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Überraschende Erkenntnis auf Burdas DLD: Internet-Regulierung, ja bitte!

Für den Economist ist der DLD die bedeutendste europäische Konferenz  der Tech-Avantgarde
Für den Economist ist der DLD die bedeutendste europäische Konferenz der Tech-Avantgarde

An Tag zwei war Andrew Keen einer der Stars auf Burdas Digital-Konferenz DLD. Der Internet-Kritiker („Stunde der Stümper“, „Das Digital Debakel“) schlug ungewohnte Töne an: Mehr Regulierung im Internet. Das Netz habe eine narzisstische Selfie-Ökonomie produziert, die keinen Beitrag zur Gesellschaft leistet. Auch mit dem DLD-Stargast vom Vortag, Uber-Chef Travis Kalanick, rechnete er ab.

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„Travis Kalanick hat sich seinen Jesus-Anzug übergeworfen und erzählte was von 50.000 Jobs, die Uber schaffen will. Und was macht Ihr? Stellt Ihr kritische Fragen? Von wegen!“ Wenn jemand in einen Uber-Wagen steigt, dann wisse man eben nicht, ob der Fahrer gerade aus dem Knast kommt und wegen Totschlags oder sonstwas eingesessen hat. Weil eben die Regulierung fehlt, so Keen. Firmen wie Uber machten aus Menschen Produkte, das dürfe die Gesellschaft nicht zulassen. Uber betreibt einen Taxi-Dienst, bei dem Privatpersonen online ihre Fahrdienste anbieten können. In vielen Ländern hat Uber bereits Probleme mit den –  regulierten – offiziellen Taxi-Unternehmen bekommen, die gegen den Internet-Emporkömmling protestieren.

Interviewt wurde Netz-Skeptiker auf der DLD-Bühne von Mike Butcher, Editor-at-Large bei TechCrunch Europe, der als Stichwortgeber für die Keen-Show funktionierte, als journalistischer Frage aber versagte. Butcher lieferte Keen mit „What about the Arab Spring?“ eine Steilvorlange für einen minutenlangen Rant über den gescheiterten Arabischen Frühling, der ja eben beweise, dass das Internet in seiner heutigen Form nicht in der Lage sei, eine politische Bewegung herauszubilden, die nachhaltig etwas bewirkt.

„Wenn wir keine Regulierung hätten, dann würden heute noch Elfjährige in Fabriken schuften, dann hätten wir noch Umweltverschmutzung wie in der Frühzeit der Industrialisierung“, rief Keen. Heute sei eben „Data the new Pollution“ und müsse reguliert werden. Anwesende Verlagsmanager aus den Häusern Burda und Springer dürften bei solchen Worten applaudieren.

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Keen ist nämlich auch für eine Regulierung Googles, das er als das neue Microsoft bezeichnete. Monopole, wie Google, seien ein Feind der Innovation, da sie neue Wettbewerber behinderten und unterdrückten. Von regulatorischen Auswüchsen wie dem deutschen Leistungsschutzrecht sagte er freilich nichts.

Laut Keen hat das Internet bislang versagt, einen Mehrwert für eine bessere Gesellschaft zu schaffen. Musiker, Autoren, Schauspieler würden eben nicht von dem von Chris Anderson proklamierten „Long Tail“ profitieren, sondern hätten es heute schwerer denn je, ihren Lebensunterhalt zu bestreiten. Das Internet fördere Narzissmus und Ausbeutung von Arbeitskräften. Wir lebten in einer um sich selbst kreisenden Selfie-Ökonomie. Die negativen Effekte des Internets seien umso bedenklicher, da es heute nicht mehr „nur“ um Künstler und Medien gehe. Das Internet sei überall, in der Medizintechnik, in der Autoindustrie. Und weil es eben so allumfassend ist, müsse es auch kontrolliert und reguliert werden.

Es ist gut, dass die Organisatoren des DLD einen so eloquenten Kritiker wie Keen eingeladen haben, der die optimistischen Berufs-Visionäre wieder ein bisschen auf den Boden holt. „Wir brauchen Geschäftsmodelle, die Arbeit respektieren. Regulierung ist nicht der Feind. Ohne Regulierung ist die Wirtschaft verdammt“, rief Keen. Angela Merkel hätte sein Vortrag sicher gefallen.

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Alle Kommentare

  1. Aber schön, dass BURDA zumindest eine Schauspielerin fördert…die im Tatort aber- obwohl finanziell höher als die Kollegen der Reihe gleich beim LKA angesiedelt- kein Geld für die KITA hat..…oder nur Supermami mit Problemchen sein möchte. WÜRG.

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