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NSA-Story: Bild kritisiert Spiegel-Autoren als „Aktivisten“

Neuer Spiegel-Chefredakteur Klaus Brinkbäumer, Bild-Artikel: Streitpunkt NSA-Berichterstattung
Neuer Spiegel-Chefredakteur Klaus Brinkbäumer, Bild-Artikel: Streitpunkt NSA-Berichterstattung

Lange war es ruhig im ehedem schwelenden Zwist von Bild und Spiegel. Doch nun schaltet das Boulevard-Blatt in den Angriffsmodus: Unter der Überschrift "Zweifel an Unabhängigkeit der NSA-Autoren" nimmt sich das Boulevard-Blatt die Macher hinter dem aktuellen Spiegel-Stück "Kontrollierte Eskalation" vor. Dabei moniert die Bild, dass von den neun Autoren "nur drei unabhängige Spiegel-Journalisten" seien, es sich bei sechs weiteren jedoch um "Aktivisten" handele.

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Über die „Aktivisten“ schreibt die Bild, dass diese öffentlich erklärt hätten, „wie sehr sie die US-Geheimdienste hassen und teilweise mit Datensicherheit ihr Geld verdienen, also von der Angst vor der NSA profitieren.“ Konkret geht es um Jacob Appelbaum, Aaron Gibson, Glenn Greenwald, Claudio Guarnieri, Andy Müller-Maguhn, Laura Poitras und Leif Ryge. Aus dem neun-köpfigen Autorenteam gehören lediglich Marcel Rosenbach, Hilmar Schmundt und Michael Sontheimer fest zum Spiegel.

Gegen Laura Poitras und Leif Ryge führt das Boulevard-Magazin keine konkreten Vorwürfe ins Feld. Zu Appelbaum und Gibson berichtet die Bild, dass beide für das „Tor Project“ (einen sicheren Internet-Browser) arbeiten würden. Deshalb, argumentiert Bild, könnte es durchaus in deren – auch finanziellen – Interesse sein, dass möglichst viel Angst vor dem Datenhunger der Geheimdienste geschürt werde. Eine Klarstellung über die Voreingenommenheit der freien Autoren am Ende des Textes, so das Springer-Blatt, wäre hier angezeigt gewesen. Genau eine solche Offenlegung lieferte der NDR bei seiner letzten NSA-Reportage, an der Appelbaum und Gibson mitarbeiteten. Ein solcher Hinweis fehle im Spiegel, kritisiert die Bild.

Einen Interessenskonflikt sehen die Boulevard-Profis auch beim Co-Autor Andy Müller-Maguhn. Der ehemalige Sprecher des Chaos Computer Clubs (CCC) arbeite als Berater für IT-Sicherheit und werbe auf seiner Webseite für ein abhörsicheres Telefon. Wieder kritisiert die Bild: „Von diesem wirtschaftlichen Interessenkonflikt erfährt der Spiegel-Leser – nichts.“ Zudem reibt sich die Bild an Glenn Greenwald. Ihm wirft der – übrigens nicht namentlich gekennzeichnete – Bild-Artikel  vor, dass er die Debatte um Charlie Hebdo und die Pressefreiheit dazu ausgenutzt habe, „in einem Online-Artikel wüst antisemitische und anti-israelische Karikaturen zu veröffentlichen“.

Tatsächlich arbeiten Greenwald, Müller-Maguhn, Poitras, Appelbaum und Gibson immer wieder in wechselnden Zusammenstellungen und mit unterschiedlichen Partnern und Co.-Autoren im Gesamtkomplex der Berichterstattung über die US-Geheimdienste und die Snowden-Dokumente zusammen. Appelbaum und Poitras waren für ihre Recherchen im vergangenen Jahr mit dem begehrten Henri Nannen Preis ausgezeichnet worden.

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In dem aktuellen Spiegel-Stück geht es um neue Snowden-Dokumente, die das Nachrichtenmagazin exklusiv einsehen konnte und aus denen hervorgehen soll, dass Geheimdienste wie die NSA „die Herrschaft im Internet wollen“ und „einen digitalen Krieg vorbereiten“.

Interessant ist im diesem Zusammenhang jedoch auch folgender Umstand: Direkt nach dem Angriff auf die Charlie Hebdo-Redaktion hatte Bild.de-Chef Julian Reichelt mit einem offensiven Pro-NSA-Kommentar branchenweit für Aufsehen gesorgt, indem er u.a. Enthüller Snowden hart kritisierte. In seinem Morningbriefing schrieb er: “Einer der Geheimdienstler sagte mir: ‚Snowden hat uns schlichtweg erblinden lassen. Niemand kann sagen, dass wir die Terroristen von Paris vor Snowden gestoppt hätten. Aber es war deutlich wahrscheinlicher.‘ Ein anderer sagt: ‚Wir konnten förmlich dabei zusehen, wie uns bekannte Terroristen nach jeder neuen Snowden-Enthüllung weitere Kommunikationskanäle abschalteten.'“

So offen hatte schon lange kein deutscher Journalist mehr Edward Snowden und die Veröffentlichung, der von ihm geleakten NSA-Dokumente kritisiert. Mit der Berichterstattung über den NSA-Artikel im Spiegel geht Bild nun einen Schritt weiter. Die Spiegel-Chefredaktion hat sich auf MEEDIA-Anfrage bislang nicht zu der Bild-Kritik geäußert.

Nachtrag, 20.01., 18 Uhr: Der Spiegel hat auf seinem Redaktionsblog einen Artikel online gestellt, in dem die Kritik der Bild zurückgewiesen wird.

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Alle Kommentare

  1. >Ihm wirft der – übrigens nicht namentlich gekennzeichnete – Bild-Artikel vor, dass er die Debatte um Charlie Hebdo und die Pressefreiheit dazu ausgenutzt habe, “in einem Online-Artikel wüst antisemitische und anti-israelische Karikaturen zu veröffentlichen“.

    Stimmt. Das war im Kontext von „Je suis Charlie“, als alle die Pressefreiheit bejubelt haben. Glenn Greenwald hat (der Artikel ist auf The Intercept zu finden) in seinem Artikel aufgezeigt, dass Pressefreiheit in westlichen Ländern keinesfalls immer so respektiert wird, und hat ausserdem in satirischer Weise antisemitische Karikaturen veröffentlicht.

    Und für Bild scheint Pressefreiheit in der Tat ziemlich schnell am Ende zu sein, wenn sich die Hetze nicht gegen Moslems, Arbeitslose o.ä. richtet.

  2. Na endlich sagt es auch mal jemand anderes, dass „Rechercheverbünde“ oder „Freelancing Acti-Journalism“ nichts anderes als mafiöse Strukturen sind, die es dem Leser erschweren sollen, seine Schweine am Gang zu erkennen. Aktivist – was ist das überhaupt für ein Berufsbild? Ich meine, „Berufskiller“ findet sich auch nicht im BKZ-Register der Bundesagentur für Arbeit? Aber komisch ist es schon, wenn so eine Schweinebande aus dem Spiegel jene welche aus dem BLÖD – Stall kritisieren? Ich meine: Haaaallllooooo, die schicken magenkranke Dackel in die Ukraine (Ronzheimer) bzw. Strebertypen mit Stirnband „Hau mir eine rein“ nach Syrien (Reichelt)? Ob man denen glauben darf?

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