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Otto-Brenner-Studie zu den NSU-Morden: Medien fehlte die nötige Distanz

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Beate Zschaepe, Angeklagte im Fall der NSU-Morde, auf dem Weg in den Gerichtssaal

Im Fall der NSU-Morde hat nicht nur der Staat versagt, auch den Medien hätte die nötige Distanz gefehlt. Zu diesem Ergebnis kommt eine aktuelle Studie der Otto-Brenner-Stiftung.

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Forscher der Otto Brenner-Stiftung analysierten dafür die deutsch- und türkischsprachige Berichterstattung in Deutschland zwischen September 2000 und November 2011: 300 Beitrage und rund 290 Bilder. Medienkritische Analysen und Experteninterviews mit Journalisten ergänzen die Ergebnisse.

Der Befund der Studie mit dem Titel „Das Unwort erklärt die Untat“ klingt vernichtend für den objektiven Journalismus: Bis auf wenige Ausnahmen seien sehr große Teile der medialen Berichterstattung der Logik und den Deutungsmustern der Ermittlungsbehörden gefolgt, ohne diese zu hinterfragen.

Dabei hätten sie mit zur Ausgrenzung der Opfer beigetragen, Angehörige stigmatisiert und sich teilweise mit „umfangreichen Spekulationen“ an der Tätersuche beteiligt. Polizeiliche Quellen hätten dabei unangemessene Glaubwürdigkeit und Autorität genossen, so die Autoren weiter.

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„Natürlich ist die polizeiliche Ermittlungsarbeit immer eine wichtige Quelle. Aber in diesem Fall hatte sie sich einseitig in Richtung organisierte Kriminalität orientiert. Das wurde kaum infrage gestellt“, sagte Sozialwissenschaftler und Mitautor der Studie, Fabian Virchow, in einem Interview gegenüber dem Spiegel. „Die Vorstellungskraft, dass es da eine Gruppe gibt, die gezielt Migranten ermordet, haben Journalisten, Ermittler und Experten offenbar nicht aufgebracht.“

Nur vereinzelt und vorwiegend in der regionalen Berichterstattung sei den Opfern und Angehörigen Empathie entgegengebracht worden, resümiert die Studie. Dabei sei die Berichterstattung regelmäßig und flächendeckend mit Zuspitzungen und Spekulationen aufgeladen worden. Der von den Medien geprägte, zynische Begriff „Döner-Morde“ hätte zudem die Angetroffenen stigmatisiert, ausgegrenzt und teilweise kriminalisiert.

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