Anzeige
techiteasy

Das iPhone als Kamera und mobilen Schnittplatz nutzen: So geht’s

Bildschirmfoto-2015-01-12-um-14.15.37.png

Das iPhone ist die beliebteste Fotokamera weltweit. Aber spätestens mit der neuesten Generation lassen sich damit kostengünstig und flexibel auch Videos drehen, die vor allem im redaktionellen Einsatz das Angebot bereichern. Doch nur auf Aufnahme zu drücken, reicht nicht. Medientrainerin Kim Lenar gibt Tipps für Dreh und Schnitt mit dem Smartphone.

Anzeige
Anzeige

„Mach einfach ein Video mit!“ – diesen Satz hören vor allem Print-Redakteure seit Beginn der Verschmelzung mit Online immer öfter. Und es ergibt Sinn: 77 Prozent der deutschen Internetnutzer schauen Videos online, davon ein Drittel wöchentlich. Besonders beliebt sind die Bewegbild-Inhalte bei den Jungen. Neun von zehn der 16- bis 34-jährigen sehen Online-Videos!

Kurz: Ohne Video geht es nicht mehr. Und das Beste: Videos für Online zu produzieren kostet kein Vermögen! Während sich die Kosten für TV-Produktionen schnell in die Tausende hochaddieren, lassen sich für die Online-Nutzung schon mit günstigen technischen Mitteln vorzeigbare Ergebnisse erzielen.

grafik_bvdw_bewegtbild_gesamt

Das einfachste Tool dazu: das iPhone! „Mach einfach ein Video mit“, ist also ein durchaus nachvollziehbarer Wunsch von Redaktionsleitern und Chefredakteuren. Doch ganz so „einfach“ ist es eben doch wieder nicht. Es gibt Regeln, Tricks und Kniffe, die man beachten sollte, um sich nicht dauerhaft im Netz lächerlich zu machen.

Wer jetzt kopfschüttelnd da sitzt, weil er meint, ein Smartphone sei wohl kaum ein ernstzunehmendes Video-Arbeitswerkzeug, der möge noch einmal einen schnellen Blick in das Video von Richard Dunn werfen. Gedreht und geschnitten in einer Nacht am Flughafen von Las Vegas. Mit einem iPhone.

Wie aber macht man das nun?

Zunächst gibt es ein paar inhaltliche Dinge zu beachten. Denn „einfach“ losdrehen und hoffen, dass es am Ende schon zu einer Geschichte reichen wird, ist ein Chaos-Garant.

Das kleine Video-Einmaleins

ToDos vor dem Dreh

  • Jede Geschichte braucht ein Konzept. Jede. Ja, auch die, die total logisch klingen.
  • Jedes Video benötigt einen Anfang, einen Mittelteil und ein Ende. Einen Text schreibt man ja auch nicht ohne Storytelling-Aufbau – das ist hier nicht anders.
  • Nicht JEDE Geschichte ist ein Video! (eine PK oder ein Wissenschaftler in seinem dunklen Arbeitszimmer sind sicher nichts für einen iPhone-Dreh!)

ToDos auf dem Dreh

  • Das iPhone immer quer halten, sonst ist das Video hinterher unbrauchbar
  • Das iPhone auf Flugmodus setzen – kommt eine SMS oder ein Anruf stoppt die Aufnahme – wie ärgerlich das ist, kann sich jeder denken
  • Drei-Drei-Drei Regel: wer schwenkt hat es nicht eilig, immer mit einem ruhigen Bild beginnen (z.B. gaffende Nachbarn), im Kopf bis drei zählen, dann los schwenken. Am ersten „Lande-Punkt“ (Beispiel: das brennendes Haus) anhalten, wieder bis drei zählen. Dann weiter (bis zum Feuerwehrauto z.B.) und auch hier angekommen wieder bis drei zählen. So kann man den Schwenk vielseitig einsetzen
  • Schnittbilder kann man nicht genug haben! Das sind die Bilder, die es braucht um eine Geschichte überhaupt erst erzählen zu können: Nahaufnahmen, Totalen, Schwenks.
  • Merke: Was man nicht gedreht hat, kann man hinterher nicht erzählen!

Apps zum Drehen

Es kommen ständig Alternativen zur iPhone „Kamera“-Funktion hinzu. Der Vorteil: bei den meisten Apps lassen sich Ton und Blende individuell einstellen. Hier eine kleine Auswahl:

Anzeige

  • FILMiC Pro (für 6,99 Euro der Klassiker unter den Video-Apps. Hat man alle Grundeinstellungen für den eigenen Bedarf einmal eingestellt, erzielt man wirklich gute Ergebnisse). Wer Lust hat, guckt sich dieses Video an. Die Jungs von Film Riot haben eine sehr eingängige Art die App zu erklären und selbst wenn sie sie mit dem iPhone 4s nutzen – man lernt eine Menge!
  • MoviePro (Bedienung auf englisch, aber gut zu handhaben und mit vielen Einstellungen versehen – 4,49 Euro)
  • videofy.me (eine sehr coole kostenfreie App, in der man drehen, mit einigen Effekten schneiden und das ganze mit Musik unterlegen kann. Danach lässt es sich direkt in alle sozialen Netzwerke laden!

Technik für den Dreh

  • Ton: Hier gibt es diverse Lösungen, vom günstigen „iRig Mic“ (knapp 50 Euro) bis zum „Rode SmartLav“ Ansteckmikro (126 Euro). Je nachdem was man drehen will und welches Budget zur Verfügung steht. Wichtig nur: das eingebaute Mikro ist nur gut, wenn man wirklich dicht vor der Tonquelle steht und keine Störgeräusche zu hören sind. Sobald es lauter wird ist ein externes Mikro Pflicht!
  • Stativ: Das iPhone in der Hand ruhig zu halten ist eine fast unlösbare Aufgabe, daher sollte das Smartphone immer abgestellt werden. Das kann in einem Regal sein, oder eben mit einem der diversen Stativ-Modelle. Ich persönlich bin Fan der Selfie-Stäbe (ab 9,99 Euro), die sehen zwar herrlich albern aus, aber man kann wirklich coole Aufsager damit drehen. Oder man stellt sich in Hongkong auf ein Gebäude und dreht da so ein Selfie-Video, das dann knapp 3 Millionen Mal geklickt wird..
  • Licht: Licht ist so eine Sache beim Drehen mit dem iPhone, im Idealfall nutzt man Tageslicht. Und zwar von vorne – das Smartphone schafft es nicht gegen das Licht zu drehen.

Schnittprogramme

  • iMovie: Ja, man kann tatsächlich direkt auf dem Smartphone schneiden. Im Appstore kostet das Programm fürs iPhone 4,99 Euro und es lassen sich durchaus passable Videos damit erstellen. Das Programm ist intuitiv und bietet auf dem Rechner dann noch einige Möglichkeiten mehr (13,99 Euro).
  • Final Cut Pro X: wer es etwas professioneller mag ist mit diesem Schnittprogramm bestens bedient, diverse Medienhäuser arbeiten damit und der Preis macht eine private Anschaffung möglich (269,99 Euro).
  • Windows Video Maker: ist das Microsoft Pendant zu iMovie und kostenfrei.
  • Adobe Premiere Elements: wer es wirklich wissen will, nutzt dieses Programm. Da sollte man aber Leidenschaft und Durchhaltevermögen mitbringen, das lernt sich nicht an einem Nachmittag (ab 49.90 Euro für Mac und Windows) 

Videos hochladen

  • YouTube: Ja, es gibt noch diverse andere Plattformen im Netz, aber das ist nunmal die Nummer Eins der Videoportale.
    Ein eigener Kanal bei Youtube ist blitzschnell angelegt und der Vorgang zum Hochladen nahvollziehbar gestaltet. Keywörter (heißen hier Tags) beachten und immer dran denken auch Text unter das Video zu schreiben, so erhöht man die Chance gefunden zu werden. Auch ein passendes Titelbild (Thumbnail) macht Sinn, damit schon das Miniaturbild auf den Inhalt hinweist. Man kann auch dies selbst bestimmen und übrigens auch eigene Fotos dafür hochladen und nutzen. Hier allerdings ein klares ACHTUNG! wegen des Urheberrechts, einfach ein Foto nutzen, bei dem die Herkunft unklar ist, ist schlicht weg verboten.

Die richtige Musik

Und wo wir gerade bei den Don’ts sind: noch ein Wort zur Musik. Sofern man kein TV-Sender mit GEMA-Vertrag ist, gilt: unbedingt rechtefreie Musik nutzen! Ein Chart-Song mag super zum Gedrehten passen, wird einem aber finanziell schnell das Genick brechen, denn die GEMA macht keine Ausnahmen für kleine Budgets. Es gibt aber diverse Anbieter für gemafreie Musik im Netz, wer „royalty free music“ googelt wird hier schnell fündig. Ich persönlich nutze für meine Online-Sendung „IN Fashion“ (www.IN.de) ROBA MUSIC und bin sehr zufrieden mit deren Angebot, der Beratung und ihren Preisen.


„Mach einfach ein Video mit“, ist also gar nicht so schlimm, wie es vielleicht zuerst klingen mag. Und wie bei allem anderen auch, macht hier vor allem die Übung den Video-Meister. Das Praktische am iPhone als Kamera: Man kann das Drehen damit jederzeit und überall üben, ob man die Kids auf dem Spielplatz inszeniert oder den Hundewelpe beim Spaziergang im Park mit der Kamera begleitet – Gelegenheiten gibt es unendlich viele – nutzen Sie sie!

© Martin Diebold, GRAND VISIONS

© Martin Diebold, GRAND VISIONS

Zur Autorin: Kim Lenar ist Medientrainerin und Bewegbild-Produzentin. Nach knapp 20 Jahren als Redakteurin und CvD bei RTL, BILD und bild.de schult sie heute Print-Journalisten für die Arbeit mit Video und gibt Kamera- und On-Air-Trainings. Für die Zeitschrift IN produziert sie das monatliche Online Mode-Magazin „IN Fashion“ und realisiert Dokumentationen für den Sender VOX, wie „Meine Marilyn“ und „Filmsongs, die die Welt bewegten“. Kim Lenar lebt in Berlin.
Mehr über die Autorin unter http://www.kimlenar.com

 

Anzeige

Mehr zum Thema

Anzeige
Anzeige

Alle Kommentare

  1. Danke für den Bericht … ich würde mich noch über eine Material Liste für zusätzliches Equipement freuen: wie Stativ, Vorsatz für Kino Format, Objektive, Zoom, usw? Habe da nur was aus US gefundne… gibt es aber doch sicherlich auch hier? Und wie geht es mit dem Ipad?

Dein Kommentar

Deine E-Mailadresse wird nicht veröffentlicht.

*