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„Redaktions-Netzwerk wird die Relevanz unserer Regionalverlage erheblich stärken“

Thomas Düffert ist CEO der Madsack Mediengruppe
Thomas Düffert ist CEO der Madsack Mediengruppe

Äußeres Zeichen der Veränderung ist das neue Konzernlogo von Madsack, aber auch an den Strukturen der Mediengruppe wird unter Thomas Düffert kräftig umgebaut. In einem Interview mit MEEDIA sieht der Vorsitzende der Geschäftsführung des Zeitungshauses mit Hauptsitz Hannover die gerade eingeführte zentrale Mantelredaktion RND auf gutem Kurs und plädiert für tiefgreifende Neuerungen bei Regionalverlagen.

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Im November haben Sie bei Madsack die zentrale Redaktionsgesellschaft RND als „Leitbild einer klug vernetzten Redaktion“ gestartet. Wie sehen Ihre ersten Erfahrungen damit aus?

Thomas Düffert: Ich bin mit dem Lauf überaus zufrieden. Wenn ich morgens unsere Zeitungen aus den verschiedenen Regionen aufschlage und nebeneinander lege, dann stelle ich fest, dass sich bestimmte Dinge gleichen, aber das System zugleich so flexibel ist, dass jeder Titel seine individuelle Einfärbung und die eigene Identität der Zeitung mit einbringt. So haben wir die Zusammenarbeit von Anfang an konzipiert, weswegen mich die ersten Ergebnisse sehr froh machen.

Können Sie dafür ein Beispiel nennen?

Nehmen Sie etwa die Seite 3 als klassische Reportage- und Hintergrundseite. Wenn Sie dann in die verschiedenen Ausgaben schauen, finden Sie ein Thema, das bei mehreren Titeln gleich ist, aber auch eigenständige Berichte aus den speziellen Verbreitungsgebieten, und genau das ist ja die Idee. Der Chefredakteur vor Ort entscheidet jeden Tag aufs Neue, ob dort ein überregionales Stück oder ein regionales Thema oder vielleicht ein überregionaler Aufmacher, ergänzt um ein regionales Stück, erscheint.

Sie haben bei der Einführung versprochen, dass die Qualität der überregionalen Berichterstattung durch das neue Modell noch steigen wird. Ist das nicht zu optimistisch?

Im Gegenteil: Das Redaktions-Netzwerk bündelt konzernweit die Kompetenz und Kreativität unserer Journalisten bei allen nationalen und internationalen Themen. So können wir überregionale Inhalte in einer besseren Qualität anbieten als eine einzelne regionale Redaktion das könnte und nutzen gleichzeitig freiwerdende Potenziale für eine noch intensivere Bearbeitung der wichtigen regionalen Themen. Das wird die Relevanz unserer Regionalverlage in Zukunft erheblich stärken.

Kritiker argumentieren, dass die Titel auf Dauer durch die zugelieferten Artikel der zentralen Redaktionseinheit zu uniform werden könnten.

Das erwarte ich nicht. Sie dürfen nicht vergessen: die Zeitungen erscheinen in unterschiedlichen und regional abgegrenzten Gebieten. Wenn die verschiedenenen Titel dasselbe gut geschriebene Stück auf Seite 3 drucken, freut das den Leser in allen Regionen. Schließlich haben diese Artikel ja in aller Regel keinerlei direkten regionalen Bezug. Wenn man die einzelnen Blätter tatsächlich liest, ist diese Kritik überhaupt nicht nachvollziehbar.

Reaktionen von außen, ob positiv oder nicht, sind ja nur eine Seite der Medaille. Um das neue Modell langfristig erfolgreich zu betreiben, brauchen Sie vor allem die Akzeptanz und Unterstützung in den einzelnen Redaktionen.

Ich kann nicht behaupten, dass es gegen die neue Struktur intern keinerlei Bedenken gegeben hätte. Mit jedem Wandel sind immer auch Ängste verbunden, das war uns von Anfang an klar. Aber heute sehen wir, dass unsere gut eingespielte neue Struktur Zuspruch aus allen Teilen des Konzerns erfährt. Die Redaktionen haben Madsack 2018 verinnerlicht und unterstützen das Modell, weil es ihnen auch eine sichere Orientierung und Aufgabenverteilung bietet. Ich sehe eine große Bereitschaft zur Veränderung, wir sind auf Kurs und ziehen an einem Strang. Was mich wirklich beeindruckt, ist die große Veränderungsgeschwindigkeit bei der Umstellung der Redaktionsprozesse, die wir erreicht haben und die unsere Prognosen bei weitem übertrifft.

Ist die Strukturreform ausschließlich für die redaktionellen Bereiche gedacht?

Ganz und gar nicht. Auch im Verlagsbereich sollen die regionalen Verlage vor Ort sich auf ihre lokalen und regionalen Aufgaben konzentrieren. Alle anderen Aufgaben sollen zentral nur einmal, dafür aber gründlich und in Top-Qualität für alle Verlage des Konzerns gemacht werden. Ein Beispiel für die Umsetzung dieser Strategie ist die Gründung der Madsack Market Solutions, in der die überregionalen und nationalen Vermarktungsaktivitäten im B2C und B2B-Markt gesteuert werden. Die regionalen Verlage haben damit vor Ort die Möglichkeit, sich voll und ganz auf ihre regionalen Kunden zu konzentrieren – während die nationalen Key Account-Kunden einen zentralen Ansprechpartner für den gesamten Konzern haben. Durch diese klare Struktur gewinnen wir tatsächlich an Effektivität und Qualität. Nach unserer Philosophie sollen die Mitarbeiter das hochkonzentriert machen, was sie am besten können und was ihr Spezialgebiet ist. So eliminieren wir Reibungsverluste und schaffen es tatsächlich, mit weniger Kräften ein Mehr an Leistung zu erzielen.

Wie fallen eigentlich die Leserreaktionen auf die sichtbaren Veränderungen in den Zeitungen aus?

Man muss dazu sagen, dass wir auch die Optik der Titel leicht verändert haben, um die Artikel des RedaktionsNetzwerks harmonisch einpassen zu können. Und plötzlich bekommen wir Reaktionen, in denen die Leser loben, dass die Zeitung ihnen richtig gut gefällt und sie eine Verbesserung registrieren. Das ist bei Konzeptänderungen in Zeitungen normalerweise überhaupt nicht zu erwarten, weil die Leser sehr sensibel auf Eingriffe in ihr gewohntes Blatt reagieren.

Bei der Einführung des neuen Redaktionsmodells hieß es, dass Sie die RND-Belieferung auch als Kundenmodell sehen. Wie wichtig ist es Ihnen, externe Abnehmer zu finden?

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Zunächst einmal ist das RND so konzipiert, dass dieser Produktionsprozess für das Zeitungsportfolio, das heute zur Madsack Mediengruppe gehört, sinnvoll und richtig ist. Wenn es darüber hinaus sinnvoll erscheint, weitere Titel zu beliefern – wie etwa zur Fußball-WM den Weserkurier – dann machen wir das sehr gerne. Aber bei der Gründung des RND war das nicht unser Ziel. Madsack allein ist schon so groß, dass das System auch ohne externe Kunden bestens funktioniert. Aber wenn wir einen Zuliefervertrag abschließen, sind wir überzeugt, dass das für beide Seiten eine gute und lohnende Sache ist.

Blicken wir in die Zukunft: Derzeit beschränkt sich das RND-Modell im wesentlichen auf Textlieferung. Planen Sie, das Angebot auf Fotos, Bewegtbilder oder Infografiken auszuweiten?

Das sehen Sie falsch. Das RND-Modell beschränkt sich ja gerade nicht auf Textlieferungen. Das hätte keinen Sinn gemacht. Die lokalen Redaktionen der einzelnen Titel sollen auch mit der Produktion der überregionalen Seiten nicht mehr belastet sein – nur dann können sie sich schließlich voll auf ihre lokalen und regionalen Themen konzentrieren. Deswegen ist die Kernidee des RND, dass das RND grundsätzlich druckfertig produzierte Seiten liefert. Und dazu gehören natürlich auch Bilder und Infografiken. Der nächste Schritt wird sein, dass das RND ab 2015 auch die redaktionellen Webseiten unserer Titel mit überregionalen Inhalten beliefern wird. Bewegtbild wird ebenfalls hinzukommen, aber wir gehen Schritt für Schritt vor und stellen sicher, dass die Prozesse eingeschwungen funktionieren, bevor wir die nächste Ausbaustufe zünden. Zudem erweitern wir das Modell ja intern auch sukzessive auf weitere Zeitungen und Formate. Im Übrigen überlegen wir, ob wir auch ein gemeinsames Wochenendjournal titelübergreifend produzieren, und zwar in einer Qualität, wie sie von einer einzelnen Zeitung gar nicht gestemmt werden könnte. Fest steht: Wenn wir so etwas machen, muss es für alle ein Gewinn sein.

Sie stellen den Qualitätsgewinn in den Vordergrund, aber angesichts der allgemeinen Medienentwicklung ist die Kostenreduzierung doch auch ein zentrales Thema bei Ihrem Modell. Wie hoch ist der Effekt?

Natürlich ist die Effizienz dabei erheblich höher als zuvor. Es ist kein Geheimnis, dass die Kosten pro redaktionelle Seite nach der vollständigen Implementierung des neuen Modells deutlich sinken werden.

Fragen wir anders: Ist der von Ihnen vollzogene Schritt überlebenswichtig?

Dadurch, dass regionale Zeitungen über viele Jahre sehr profitabel waren, ist mancherorts sicherlich eine gewisse Trägheit entstanden. Wer sich nicht verändert und den neuen Herausforderungen anpasst, sondern immer einfach weitermacht wie bisher, wird es schwer haben, profitabel zu bleiben. Und wenn die Ergebnisse immer schlechter werden, dann sinkt auch der Substanzwert eines Unternehmens. Das aber blenden zur Zeit noch viele aus. Bei Madsack gehen wir einen anderen Weg, indem wir bei allen Maßnahmen das Produkt und seine Qualität in den Vordergrund stellen. Ich bin dabei überzeugt, dass wir immer Modelle finden werden, wie Journalismus aus sich selbst heraus auch in Zukunft profitabel sein wird. Das ist das Kernziel von Madsack 2018. Welche Antworten wir in zehn Jahren finden werden,   kann ich Ihnen heute auch noch nicht sagen. Aber unabhängiger, kritischer und standfester Journalismus kann nur existieren, wenn er wirtschaftlich nicht von konzerninternen Quersubventionen oder staatlicher Alimentierung abhängig ist.

 

 

Verlagsinfos zum RND: Das 2013 gegründete Redaktions-Netzwerk Deutschland (RND) erstellt überregionale Inhalte für regionale Tageszeitungen und deren Nachrichtenprotale im Internet. Thematisch ist die Zentralredaktion der Madsack Mediengruppe breit aufgestellt: Sie verfasst journalistische Inhalte für die Ressorts Politik, Wirtschaft, Sport, Kultur, oder Panorama. Zum redaktionellen Portfolio gehören ebenfalls Reportagen, Ratgeberseiten sowie Beiträge für Wochenendjournale. Das RND verfügt über ein eigenes Korrespondentenbüro in Berlin, das über Themen aus der Hauptstadt berichtet, sowie über ein weltweites Korrespondentennetzwerk. Die Redaktion recherchiert, schreibt und produziert Seiten in unterschiedlichen Formaten (Nordisches, Berliner und Rheinisches Format). Die redaktionelle Hoheit für die belieferten Zeitungen liegt weiterhin bei den jeweiligen Chefredaktionen. RND liefert offene Seiten, die lokal geändert werden können. Unterschiedliche Themensetzungen, Gewichtungen und Regionalisierungen sollen so weiterhin sichergestellt werden. Auch der Umfang der Zulieferung ist von Kunde zu Kunde unterschiedlich – von einzelnen Modulen und Seiten bis zum ganzen überregionalen Buch ist alles möglich. Das RND zählt zu den größten redaktionellen Netzwerken Deutschlands und beliefert derzeit nach Angaben von Madsack deutschlandweit 35 Tageszeitungen mit einer täglichen Gesamtauflage von mehr als 1,3 Millionen Exemplaren und einer Reichweite von 3,5 Millionen Lesern täglich.

 

 

 

 

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Alle Kommentare

  1. Aber nur damit du es richtig einschätzen kannst: Es ist zwar richtig, dass die Zeitungen an Auflage verlieren. Aber die Verbreitung der Nachrichten von den Zeitungen ist aufgrund der Internetseiten größer als je zuvor.

    1. Das stimmt! Blos verdient man online, außer mit Titten und Dschungel-Deppen-Scheiß, keine müde Kopeke. OK, ausser BILD…

      In der Tat sind wir wütend, enttäuscht, erfüllt von kaltem Hass. Aber nicht blind.

      Würden wir ja sonst die Qualitäts-Arroganzkotze der Medien-Fachkräft*Innen weiterhin bezahlen.

      Tun wir aber nicht.

      Zitiere “Howard Beale, Network”:

      IHR KÖNNT MICH ALLE AM ARSCH LECKEN, ICH LASS MIR DAS NICHT LÄNGER GEFALLEN

      (Post von mir woanders, kein Bock anzupassen, stimmt sowieso)

    2. PS:

      Zum „richtig einschätzen“ empfehle ich die IVW Reichweiten online, zufälligerweise auch auf dieser Seite zu finden.

      Nie den Arsch höher hängen als man scheissen kann.

  2. @ Fr. Dr. Wilma Blasen: Du hast offenbar den ganzen Tag nichts zu tun, als jede Meldung hier zu kommentieren. Du musst ein ziemlich frustrierter (und vermutlich arbeitsloser) Mensch sein.

    1. FAST … wirklich nah dran aber nur FAST:

      Mein Rechner läuft ab 0600 bis abends gegen 2000, an Wochenenden ab 0800

      Ich zahle u.a. Gewerbesteuern … verstehste? kennste? Wohl nich

      Frustriert nicht, eher enttäuscht, entgeistert, desillusioniert

      und das Beste zum Schluß:

      Ich weiß was kommt.

      PS: ich kommentiere nur was mich anspricht. Der größere Teil der Texte hier gehört da nicht zu. Die neuesten Tussitipps und Titelblätter und was der Justin Bieber wieder gemacht hat GEHT MIR AM ARSCH VORBEI. Sozusagen 🙂

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