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„Lügenpresse“ ist Unwort des Jahres

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Die subtile Rache der Systemmedien? Laut Berichten der Lügenpresse ist "Lügenpresse" das Unwort des Jahres. Die Wahl der Jury von der Uni Darmstadt ist eine kleine Überraschung. Eigentlich wurden "Pegida" die besten Chancen auf den zweifelhaften Titel eingeräumt. Im vergangenen Jahr setzte sich "Sozialtourismus" durch.

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Im Vorfeld bat die Jury um Vorschläge für besonders missratene Wörter gebeten. Am häufigsten wurde dabei „Putin-Versteher“ (60 Mal) genannt. Pegida kam auf 44 Nennungen. Auf dem dritten Platz lag „Social Freezing“ mit 29 Vorschlägen.

Die Jury, die im Kern aus vier Sprachwissenschaftlern und einem Journalisten besteht, ist nicht verpflichtet sich nach den Vorschlägen und Einreichungen zu richten. Die Wörter, die in Frage kommen, müssen bestimmte Kriterien erfüllen: Sie müssen gegen die Menschenwürde verstoßen oder gegen Prinzipien der Demokratie. Zudem kommen auch Formulierungen in Frage, die gesellschaftliche Gruppen diskriminieren oder die beschönigend, verschleiernd oder gar irreführend sind.

Das Ziel der Sprachkritiker ist es durch die Wahl einen sensibleren Umgang mit Schlagworten in der Öffentlichkeit zu erreichen.

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In seiner Morgenkolumne hatte sich der Handelsblatt-Herausgeber Gabor Steingart bereits für eine Wahl von „Lügenpresse“ zum Unwort des Jahres stark gemacht. „Doch wenn ein Wort die Ächtung verdient, dann das von der „Lügenpresse“. Es entspringt der völkischen Bewegung des frühen 20. Jahrhunderts und wurde später zu einem der Lieblingsworte von NS-Propagandaminister Joseph Goebbels“. Weiter schreibt er: „Wenn heute die Pegida-Anhänger dieses Wort durch die Innenstädte skandieren, kann man nur hoffen, dass sie nicht wissen, was sie rufen. Sprachwissenschaftler als Aufklärer – das wäre doch mal was.“

Genau diesen Job haben die Sprachwissenschaftler nun übernommen. In ihrer Begründung heißt es: „Gerade die Tatsache, dass diese sprachgeschichtliche Aufladung des Ausdrucks einem Großteil derjenigen, die ihn seit dem letzten Jahr als ‚besorgte Bürger‘ skandieren und auf Transparenten tragen, nicht bewusst sein dürfte, macht ihn zu einem besonders perfiden Mittel derjenigen, die ihn gezielt einsetzen.“

Zudem rügte die Jury die Wörter „Erweiterte Verhörmethoden“ und „Russland-Versteher“.

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Alle Kommentare

  1. Dieses Wort als Unwort zu wählen, wird genau den Leuten Wasser auf den Mühlen sein, gegen die sich die Wahl richtet. Presse, die die Pressefreiheit dazu nutzt tendentiell zu berichten muss sich nicht wundern, wenn Bezeichnungen wie “ Lügenpresse “ entstehen. Um mit Rosa Luxemburg zu sprechen “ Die Wahrheit ( Freiheit ) ist immer die der anders denkenden “ Wenn sich nur die Meinung des aktuell regierenden Systems in den Medien wiederspiegelt, sollte die Presse mal Selbstreflektion an den Tag legen und sich mit den anders Denkenden auseinandersetzen, anstatt beleidigt zu schmollen.

  2. Es gibt ein paar einfache journalistische Regeln, mit denen sich Medienstreitigkeiten und Wörter wie Lügenpresse vermeiden liessen. Erstens: Recherchieren an der Quelle und nicht bei anderen Medien. Zweitens: Immer Vertreter verschiedener Meinungen befragen und mindstens zwei konträre Ansichten zitieren, wenn es geht mehrere, z.B. in Tabellenform. Drittens: Beleidigende Ausdrücke und Karikaturen vermeiden. Viertens: Nicht willkürlich wichtige Tatsachen weglassen. Fünftens: Eigene Meinungen deutlich als solche bezeichnen, z.B. in einem Kastentext als Kommentar.

  3. Wenn das Wort „Lügenpresse“ nicht so auf die heutigen Medien passen würde könnte man das ganze ignorieren.

    Aber an der Berichterstattung aller (!) Medien musste man leider feststellen das dieses Wort „Lügenpresse“ passt wie kein zweites. Leider.
    Allein wieder diese Goebbels-Vergleich???

    Das in der 5-köpfigen Jury zwei Journalisten sitzen hat sicherlich auch bei der Wahl dieses Wortes eine Rolle gespielt.

    1. Hättest du den Text gelesen wüsstest du vielleicht, dass der Text keinen „Goebbels-Vergleich“ enthält.

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