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„Ihr widert mich an“ – bildungskritischer Twitter-Star Naina kapituliert vor Twitter-Hass

Ein Tweet und seine Folgen
Ein Tweet und seine Folgen

Die Kölner Schülerin Naina, die wegen eines bildungskritischen Tweets zum Twitter-Star hochgeschrieben wurde, verabschiedet sich von Twitter. Wegen dem Hass. Zum Start der Dschungelshow bringen sich die Medien in Stellung und verfrachten den Dschungel-Gagschreiber Beisenherz im Eifer von Bochum nach Berlin. Ein Photoshop-Disaster, das keines war, macht Mini-Karriere und Terror-Anschläge sind plötzlich “out”. Der MEEDIA Wochenrückblick.

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Es war wohl ein so genanntes Social Media Phänomen. Die Kölner Schülerin machte Furore mit einem Tweet, in dem sie das deutsche Bildungssystem vermeintlich pfiffig kritisierte:

Die Folge waren zig tausende Retweets, Berichte in Zeitungen, TV-Sendern und eine Einladung zu „TV total“ mit Stefan Raab. Willkommen in der Medien-Hölle! Die Schülerin erhielt – oh Wunder – nicht nur Zuspruch, sondern wie das bei Twitter so üblich ist, auch jede Menge Hass und Häme frei haus. Via Twitter teilte sie nun mit, dass sie das Twittern erstmal lässt:

Wenn Twitter und die „normalen Medien“ zusammenwirken, ist das so eine Art Hass-Beschleuniger. Gar nicht schön.

A propos Häme im Social Web. Ich weiß nicht, ob Sie es schon gemerkt haben: Heute Abend um 21.15 Uhr startet die neunte Staffel der RTL-Dschungelshow “Ich bin ein Star – holt mich hier raus!”. Hinter den Kulissen wieder mit dabei ist Gagschreiber Micky Beisenherz. Auch die lokale Presse ist schon ganz wuschig. So titelte die B.Z. diese Woche: “Berliner Moderator schreibt für Zietlow und Hartwich” Für das Label “Berliner Moderator” muss reichen, dass Beisenherz, der nach eigenen Angaben in Bochum wohnt, in Berlin eine Radioshow moderiert. Online fragt die B.Z dann noch, auf welchen Berliner Kandidaten sich die Leser am meisten freuen. Lokaler Bezug mit der Brechstange.

Nichts ist wie es scheint. Manchmal aber doch. Die Webseite PS Disasters veröffentlicht verunglückte oder dreiste Photoshop-Mogeleien. So fand sich beispielsweise auch die jüdisch-orthodoxe Zeitung “The Announcer” dort wieder, die alle weiblichen Staatschefs aus dem Foto der der Charlie-Hebdo-Demo in Paris wegretuschiert hatte. Auch ein Foto aus dem Wirtschaftsressort von Spiegel Online schaffte es jetzt auf die Seite und wurde in interessierten Twitter-Kreisen herumgereicht. Das Bild zeigt die Chefs der beiden fusionierten Fernbus-Unternehmen FlixBus und MeinFernbus. Die Herren umgibt dabei ein seltsamer Schimmer, der darauf hinweisen könnte, dass die Bus-Unternehmer eher schlecht als recht mit Photoshop ausgeschnitten und vor die Busse montiert wurden. Stimmt gar nicht, sagen Spiegel Online und dpa. Grund für den Halo-Effekt sei ein Blitzlicht im Hintergrund.

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Übrigens: Terror-Anschläge sind laut dem Blatt Wiener Bezirkszeitung seit Charlie Hebdo ebenso “out” wie “Missgeschicke”

Schönes Wochenende!

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Alle Kommentare

  1. Tschuldigung, aber muss es nicht heißen „wegen den Hass“, oder „wegen den total krassen Hass“? Oder vielleicht gar „wegen des Hasses“? Der Deutschunterricht scheint auf jeden Fall verbesserungswürdig zu sein!

  2. Der wichtigste Satz findet sich fast am Ende ihrer Replik „Der Duden lässt “wegen dem” übrigens umgangssprachlich auch gelten. “ womit der Sachverhalt geklärt wäre. Die korrekte Anwendung erfordert den Genitiv, auch wenn ihnen das nicht passt!

  3. „Es war wohl ein so genanntes Social Media Phänomen.“ Nein, war es wohl nicht, sondern doch eher ein inszenierter Springer-Presse Schmu, auf den viele aufgehoppt sind, weil sie sich auf diesem vermeintlich Terrain trittsicherer fühlen als bei „Je suis Charlie.“ Wie bestellt kam diese Diskussion daher, die fix storniert werden mußte, als sie sich Richtung Abgrund wandte und selbst Erika Steinbach sich dazu verleiten ließ, etwas dazu beizutragen. Und nun das Ende. Klar, wie sonst als mit einem Knall könnte man auch so einen Sch****, ähem Schmu beenden? Wieder das böse Internet. und sie ist doch sooo eine Nette („Meine Güte, nehmt Euch doch ein Zimmer, aber verschont uns, Eure Frauen und den Regenwald mit unnötiger Wissensdarstellung!) Ich verstehe ehrlich gesagt nicht, wieso man hier auf Meedia so tut, als wäre das kein inszenierter Hype gewesen? Soviel mehr als ein durchschnittlicher Leser mit gesundem Menschenverstand und vor allem Ortskenntnis im Springerblätterwald könnt Ihr doch auch nicht wissen, oder? Denn eines müßt doch auch Ihr ganz bestimmt wissen: Der Leser hat zwar immer noch kein Archiv ( wie die BLÖD jeden Tag aufs Neue hofft), aber er hat mittlerweile Internet. Und das Internet vergißt und vergibt nicht. Also bitte tut mir einen Gefallen: Verleitet mich nicht, hier eines Tages „Lügenpresse“ zu schreiben …

  4. Wie wäre es mit etwas mehr Hintergrund zu dem Tweet und dem „Hass“ auf Twitter? Es ist nunmal nicht so, als wäre eine 18-jährige kreativ geworden, hätte dafür Zuspruch bekommen und plötzlich kam der Mob, der ihr den Erfolg nicht gönnte. Sondern es war schlichtweg ein Plagiat. Sowas retweetet ein guter Twitterer oder gibt zumindest die Quelle an, gibt es aber nicht als Eigenleistung aus. Wer einen Fehler macht und dann mit Kritik nicht klar kommt, sollte sich vielleicht aus dem sozialen Netz verabschieden.

  5. Was sind „räumliche Fälle“? Was soll das sein?

    Bei „dank“ wird übrigens der Dativ zunehmend durch den Genitiv verdrängt…

    Und ansonsten sei gesagt – der Genitiv ist in vielen Sprachen, auch dem Deutschen, ein Präpositionalkasus. Jeder Kasus (mit Ausnahme des Vokativs) kann, je nach Sprache, ein solcher sein. Im Albanischen taucht sogar der Nominativ nach Präposition auf. Und zwar bei lokalen Präpositionen.

  6. Vielleicht verabschiedete Nina sich ja auch „wegen des Hasses“? Wenn’s schon um Bildungskritisches geht, sollten wir den Genitiv nicht durch den umgangssprachlichen Dativ meucheln lassen… Schönes Wochenende!

    1. „Dativ und Akkusativ sind räumliche Fälle, der Genitiv ist da­ge­gen ein Kasus, der einen ab­strak­ten, gram­mati­kali­schen Bezug beschreibt. Er hat also nach Prä­posi­tio­nen nichts zu suchen. Das ehemals nachgestellte Sub­stan­tiv Wegen wird nun wie die anderen Prä­posi­tio­nen voran­gestellt und steht kor­rek­ter­weise mit dem Dativ.

      Auch die Verwendung mit dem Genitiv ist heute noch mög­lich. Es handelt sich aber um nieder­deut­sche Mund­art und auf keinen Fall um beson­ders gutes Hoch­deutsch. Es ist zudem ein gram­matika­lisch nicht mehr korrekter Archa­ismus, denn selbst die Men­schen in Nord­deutsch­land benutzen wegen heutzutage als reine Prä­posi­tion.

      Grammatikalisch korrekt und stili­stisch viel bes­ser ist der Dativ: wegen dem Sturm. Besser ist es des­halb, weil es räum­licher und sinn­licher ist und dem Kasussystem des Deutschen entspricht.“ (Zitat aus Belles Lettres)

      Der Duden lässt „wegen dem“ übrigens umgangssprachlich auch gelten. Nieder mit dem Genitiv!

  7. „wegen dem hass“. Ja gehts denn noch. Wer nicht deutsch kann, soll das schreiben lassen.

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