Anzeige

„Der Sender“: Journalisten wollen alternative Medienplattform gründen

Philip Banse, einer der Initiatoren von „Der Sender“
Philip Banse, einer der Initiatoren von "Der Sender"

Ein Zusammenschluss aus freien Journalisten will eine Genossenschaft gründen und so eine Plattform für "gemeinschaftlich finanzierte, unabhängige Plattform für zukunftsweisenden Journalismus" gründen. "Der Sender" soll sich auf audiovisuellen Journalismus konzentrieren (früher bekannt als "TV" und "Radio") und zu Beginn über Crowdfunding finanziert werden.

Anzeige
Anzeige

„Hi Leute, wir gründen einen Sender“ steht ganz unaufgeregt auf dem Blog, das am Donnerstagnachmittag online ging. Eine Handvoll Journalisten berichtet, sie wollten eine Genossenschaft gründen. Ihr Ziel: gemeinschaftlich finanzierten, unabhängigen Journalismus. Gibt’s schon, könnte man meinen. Die Community-Journalisten von Krautreporter haben das doch gerade erst getan und müssen sich aktuell Nutzer-Kritik an ihren bisherigen Ergebnissen stellen.

Was also ist „Der Sender“ und wer steckt dahinter? MEEDIA hat sich mit einem der Initiatoren, Philip Banse, unterhalten und fasst die wichtigsten Informationen zusammen.

Was ist „Der Sender“?

Der Sender soll eine Online-Plattform im Internet werden, auf der vor allem audiovisuell berichtet wird – kein Radio und Fernsehen, sondern Audio- und Videoformate in unterschiedlichsten Varianten, dazu Bilder und Text, alles verbunden.

Wozu braucht man das?

„Ich habe das Gefühl, es gibt eine Lücke zwischen dem öffentlich-rechtlichen Angebot, Audio-Podcast-Themen und der dritten Säule, den Multichannel-Networks auf Youtube“, sagt Philip Banse. Diese Lücke soll „Der Sender“ füllen. „Wir wollen mit Technik und Formaten experimentieren und so die Grenzen zwischen Audio und Video austesten. Dort herrscht bislang noch eine Grauzone.“ Gerade in der Audioszene gebe es noch viel zu entdecken, so Banse.“Wir wollen eine Plattform für gute Leute bieten, die noch nicht so bekannt sind und gute Ideen haben.“

Was wird es dort zu sehen geben?

Die fünf Kernmitglieder haben bereits eine Menge Ideen für Sendeformate und Themen: Etwa eine wöchentliche Polit-Runde, ungefilterte Live-on-Tape Reportagen, ausgedehnte Podcast-Serien, eine Wissenschaftssendung oder eine Show für Kinder und Eltern. „Wir wollen eine breitere Zielgruppe ansprechen, als deutsche Audio-Podcastst es derzeit tun: Das bedeutet, mehr Frauen-, Kultur und auch Politikthemen, bei denen ein paar andere Stimmen zu Wort kommen, als üblich.“ Gleichzeitig wolle man sich aber von der Reichweite unabhängig machen, so Banse.

Wieso eine Genossenschaft?

Anzeige

„Unsere Grundidee ist eine gemeinschaftlich finanzierte Plattform und die Genossenschaft ist eine adäquate Abbildung dieses Ansatzes“, sagt Banse. „Dadurch wollen wir unseren Nutzern die strukturelle Möglichkeit geben, sich in fundamentalen Fragen am Unternehmen zu beteiligen.“

Einen redaktionellen Einfluss wolle man dabei jedoch begrenzen. „Ich denke, die Genossenschaft soll eher eine Dachfunktion übernehmen, unter der wir dann bestimmte Beteiligungsmöglichkeiten entwickeln. Welche das genau sein werden, wissen wir noch nicht. Das wollen wir auch im Vorfeld gemeinschaftlich rausfinden. Eine davon wird aber sein, den Sender zu betreiben.“

Eine Genossenschaft ist eine demokratisch angelegte Unternehmensform. Die Nutzer erwerben dabei Geschäftsanteile des Unternehmens, das sie so finanzieren und genießen im Gegenzug bestimmte Mitspracherechte.

Wer steckt hinter der Idee? 

Die Kerngruppe der Initiatoren besteht aus Jana Wuttke, Lena Waterkamp, Linda Rath-Wiggins, Lorenz Matzat und Philip Banse. Das Team soll aber wachsen. Wie genau die Anstellungsverhältnisse geregelt werden, sei noch nicht klar. „Eine Motivation ist aber natürlich, dass man von der Arbeit dann auch leben kann. Bisher klappt das im Podcast-Bereich selten“, sagt Banse.

Wie geht es weiter?

Der erste Blogeintrag diente dazu, die Idee erst mal vorzustellen. Es soll ein Crowdfunding-Projekt und die Gründung der Genossenschaft folgen.

„Noch gibt es viele offene Fragen, die wir gemeinsam mit der Community beantworten wollen“, sagt Banse. „Wir wollten die Leute rechtzeitig einbeziehen. Das ist die Lehre, die wir aus den Krautreportern gezogen haben. Wir wollen daher bereits gemeinsam Ideen suchen, Kritik sammeln und Interessen ausloten, bevor wir mit dem Crowdfunding starten.“

Anzeige

Mehr zum Thema

Anzeige
Anzeige

Alle Kommentare

Dein Kommentar

Deine E-Mailadresse wird nicht veröffentlicht.

*