erscheint ganz witzig, ist aber wie Stefan Raab nur jemand, der auf anderer Leute Kosten Witze macht und nun hier den Mob auf einen Fotografen hetzt, der 1992 mutig etwas dokumentiert hat, wo Jan Böhmermann bestimmt nicht freiwillig hin wäre.

    Das Bild ist zur Ikone geworden, nicht ohne Grund hat die TAZ es erst wieder auf dem Titel gehabt (aber bezahlt und nicht geklaut!), aber deshalb ist es immer noch nicht Allgemeingut.

    Sich mit der Bildnutzung so zu vertun, sollte einem Medienprofi nicht passieren. Doch wirklich peinlich ist jetzt diese Hetze des Moderatores gegen den Fotografen.

    1. — „Was für eine Scheinheiligkeit, als Mitarbeiter einer öffentlich-rechtlichen Rundfunkanstalt sich in dieser Weise über Abmahnungen zu echauffieren. Wo jene ja nicht nur den ‚Kleinen‘ mal ein Bild mopsen, sondern gleich alle E-Mail-Accounts samt Zugang zu Familie, Arbeitgeber, Ebay, Amazon und Girokonto, mit Streitwert 500.000. Und dann tröten ‚wir sitzen nun mal am längeren Hebel und bekommen alles, was wir wollen!‘ ”

      Diesen Absatz verstehe ich nicht. Worüber reden Sie, bzw. worauf spielen Sie an?

      1. Einfach den Link anklicken. Tiefergehender Journalismus ist für mich heute sehr schwierig, weil die Leute kein Vertrauen mehr haben, daß E-Mails die an mich gehen sollen, auch tatsächlich bei mir ankommen und nicht bei der selbsternannten „Konkurrenz“.
        Das, was man mir vermeintlich vorwarf, wurde tatsächlich genau umgekehrt angestrebt – Identitätsdiebstahl.
        Garniert mit Sprüchen wie „wir sitzen am längeren Hebel und bekommen immer alles, was wir haben wollen“.

  11. Ich kenne weder Herrn Lange, noch Herrn Böhmerman. Aber dieser Fall zeigt etwas, womit ich als Cutter für Geschichtsdokus immer wieder zu tun habe. Zeitgeschichtlich relevantes Material, steht nur zur Verfügung wenn man bezahlt. Das Foto ist jetzt über 20 Jahre alt! Es muss dringend eine Lösung im Urheberrecht für zeitgeschichtlich relevantes Material gefunden werden. Natürlich ist es verständlich, das der Fotograf für seine Arbeit bezahlt wird. Aber wie lange?
    Ein sehr krasses Beispiel, sind Bilder einer einstürzenden Synagoge, während der Reichskristallnacht, die ich mal in einem Film benutzt habe und die zu einem Streit über eine fünfstellige Summe führten. Die „Rechteinhaber“ waren Nachkommen eines SA Mannes. Dieser hatte zuerst die Kamera bei einer Jüdischen Familie konfisziert und dann die brennende Synagoge damit gefilmt. Und nun stellten die Nachkommen eine Rechnung, an jeden der die Bilder benutzte.
    Ich möchte in keiner Weise dem Fotografen irgend eine politische Gesinnung unterstellen, Gott bewahre. Ich möchte nur darauf aufmerksam machen, dass solche Iconic Pictures von großem gesellschaftlichen Wert und Interesse sind und man, im Interesse einer Geschichtsaufarbeitung, den Zugang dazu unbedingt anders zu regeln.

    1. ja super und nur weil er etwas wichtiges fotografiert hat soll er umsonst arbeiten?
      klar ist es oft problematisch aber wenn jemand kopf und kragen riskiert um zwischen nazis fotos und nachher alle ankommen und sagen toll gemacht! war sogar so gut und so wichtig das du jetzt leider kein geld bekommst. dann würd ich ganz schön sauer werden. das mit der sa familie ist eine andere geschichte.

    2. Wenn der Sachverhalt mit der konfiszierten Kamera stimmt, dann liegt das Urheberrecht allerdings nicht bei den Nachkommen des SA-Mannes.
      Urheber kann nur der sein, wer die Bilder gemacht hat und nicht der Besitzer oder Eigentümer der Kamera.

  12. Herr Böhmermann ist, anders als hier diskutiert, wohl kein Medienprofi. Sonst würde er ein Bild nicht stehlen. Zweitens bewegt er sich unterhalb Soap und Privatsenderniveau á la Raab, der nur schlechte Witze auf Kosten Geschädigter machen kann. Er hat ja auch einen Sender im Hintergrund. Mit vollen Hosen ist gut stinken. Wer laut schreit hat Recht.
    Das kann nur Dummheit sein, von Intelligenz keine Spur, als das Foto entstand hat er sich wahrscheinlich noch in die Hosen geschissen.

    1. Na, Böhmermann kann nur „schreien“ – zur Reflektion reichts leider nicht.
      (Medien-) Profis agieren anders. Böhmermann ist ein weiteres Beispiel,
      daß etliche „Medienmenschen“ nicht verstanden, was die Grundlage
      für Medienarbeit ist – das Urheberrecht.
      Er tritt es mit Füßen, und auch noch nach! Das ist peinlich für Ihn.

  13. Man stelle sich vor, ein Musiker des aktuellen „Band Aid“-Projekts hätte das Bild unrechtmäßig (das ist und bleibt es) gepostet, Böhmermann hatte ihn in der Luft zerrissen….

  14. In Wahrheit ist alles noch viel schlimmer, Herr Böhmermann.
    Jedes Jahr zahl ich für ÖR Rundfunk – EGAL, ob ich ihn benutzt hab.
    Hey, das muss ich gleich mal twittern!

  15. Wieso klagt der Abgelichtete eigentlich nicht gegen den Fotografen wegen Recht auf sein eigenes Bild?
    Am besten finde ich , dass der der zahlen muss seine Dummheit auch noch zur Schau stellt.
    Sorry, aber ein Profi sollte wissen was Sache ist.

      1. Dass Ewert bereits tot ist, war mir nicht bekannt und lässt die Abmahn-Strategie nochmal in einem gänzlich anderen Licht erscheinen. Riecht nach knallhartem Kapitalismus auf Kosten eines Toten, der sich nicht dagegen wehren kann (wahrscheinlich nicht mal zu Lebzeiten). Kein Wohl, kein Wehe… nach wie vor darf bezweifelt werden, dass der Fotograf überhaupt Bildrechte geltend machen kann. Im Gegenteil – zu prüfen wäre, ob der Fotograf nicht grundsätzlich schadensersatzpflichtig wäre. Ich hoffe daher, dass der Fotograf anstandshalber die gesamten Einnahmen und Abmahnbeträge spendet. Alles andere wäre m.E. unterirdisch. Wundert mich, dass Diekmann da einfach klein beigegeben hat.
        Dass der Fotograf unter Böhmermanns Wutwelle zu leiden hat, tut mir hingegen aufrichtig leid. Böhmermann verhält sich leider – auch wenn´s teilweise amüsant ist – wie ein Kleinkind mit atomaren Sprengköpfen. Viel zu wenig Weitsicht für die Konsequenzen seines Handelns. Sehr bedauerlich.

        Und die Methodik des Abmahnens gehört grundlegend reformiert. Was für ein überflüssiger Pfropf unseres Rechtssystems…

  16. 1.) Herr Böhmermann ist ein lächerliches Jüngelchen und hat hier gegen das Urheberrecht verstoßen. Das Bedrängen des Fotografen durch seine „Fans“ ist nicht akzeptabel.

    2.) Aber da Herr Ewert nicht Teil einer Gruppe war, war Fotograf Langer nicht berechtigt, das Foto zu veröffentlichen. Ergo sind die Einnahmen aus den vermutlich zahllosen Abmahnungen, mit denen seine RAs Urheberrechtsverletzer überziehen, unrechtmäßig.

    3.) Fotografen sollen und müssen für ihre Arbeit bezahlt werden. Aber sie müssen auch das Persönlichkeitsrecht der von ihnen abgebildeten Personen wahren und deren Einverständnis für die Aufnahme einholen und ggf. ein Honorar bezahlen, insbesondere dann, wenn die abgebildeten Personen Hauptbestandteil des Fotos sind und wenn der Fotograf das Foto kommerziell verwenden will. Fotografen, die sich nicht daran halten, sich aber andererseits über die unerlaubte Verwendung ihrer Aufnahmen beklagen und zu Abmahnungen greifen, sind scheinheilig und als Persönlichkeitsrechtverletzer keinen Deut besser als die Urheberrechtsverletzer. Im Gegenteil, sie sind schlimmer, weil sie möglicherweise durch ihr Verhalten ganze Existenzen vernichten.

    1. Allein Herr Ewert ist für sein Handeln in der Öffentlichkeit verantwortlich und nicht der Fotograf.

      Das Foto wurde vom Urheber nicht für eine kommerzielle Verwendung freigegeben, sondern es wurde von Herrn Böhmermann ohne Zustimmung des Fotografen kommerziell verwendet.
      Und wenn tatsächlich jemand das Persönlichkeitsrecht des Herrn Ewert verletzt hätte, dann wäre es Herr Böhmermann, der das Foto verwendet hat.
      Ist ein Autobesitzer auch verantwortlich, wenn ihm das Auto gestohlen wird, um damit einen Banküberfall zu machen?

      Sie versuchen das Opfer zum Täter und umgekehrt zu machen.

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