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Auch die Tageszeitungen sagen: „Je suis Charlie“

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Der Anschlag auf die Redaktion von Charlie Hebdo ist das beherrschende Medienthema. In vielen Kommentaren und vor allem auch beeindruckenden Titelseiten demonstrieren die Zeitungen ihre Solidarität. „Je suis Charlie“ ist der Satz der Stunde. Bei aller Wut, ruft vor allem Handelsblatt-Boss Gabor Steingart aber auch zu einer überlegten Zurückhaltung auf.

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Handelsblatt-Herausgeber Gabor Steingart schreibt: „Doch die Pressefreiheit wird nicht mit der Kalaschnikow verteidigt. Wir dürfen nicht zurückhassen. Die Kriegserklärung, die uns islamische Extremisten zur Unterschrift vorlegen, muss unsigniert bleiben. Journalistische Unabhängigkeit verbietet den Vergeltungsschlag. Eine Zeitungsredaktion ist eben nicht die Fortsetzung des Kulturkampfes mit publizistischen Mitteln.“

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In der taz schreibt Korrespondent Rudolf Balmer über das Empfinden der Franzosen: „Der barbarische Anschlag auf die Pressefreiheit wird als Kriegserklärung empfunden. Diesen Krieg hat das Land nicht gewollt, nicht gesucht. Der Kampf gegen den Terrorismus in Afrika, Afghanistan, im Irak, in Syrien oder Libyen war eine Verteidigung gegen eine Bedrohung von außen und eine Vergeltung für Geiselnahmen.“ Weiter heißt es: „Die Redaktion von Charlie Hebdo ist als Kriegsschauplatz zur Frontlinie geworden. Die Feinde kommen nicht aus der Ferne, sondern aus der Nachbarschaft.“

In seinem Kommentar in der FAZ fordert Berthold Kohler, dass in den westlichen Demokratien „den Extremisten und Volksverhetzern jeder Couleur die Nachschubverbindung aus dem politisch gemäßigten Lager abgeschnitten werden“ sollen. „Unbändigen Hass auf die ‚Lügenpresse‘ gibt es auch in Deutschland.“

BZ-Bild
Die B.Z. und die zweite Seite Bild

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In der Frankfurter Rundschau fragt Christian Bommarius: „Und für wen, für was sind die Karikaturisten gestorben? Für die NPD, für Pegida, für Alexander Gauland von der AfD, die sich der Mordopfer sogleich bemächtigten, als die Leichen noch warm waren, und sie als Zeugen aufriefen gegen die vermeintliche Islamisierung Europas, als Helfershelfer ihrer menschenfeindlichen Ressentiments in Dienst nahmen und zu Komplizen ihres Hasses erklärten.“

In der Welt schreibt Sascha Lehnartz: „Für freiheitliche Gesellschaften wird zukunftsentscheidend sein, ob sie bereit sind, die Werte, auf denen sie gegründet wurden, gegen anstürmende Idiotenbanden zu verteidigen.“

Bild-Chef Kai Diekmann schreibt: „Der Terroranschlag von Paris ist nichts anderes als ein Anschlag auf das Herz unserer Zivilisation.“ Weiter heißt es in seinem Kommentar, der auf der ersten Seite der Bild gedruckt wurde: „Ihre Gewalt, ihr erbarmungsloser Hass richtet sich gegen die Freiheiten, die unsere Gesellschaften ausmachen: die Freiheit der Presse, die Freiheit der Meinung, die Freiheit der Künste. Es sind diese Freiheiten, die uns unterscheiden, abheben von den düsteren Winkeln der Welt. Es sind diese Freiheiten, auf denen Kultur, Wirtschaft, Fortschritt und Wohlstand gedeihen können“.

Springer-Chef Mathias Döpfner schreibt in einer internen Mail: „Der Anschlag in Paris ist, wenn wir der Agenda der Mörder nicht folgen wollen, ein Appell an alle Journalisten und Verlage, sich niemals einschüchtern zu lassen.“

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