Der Pegida-Blogger: die publizistische Spielwiese des Anti-Islam-Kommentierers Nicolaus Fest

Nicolaus Fest: Blogger am rechten Rand
Nicolaus Fest: Blogger am rechten Rand

Nikolaus Fest, einst stellvertretender Chefredakteur der Bild am Sonntag, ist nach seinem Abgang bei der BamS unter die Blogger gegangen. Das Blog, das seinen Namen trägt, wirkt wie ein intellektuell aufgeladenes Sprachrohr für Pegida-Fans. Es geht um, bzw. gegen die EU, gegen den Islam und die "einheitliche öffentliche Meinung", vulgo: Mainstreammedien. Fest durfte/wollte/musste die BamS verlassen, nachdem er einen Hetz-Kommentar gegen den Islam veröffentlicht hatte. Nun badet er mit Wonne in brauner Brühe.

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Offiziell wurde damals von Seiten Axel Springers abgestritten, dass Fests Abgang bei der BamS etwas mit seinem Islam-feindlichen Kommentar im Juli 2014 zu tun hat. Das dem so ist, kann man indes nicht wirklich glauben. Fest sorgte mit einem Islam-feindlichen Kommentar für einigen Aufruhr. Der Islam sei ein “Integrationshindernis”, schrieb er und weiter: “Der Islam stört mich immer mehr. Mich stört die weit überproportionale Kriminalität von Jugendlichen mit muslimischem Hintergrund. Mich stört die totschlagbereite Verachtung des Islam für Frauen und Homosexuelle.” Der pauschalisierende und diskriminierende Kommentar kam im Hause Springer und anderswo nicht gut an. Bild-Chefredakteur und BamS-Herausgeber Kai Diekmann antwortete sogar mit einem Gegen-Kommentar in der Bild. Überschrift: “Keine Pauschalurteile über den Islam”. Diekmann in seinem Gegen-Kommentar: “Bei Bild und Axel Springer ist deshalb kein Raum für pauschalisierende, herabwürdigende Äußerungen gegenüber dem Islam und den Menschen, die an Allah glauben.” Das konnte man als öffentliche Watsche und Aufruf zum Abgang interpretieren.

Nicolaus Fest war seit 2013 stellvertretender Chefredakteur der BamS, bei Springer war er seit 2001 tätig, u.a. als Leiter des Kultur-Ressorts der Bild und seit 2008 als Mitglied der Bild-Chefredaktion. Seit seinem Weggang betreibt er ein Blog. In der Selbstbeschreibung des Blogs schreibt Fest:

Dieser Blog ist dem freiheitlichen Individualismus gewidmet, für den er steht und selbst ein Ausdruck ist.

Diese Position ist in Deutschland jedoch bedroht: Vom Kollektivismus unter dem Primat der Ökonomisierung, für den die EU, vom religiösen Kollektivismus, für den besonders der Islam steht, aber auch vom sanftem Terror einer allgegenwärtigen Staatsfürsorge; und schließlich von einer weitgehend einheitlichen öffentlichen Meinung, die kaum noch abweichende Positionen kennt.

Wer diese Entwicklungen gutheißt, sollte hier allerdings nicht weiterlesen; er würde Dinge finden, die ihm nicht notwendig gefallen. Allen anderen und denen, die es dennoch versuchen wollen: Seien Sie willkommen!

Der Mittelteil ist extrem verschwurbelt, zwischen den Zeilen kann man aber doch relativ deutlich rauslesen: Ich bin Pegida! Da geht es um die EU, den „religiösen Kollektivismus des Islam“, den „sanften Terror der Staatsfürsorge“ und die „weitgehend einheitliche öffentliche Meinung“. Auf der Straße wird das dann folgendermaßen übersetzt: EU-Diktatur, Islamisierung des Abendlandes, Politiker-Kaste („die da oben“) und Lügenpresse. Nach dem Anschlag von Paris bekommt die Formulierung vom „Terror der Staatsfürsorge“ zusätzlich einen bitteren Beigeschmack.

Der aktuelle Beitrag „Doofenpresse, Narrenkirche“ erlaubt exemplarisch einen irritierenden Einblick in die Geisteswelt des Nicolaus Fest. Da haben angeblich muslimische Arbeiter damals bei 9/11 vor Freude auf Tischen getanzt. Quelle, auf die sich Fest beruft: „Ein Freund berichtete von einem Bekannten …“ Was werden sie bei Springer froh sein, dass er nicht mehr an Bord ist.

Wenige wirre Zeilen weiter schreibt Fest:

Es klingelt. Die Mutter öffnet die Tür, an ihr vorbei drängen Leute ins Haus, die man dort nicht haben möchte: Nazis, Pädophile, Mörder. Der Fernsehspot warnt vor den Gefahren des Internets für Kinder. Ebenso könnte er für die wahllose Flüchtlings-, Asyl- und Einwanderungspolitik stehen. Deutsche Willkommenskultur.

Seine Beiträge sind im Notizbuchstil geschrieben: Gedankenfetzen, Reflexionen. Gerne geschraubt und verschachtelt formuliert – man ist schließlich intellektuell. Während ein Matthias Matussek bis zu den Ellenbogen reingreift in die braune Soße, da nutzt ein Nicolaus Fest nur seine spitzen Finger. Die braune Soße ist aber in allen Fällen dieselbe. Bei Matussek, bei Fest und bei Pegida.

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