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Bild am Sonntag weist Schleichwerbevorwurf in Sachen Thermomix zurück

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Einen veritablen Schleichwerbeskandal witterte das Medienportal Turi2 in der jüngsten Bild am Sonntag: Auf einer Seite wurde da der sündhaft teure (1.109 Euro) Thermomix aus dem Hause Vorwerk als Küchen-Alleskönner bejubelt. Bei der Bild am Sonntag wird der Vorwurf der Schleichwerbung deutlich zurückgewiesen. Es gebe keinerlei geschäftliche Verbindungen zu Vorwerk.

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Via Twitter dementierte Chefredakteurin Marion Horn:

Eine Bild-Sprecherin sagte zu MEEDIA: „Wir weisen den Vorwurf der Schleichwerbung entschieden zurück. Bild am Sonntag hat das große Interesse rund um den Thermomix zum Anlass genommen, um über das Phänomen des Küchengeräts und die Leute, die es anbieten und kaufen, im Leben-Ressort zu berichtet. Der Artikel ist eine Reportage über eine Verkaufsveranstaltung, die der Autor besucht hat, er wollte hier mit einem Augenzwinkern dem Hype um den neuen Thermomix nachgehen.“

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Ob das mit dem „Augenzwinkern“ so gelungen ist, sei mal dahingestellt. Tatsächlich liest sich das Stück in der BamS wie aus dem feuchten Traum eines Firmensprechers entsprungen. Aber das allein muss noch nicht bedeuten, dass es sich um Schleichwerbung handelt. Die würde nach dem Kodex des Presserats vorliegen, wenn die BamS tatsächlich in irgendeiner Form Geld oder Gegenleistungen für die Veröffentlichung erhalten hätte und/oder Vorwerk Einfluss auf die Berichterstattung genommen hätte. Oder wenn der Artikel einen werblichen Charakter hat und „über ein begründetes öffentliches Interesse oder das Informationsinteresse der Leser hinausgeht“. Bei Produktbesprechungen begründet ein „Alleinstellungsmerkmal“ allerdings wiederum auch unter Umständen eine herausgehobene, positive Berichterstattung.

Nachgefragt, ob für die Veröffentlichung Gegenleistungen erbracht wurden, hat Turi2 bei Springer nach Angaben des Verlags nicht.

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Nach den Richtlinien des Pressekodex würden freilich alle möglichen positiven Berichte theoretisch in die Kategorie Schleichwerbung fallen. Beispielsweise auch viele, viele Artikel über Autos oder – sagen wir mal – ein neues iPhone oder ein Artikel der FAZ über den Thermomix, der ebenfalls positiv-werblich über das teure Teil berichtet. Entscheidend ist eine Prüfung des Einzelfalls. Es könnte genauso gut sein, dass der Presserat bei einer Beschwerde die Berichterstattung von BamS und FAZ für zulässig erklärt, da das Gerät ein Alleinstellungsmerkmal besitzt, das eine herausgehobene Berichterstattung rechtfertigt. Ganz so einfach ist es nicht, mit der Schleichwerbung.

Mittlerweile ist es leider in vielen Medien gang und gäbe, bezahlte Jubel-Texte in redaktioneller Anmutung zu veröffentlichen. Dann steht in der Regel in sehr kleiner Schrift „Advertorial“ oder „Promotion“  drüber und – schwupps – ist es scheinbar keine Schleichwerbung mehr. Dabei müsste laut Pressekodex in den meisten Fällen trotzdem „Anzeige“ drüberstehen, was in der Praxis aber oft unterlassen wird. Die Regelung, dass Schleichwerbung auch ohne Gegenleistung vorliegen kann, ist sogar oftmals nicht bekannt.

Allerdings darf man als Redakteur ein Produkt einer Firma besprechen und das Produkt auch gut finden. Wenn beim Schreiber die Gäule durchgehen und der Autor sich vor Begeisterung kaum noch einkriegt, dann ist das möglicherweise kein toller Journalismus – aber eben auch keine Schleichwerbung.

PS: Auch ein Autor der Online-Ausgabe der Zeit wohnte einer Vorführung des angeblichen Wundergeräts Thermomix bei und war voll des Lobes.

PPS: Auch die FAZ ist Thermi-Fan.

Hinweis: In einer früheren Version hieß es, Schleichwerbung könne nur vorliegen, wenn eine Gegenleistung für eine Veröffentlichung erbracht wird. Der Presserat versteht unter Schleichwerbung allerdings auch eine unangemessen werbliche Darstellung von Produkten, die über das Informationsbedürfnis des Lesers hinausgehen. Dies wurde im Text angepasst und präzisiert.

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Alle Kommentare

  1. Auch als Hausfrau gehen mir bei der täglichen und langjährigen Nutzung des Thermomixes immer noch die Gäule durch. Was wäre die Küche ohne ihn?

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