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Focus-Macher: „Wir gucken nicht auf andere, sondern nur auf uns“

Focus-Chefredakteur Ulrich Reitz (li.), Burda News-Geschäftsführer Burkhard Graßmann
Focus-Chefredakteur Ulrich Reitz (li.), Burda News-Geschäftsführer Burkhard Graßmann

Am Kiosk sind sie Rivalen, und doch macht der Focus mit dem Spiegel im Vertrieb gemeinsame Sache: Im Schulterschluss soll der Point of Sale am Wochenende eingenommen werden, um die Erstverkäufe am Samstag in die Höhe zu treiben. Ansonsten betonen beide Seiten Unterschiede in Ausrichtung und Themenmischung. Focus-Chefredakteur Ulrich Reitz und Burda News-GF Burkhard Graßmann über die neue Linie des Magazins.

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Bei den Werbemaßnahmen will Burda mit Einbindung prominenter Persönlichkeiten punkten und so auch das neue Motto „Die Einflussreichen im Focus“ transportieren. Für die Kampagnen zeichnet die Frankfurter Agentur Simon & Goetz verantwortlich. Wie es im Verlag heißt, setze man auf eine positive Grundstimmung bei den Lesern und wolle „Streben nach Glück“ in den Mittelpunkt stellen. Der Focus soll Optimismus ausstrahlen. Passend dazu hat die Redaktion das Attentat auf Charlie Hebdo zwar im Heft mit 12 Seiten aufgearbeitet, auf dem Titel spielt es aber nur eine untergeordnete Rolle. Viel Wert legt man in München auch auf die digitale Präsenz des Focus, dem u.a ein neuer Facebook-Auftritt geschneidert wurde.

Hier die Antworten von Blattmacher Ulrich Reitz und Geschäftsführer Burkhard Graßmann auf die wichtigsten Fragen rund um die EVT-Umstellung.

Welche Chancen sehen Sie für den Focus durch die Vorverlegung des Erscheinungstags?

Ulrich Reitz: „Wir erwarten keine Wunder auf Knopfdruck. Aber wir wissen, dass sich Menschen zunehmend am Wochenende Zeit nehmen, um in Ruhe zu lesen. Für schnelle News sind unsere Online-Kollegen zuständig. Dieser Trend wird sich fortsetzen und uns somit gelegen kommen.“

Welche Änderungen im Redaktionskonzept bzw. Heftablauf sind damit verbunden?

Ulrich Reitz: „Wir haben die bislang im Heft verteilten Nachrichtenseiten in einer neuen Strecke im Hefteinstieg gebündelt – hier findet der Leser kurz und knapp exklusive Meldungen und kurze Interviews, so wie viele es vom Focus kennen. Ansonsten liefern wir als Reaktion auf den Samstag aber deutlich längere Lesestücke, zum Beispiel Reportagen, für die sich Leser Zeit nehmen können.

Wir haben nur noch fünf große, neu zugeschnittene Ressorts: Politik & Gesellschaft, Wirtschaft & Geld, Wissen & Gesundheit, Kultur & Medien und neuerdings Leben & Genießen. Wir bieten unseren Lesern mehr Stil und Genuss – aber wir werden sicherlich kein Lifestyle-Magazin. Zu dem kaltblütigen Anschlag in Paris haben wir gerade kurzfristig zwölf sehr gehaltvolle Seiten mit Hintergründen recherchiert– ein großes Statement für unsere demokratische Freiheit . Hier haben wir einflussreiche Menschen unserer Gesellschaft zu Wort kommen lassen – so wie wir das häufig tun.“

Rechnen Sie damit, dass der Focus in der neuen Struktur und mit der Verfügbarkeit am Wochenende für neue Zielgruppen interessant wird?

Burkhard Graßmann: „Unsere Zielgruppe ist sehr groß, denn wir sind Generalist – wir bieten Orientierung und Nutzwert in fast allen Lebensbereichen; auch die Anzahl der Käufer ist insgesamt ausreichend groß. Nun möchten wir diese Käufer nur dazu bringen, noch häufiger zum Focus zu greifen. Dabei können uns Einkaufrituale, die viele am Wochenende pflegen, in die Karten spielen. Auch der Vertrieb in Bäckereien bringt uns mit neuen Käufergruppen in Kontakt. Und dem Tablet- und Smartphone-Leser bieten wir den Focus bereits am Freitagabend ab 18 Uhr.“

Welche Erwartungen haben Sie mit Blick auf Auflage und Einzelverkauf?

Burkhard Graßmann: „Wir nennen sicherlich keine Zahlen und erwarten wie erwähnt auch keine Wunder. Wichtig ist einfach, dass Käufer unserem journalistischen Produkt eine große Verlässlichkeit und einen Mehrwert zusprechen. Gelingt das, werden wir auch mit dem Vertrieb zufrieden sein können, da bin ich optimistisch.“

Welche Reaktionen haben Sie aus dem Bereich der Mediaagenturen und Anzeigenkunden?

Burhard Graßmann: „Wir haben nicht die Rabattkeule ausgepackt. Die ersten Reaktionen waren trotzdem sehr positiv. Focus bietet mit einer sehr optimistischen, innovationsfreudigen und durchaus auch konsumbejahenden Haltung ein Umfeld, das Markenartiklern entgegenkommt.“

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Hoffen Sie aufgrund der auch konsumorientierten Positionierung des Focus am Wochenende Marktanteile gegenüber dem Spiegel zu gewinnen?

Ulrich Reitz: „Wir gucken nicht auf andere, sondern nur auf uns. Sich dem Thema Genuss zu widmen, passt einfach gut zum neuen Erscheinungstag. Denn die meisten unserer Leser arbeiten unter der Woche und wollen sich am Wochenende in Ruhe informieren und es sich gut gehen lassen, zum Beispiel ihre Freizeit planen, etwa Reisen.“

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Werbemotive für den Focus am Samstag

Wie begründen Sie den neuen Claim „Die Einflussreichen im Focus“?

Ulrich Reitz: „Wir erzählen Geschichten oft anhand von Menschen, die Besonderes leisten. Wir möchten Menschen zu Wort kommen lassen, die etwas zu sagen haben, die für unsere Leser interessant, vielleicht sogar Vorbilder sind. Und wir gucken den Mächtigen und Strippenziehern im Hintergrund kritisch auf die Finger.“

Burkhard Graßmann: „Die Redaktion berichtet über einflussreiche Menschen – für einflussreiche Menschen. Überdurchschnittlich viele unserer Leser sind Unternehmer oder leitende Angestellte (vgl. LAE), die dafür sorgen, dass die BRD am Laufen gehalten wird und es unserer Volkswirtschaft bei allen Schwierigkeiten ziemlich gut geht.“

Ein TV-Spot zeigt als Motiv ein Afterwork-Get together: Ist das Indiz einer Lifestyle-Offensive beim Focus?

Burkhard Graßmann: „Das Motiv finde ich ziemlich passend. Lifestyle und Beruf sind für viele Menschen ja gar nicht mehr zu trennen. Viele definieren ihren Lifestyle über ihren Beruf. Diese beiden Sphären verschwimmen also. Es gibt eine große Freizeit Economy. Das Streben nach persönlichem Glück spielt dabei eine immer wichtigere Rolle. Dabei wird Glück heute aber differenzierter betrachtet. Es geht nicht nur um Wohlstand, sondern auch um Gesundheit, um Lebensfreude und um gesellschaftliche Anerkennung. Unsere Leser arbeiten hart, aber sie gönnen sich auch etwas.“

Es gibt eine gemeinsame Vertriebsaktion mit dem Spiegel u.a. an Tankstellen und in Bäckereien. Wie kam es dazu und welchen Vorteil hat dies aus Ihrer Sicht?

Burkhard Graßmann: „Spiegel und Focus sind sehr unterschiedliche Magazine – mit unterschiedlicher Vergangenheit, Zielgruppe, Haltung und journalistischem Ansatz. Aber wir haben eines gemeinsam: unsere Gattung – ob wir wollen oder nicht: Wir sind die einzigen Nachrichtenmagazine, Spiegel und Focus erscheinen seit 1993 am gleichen Tag und gehören am Kiosk einfach nebeneinander. Wir gehen diesen Schritt nun gleichzeitig und haben hier auf sehr konstruktive Weise zusammengearbeitet – das wird keinem von uns schaden, sondern noch mehr Aufmerksamkeit auf unser aller neuen Erscheinungstag lenken.“

Cover-2

Das Cover des ersten Samstags-Focus, der am 10. Januar erscheint. Die digitale Ausgabe ist bereits ab freitags, 18 Uhr erhältlich.

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