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Weißer Rauch über der Ericusspitze: Brinkbäumer und Harms als neue Spiegel-Chefs inthronisiert

Online-Chefredakteur Florian Harms (l.), Blattmacher Klaus Brinkbäumer
Online-Chefredakteur Florian Harms (l.), Blattmacher Klaus Brinkbäumer

Endlich ist es offiziell. Wie erwartet wird mit sofortiger Wirkung der bisherige Stellvertreter beim Spiegel, Klaus Brinkbäumer, neuer Chefredakteur und folgt auf den aus dem Amt gejagten Wolfgang Büchner. Neuer Chefredakteur von Spiegel Online wird - ebenfalls wie erwartet - der bisherige SpOn-Vize Florian Harms. Brinkbäumer wird gleichzeitig Herausgeber von Spiegel Online. Der totale Triumph der Heft-Redaktion im Machtkampf um den Spiegel ist komplett.

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Dass Brinkbäumer auch Herausgeber von Spiegel Online wird, ist die einzige (kleine) Überraschung an dieser Personalie. Damit dürfte Brinkbäumer auch eine Art Ober-Hoheit über das Online-Geschehen beim Spiegel haben. Es ist nicht zu erwarten, dass Florian Harms bei SpOn etwas beschließt, das nicht den Segen der Print-Redaktion hat.

Klaus Brinkbäumer, 47,ist langjähriger Spiegel-Mitarbeiter, seit September 2011 in der Position als stellvertretender Chefredakteur. Harms wurde im März 2011 zum stellvertretenden Chefredakteur von Spiegel Online ernannt. Ihnen soll nun gelingen, woran das Duo Georg Mascolo/Mathias Müller von Blumencron sowie Wolfgang Büchner scheiterten: den Spiegel in eine digitale Zukunft führen, die Gräben zwischen Print und Online-Redaktion überwinden.

Dabei wird viel an der Print-Redaktion liegen. In einem beispiellosen Machtkampf hatten Teile der Print-Redaktion den Print/Online-Chefredakteur Wolfgang Büchner regelrecht aus dem Amt gemobbt, weil sie ihn nicht für qualifiziert hielten. Dabei wurde viel Vertrauen bei den Onlinern zerstört, das gekittet werden muss. Die Branche sah über Monate fassungslos zu, wie sich das führende deutsche Nachrichtenmagazin quasi öffentlich selbst zerfleischte.

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Die Print-Redaktion des Spiegel hat nun bekommen, was sie wollte: die totale Macht über die Marke und einen der Ihren als Chefredakteur. Nun muss sie zeigen, dass sie mit dieser Macht verantwortungsvoll umgehen kann. Die nächsten Schritte müssen konstruktiv sein, nicht mehr destruktiv.

Die nächste Aufgabe für den Spiegel ist die Suche nach einem neuen Geschäftsführer, denn auch der amtierende GF Ove Saffe hat nach Büchners Niederlage seinen Rückzug angekündigt. Schwer wird das nicht, denn auch hier läuft alles auf eine interne Lösung hinaus. Als wahrscheinlichster Kandidat gilt Thomas Hass. Er ist Vertriebschef und Geschäftsführer der Mitarbeiter KG. Ein namhafter externer Kandidat würde sich bei der inneren Verfasstheit und Streit-(Un)-Kultur des Spiegel Verlags auch kaum finden lassen.

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Alle Kommentare

  1. Das wird sich als Pyrrhussieg herausstellen. Spiegel-Print, so, wie jetzt gestrickt, wird letztendlich gegen online verlieren. Das wünscht man sich nicht, aber es wird so kommen. Die Arroganz der Drucker hatte 1984 die Einführung der Computer in den Redaktionen erst provoziert, dann beschleunigt; die der Printredakteure beim Spieglein, Spieglein an der Wand, geht dreißig Jahre danach den selben Weg. Alles Gute.

  2. „Talkin‘ Bout A Revolution“

    Na, dann ist doch alles gut. Die Dementoren kreisen nicht mehr über Hogwarts, der neue Zauberei- und Auflagenminister Cornelius Futsch ist im Amt, um todsicher Wunder zu wirken, derweil Bubba Harms samt Truppe wieder im Eilschritt zurück aufs Feld eilt, Steine klopfen.

    „Sing For You“

    Nachts dann, auf dem Heimweg in die Baracken, trällern die Entkräfteten im Bus (ganz hinten sitzend, bien sûr) tapfer „We Shall Overcome“ , derweil Tracy Chapman gerührt zur Klampfe greift. Morgen früh geht’s dann wieder zurück auf die Plantage. Schließlich muss Geld verdient werden, kostet ja, geifernde Digital-Greise durch die Weltgeschichte zu schicken.

    Sehr apart, sehr apart.

    „Give Me One Reason“

  3. Wenn man sich das Foto von Hr. Brinkbäumer in der WELT- Online anschaut, mit dem lila karierten Hemd… und der rot gestreiften Krawatte…, man könnte meinen, es stammt in der Zusammenstellung irgendwie aus den 70 ziger Jahren…! Es scheint auch die Kragenweite etwas zu klein zu sein…!

  4. Laut Satzung musste der Chefredakteur aber nicht immer ein Mann sein…und war’s doch. Pro Quote!

    1. Es liegt an Ihnen eine geeignete Kandidatin vorzuschlagen und zu begründen, warum sie besser ist als die beiden ausgewählten Herren.

      So lange sehe ich Ihren Kommentar als geistigen Dünnpfiff an.

      1. Mein Gott – wenn diese Quote jetzt dahin führt, dass VOR der Qualifikation das Geschlecht kommt und alles andere zweitrangig wird, dann Gute Nacht.

        Lächerlich!

  5. Gründliche Recherche täte auch hier gut, bevor jetzt hier wieder große Sensationen verkündet werden. Laut Satzung war der Chefredakteur des Spiegel schon immer Herausgeber von Spiegel Online. Das ist also weder neu, noch aufregend noch ein „totaler Triumph“ von irgendwem.

    1. Das mit dem „totalen Triumph“ hat sich nicht alleine auf die Rolle des SpOn-Herausgebers bezogen.

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