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Das Geschäft mit dem Terror: „Je suis Charlie“ wird zum Merchandise-Produkt

Alle wollen Charlie sein. Wieso also nicht gleich Geld damit verdienen? Auf Ebay findet man dazu alles – vom Sticker bis zum Hoodie.
Alle wollen Charlie sein. Wieso also nicht gleich Geld damit verdienen? Auf Ebay findet man dazu alles - vom Sticker bis zum Hoodie.

"Je suis Charlie" heißt es mittlerweile nicht nur in den sozialen Netzwerken und Medien. Auch Händler haben den Slogan für sich entdeckt und verkaufen Merchandise-Artikel jeglicher Art über das Internet. Kritiker werfen ihnen vor, aus dem Terror Profit zu schlagen.

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Eine Millionen Euro beträgt der Startpreis einer Ebay-Auktion für die letzte Charlie Hebdo-Ausgabe, für 6.666.666 Euro kann man sie sofort sein Eigen nennen – inklusive eines Fotos vom Allerwärtesten des Verkäufers. Zugegeben: Der Sarkasmus dieses Inserats ist nicht zu übersehen.

Tatsächlich findet man bei beim Online-Aktionshaus er aber jede Menge ernst gemeinter Angebote. Denn die aktuelle Ausgabe des französischen Satiremagazins war keine 24 Stunden nach dem blutigen Anschlag am Mittwochmorgen, infolge dessen mittlerweile 17 Opfer ihr Leben ließen, ausverkauft.

Den derzeit höchsten Preis für ein Exemplar der aktuellen Ausgabe und ihres Vorgängers, Nummer 1176 und 1177, liegen am Montagvormittag bei 1.060 Euro, vier Kunden haben bisher geboten. Das niedrigste Angebot haben acht Bieter auf bislang 66 Euro gehoben.

Das Geschäft mit dem Terror ist damit längst nicht ausgeschöpft. In der weltweiten Anteilnahme wittern augenscheinlich Viele ein lukratives Geschäft. „Je suis Charlie“, die Solidaritätsbekundung, die besonders über Twitter wie ein Lauffeuer um die Welt ging, schreit mittlerweile von Merchandiseartikeln aller Art. Ob den Kapuzenpullover für 29,99, T-Shirts ab neun Euro, Aufkleber, Cappies, Tassen oder Plakaten: Wer Charlie sein will, kann das jetzt auch allen zeigen. Die passenden Accessoires dazu gibt es nicht nur auf Ebay, auch über Amazon und private Händler können sich Kunden damit eindecken.

Für Kritiker sind diese Händler Opportunisten, die wirtschaftlichen Profit aus dem schrecklichen Ereignis schlagen wollen. Auch Alexander Rübsaamen von Shirtphappenz ist dieser Kritik ausgesetzt. Das Unternehmen verkauft seit Samstag T-Shirts und Kapuzenpullover mit der Aufschrift „Je suis Charlie“ über Ebay und Amazon. „Ich verstehe die Kritik: Grundsätzlich stehen natürlich die wirtschaftlichen Interessen des Unternehmens hinter dem Angebot. Gleichzeitig wollen wir zwischen zwei und vier Euro des Erlöses einer gemeinnützigen Organisation, die sich bei ihrer Arbeit um Völkerverständigung und ein friedliches Miteinander verschiedener Kulturen bemüht, spenden.“ Welche Organisation das sein wird, stünde aufgrund des kurzen Zeitraums bisher nicht fest.

Joachim Roncin, der Künstler und Journalist, von dem auch das bekannte „Je suis charlie“-Logo mit weißer Schrift auf schwarzem Hintergrund stammt, bedauert derweil den kommerziellen Missbrauch des Mottos, wie er gegenüber dem Sender CNN sagte. Zumindest aber das gemeinnützige Angebot der NGO Reporter ohne Grenzen begrüße er.

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Die nächste Ausgabe von Charlie Hebdo wird am kommenden Mittwoch in Millionenauflage auch über Frankreich hinaus erscheinen: Spanien und die Schweiz stehen laut Medienberichten fest, mit Kanada würde noch verhandelt. Die Zeitung bekommt dabei finanzielle Rückendeckung von mehreren französischen Medien sowie Google. Auch der britische Guardian hat Gelder zugesagt. Der neue Chefredakteur, Gérard Biard kündigte zudem an, dass die Ausgabe Zeichnungen der gesamten Redaktion, einschließlich der viert getöteten Karikaturisten, enthalten werde.

Am vergangenen Mittwoch hatten vermummte Männer die Redaktion der Satirezeitschrift Charlie Hebdo gestürmt und insgesamt zwölf Menschen erschossen. Nach einer mehrtägigen Verfolgungsjagd wurden die Täter von Spezialeinheiten der französischen Polizei erschossen, fünf weitere Personen kamen dabei ums Leben.

 

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Alle Kommentare

  1. in einer welt,in der es nur mehr um gewinn geht, ist es kein wunder,daß auch bei „charlie“ einige(oder auch viele) nur an geld denken.
    noch eine bemerkung: das man mit rücksichtslosigkeit sehr weit kommen kann,sieht man an useren eliten.(politisch,wirtschaftlich,militärisch)
    wen wundert es dann,wenn extremisten (jeglicher art) „zuschlagen“ um ihre ziele durchzusetzten.

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