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Die iPhone-Company: was von Apples Monsterquartal zu erwarten ist

Apple-CEO Tim Cook
Apple-CEO Tim Cook Muss an der Wall Street kämpfen

Nach Monaten der Spekulationen herrscht heute Abend ab 22.30 Uhr deutscher Zeit Gewissheit – Apple wird seine mit Spannung erwartete Weihnachtsbilanz vorlegen. Angetrieben durch den enormen iPhone 6-Boom steht Apple vor dem größten Quartal der Unternehmens- und vielleicht sogar Wirtschaftsgeschichte. MEEDIA gibt einen Überblick über die Analystenschätzungen.

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•  Das Weihnachtsquartal

Das Zahlenwerk für den abgelaufenen Dreimonatszeitraum von Anfang Oktober bis Ende Dezember 2014, der für Apple bereits das erste Quartal des neuen Fiskaljahres markiert, dürfte nach jeder Lesart neue Rekorde aufstellen.

Vor einem Jahr noch schien es, als hätte der Techriese seinen Zenit erreicht: Die Umsätze wurden gerade noch um 3 auf 57,6 Milliarden Dollar gesteigert, der Nettogewinn stagnierte bereits das dritte Jahr in Folge bei 13,1 Milliarden Dollar. Das entsprach einem Gewinn je Aktie von 2,07 Dollar.

Nun dürften die Geschäfte deutlich angezogen haben: Apple selbst stellte Erlöse zwischen 63,5 und 66,5 Milliarden Dollar in Aussicht. Analysten rechnen durchschnittlich mit Umsätzen in Höhe von 67,5 Milliarden Dollar. Das wäre mehr als Google im gesamten vergangenen Geschäftsjahr erlöst hat.

Die Gewinne dürften ebenfalls zweistellig anziehen. Analysten rechnen mit einem Gewinn  je Anteilsschein von 2,60 Dollar. Übersetzt in Nettogewinne würde das einem unfassbaren Profit von über 17 Milliarden Dollar entsprechen. Damit würde Apple Gazprom den größten Quartalsgewinn der Wirtschaftsgeschichte entreißen.

• Die iPhone-Verkäufe

Ob aus dem Konjunktiv der Indikativ wird, hängt von den Verkäufen eines einzigen Produkts ab, das allein profitabler ist als jeder andere Konzern der Welt – das iPhone. 70 Prozent am Umsatz und Gewinn könnte das Kultsmartphone aus Cupertino in der Weihnachtsbilanz ausmachen – Apple ist mehr denn je die iPhone-Company. 

Entsprechend werden schon einige Millionen mehr oder weniger darüber entscheiden, wie das Quartal an der Wall Street beurteilt wird. Die Konsensschätzungen belaufen sich auf 66 Millionen verkaufte Einheiten, die einen satten Absatz-Anstieg von 30 Prozent darstellen würden. Es wäre das stärkste iPhone-Wachstum seit elf Quartalen oder drei Jahren – dem China Mobile-Deal sei Dank, denn erstmals dürften in China mehr iPhones abgesetzt werden als im Heimatmarkt USA.

Allein: Einige Analysten sehen noch mehr Potenzial – UBS-Analyst Steven Milunovich rechnet etwa mit 69 Millionen verkauften Einheiten. Glaubt man dem extrem prognosesicheren Analysten Ming-Chi Kuo, könnte Apple sogar enorme 73 Millionen iPhones zwischen Anfang Oktober und Ende Dezember abgesetzt haben.

Damit wäre Apple nicht nur das profitabelste Quartal der Wirtschaftsgeschichte sicher – auch Smartphone-Platzhirsch Samsung, der 2014 in eine tiefe Krise rutschte, könnte nach verkauften Einheiten erstmals seit 2011 fast wieder eingeholt werden. Pro verkauftem Smartphone verdient Apple etwa um den unglaublichen Faktor zehn besser.

Ebenfalls unter besonderer Beachtung dürfte der Durchschnittsverkaufspreis (ASP) stehen: Analysten rechnen damit, dass Apple im Weihnachtsquartal pro iPhone deutlich mehr verdient hat – nämlich 668 Dollar pro Gerät statt 602 Dollar zuvor. Der Grund: Das 100 Euro/Dollar teurere iPhone 6 Plus und der große Speicher-Abstand zwischen 16 und 64 GB, was den Kauf des mittelgroßen Modells begünstigt.

• Die Mac-Verkäufe

Allein für sich genommen wäre es eine absolut bemerkenswerte Erfolgsgeschichte, die besondere Beachtung verdient, doch in den Superlativen geht der Erfolg der Mac-Sparte fast unter: Apple wird im 30. Jahr des Bestehens neue Verkaufsrekorde beim Macintosh vermelden.

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Mit 5,5 Millionen verkauften Apple-Computern rechnen Analysten. Der Kultkonzern aus Cupertino könnte damit sogar erstmals in einem Kalenderjahr die 20 Millionen-Marke knacken und die Mac-Unit – wie schon im vergangenen Quartal – zur zweitumsatzstärksten Konzernsparte avancieren.

• Die iPad-Verkäufe

Der einzige Verlierer der Apple-Bilanz scheint vor Verkündung ebenfalls festzustehen: Vom iPad erwartet im fünften Jahr des Bestehens kaum mehr einer was – zumal nicht bei den eher marginalen Updates in Form des iPad Air 2 und iPad mini 3, das zusätzlich durch das 5,5 Zoll große iPhone 6 Plus unter Druck geraten dürfte.  

Mit 22 Millionen abgesetzten Einheiten rechnen die Analysten, das entspräche einem Einbruch von 14 Prozent. Es wäre bereits der vierte Absatz-Rückgang in Folge. In den vergangenen sechs von acht Quartalen hätte Apple dann weniger iPads als im Vorjahresvergleich verkauft.

• Der Ausblick und der Conference Call

Nach den Quartalszahlen ist bekanntlich vor den Quartalszahlen. Bedeutet: Ist Apples Weihnachtsbilanz heute um 22.30 Uhr deutscher Zeit veröffentlicht, ist sie wenige Minuten später auch schon wieder Geschichte, denn schon um 23 Uhr rückt die Telefonkonferenz mit Analysten in den Fokus, auf der CEO Tim Cook und CFO Luca Maestri einen Blick auf die laufenden Geschäfte werfen.

Die dürften noch mehr als im abgelaufenen Quartal vom chinesischen Käufer bestimmt werden, schließlich sorgt das traditionelle Neujahrsfest (am 19. Februar) für Kaufimpulse. Gut für Apple: Die jüngsten Indikationen deuten auf anhaltende große Nachfrage im Reich der Mitte hin  – der China Mobile-Deal beginnt ein Jahr nach Abschluss nun spürbar Wirkung zu entfalten. Vor allem das teurere iPhone 6 Plus erfreut sich in China großer Beliebtheit.

Analysten rechnen mit einem Umsatzausblick von 53,7 Milliarden Dollar, was einem Erlösanstieg von 18 Prozent entsprechen würde. Ebenso im Fokus der Anleger in der Telefonkonferenz: Hinweise von Apple-CEO Tim Cook zur weiteren Bargeldverwendung sowie eine Konkretisierung des Apple Watch-Launches.

• Die Aktie

Anleger werden gebannt auf die Ausschläge nach Handelsschluss blicken: Traditionell reagiert die Apple-Aktie (AAPL) recht volatil auf das mit Abstand wichtigste Quartal des Jahres – 2014 und 2013 kam AAPL nach Bilanzvorlage jeweils hart unter die Räder, 2012 schossen die Anteilsscheine steil nach oben.

Die alles entscheidende Frage lässt sich in einem Satz zusammenfassen: Ist gut wirklich gut genug? Das nämlich ist die eigentliche Frage, die Analysten interessiert. Werden ihre Schätzungen geschlagen oder nicht?

An der Wall Street haben sich schon manche Dramen abgespielt, die nach bloßem Wirtschaftsverständnis nicht nachvollziehbar erscheinen. Es ist also möglich, dass Apple den größten Gewinn der Wirtschaftsgeschichte einfährt und die Aktie trotzdem fällt – etwa, wenn „nur“ 65,5 Millionen iPhones statt der erwarteten 66 Millionen verkauft werden. So oder so: Apples heutige Quartalsbilanz dürfte eine für die Geschichtsbücher werden.

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