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Kein falsches Wurst-Zitat: Spiegel widerspricht Agrarminister Schmidt vehement

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Agrarminister Christian Schmidt wirft dem Spiegel vor, ihn missverständlich zitiert zu haben

"Wir können nicht mehr jede Wurst schützen." Diese Aussage von Agrarminister Christian Schmidt im Spiegel zum Handelsabkommen mit den USA sorgt mittlerweile gleich doppelt für Wirbel. So beherrschte "der Angriff auf den Schwarzwälder Schinken" die Debatten am Wochenende und beschäftigt nun auch die Medienseiten der Republik. Denn via Bild dementiert Schmidt seine Aussage und wirft dem Spiegel gar vor, ihn falsch zitiert zu haben. Gegenüber MEEDIA widerspricht das Magazin vehement.

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Durch das deutsch-amerikanische Handelsabkommen TTIP (Transatlantic Trade and Investment Partnership) könnte der Schutz für viele regionale Spezialitäten wie Käse oder Schinken verloren gehen, schreibt der Spiegel und zitiert Bundesagrarminister Christian Schmidt: „Wenn wir die Chancen eines freien Handels mit dem riesigen amerikanischen Markt nutzen wollen, können wir nicht mehr jede Wurst und jeden Käse als Spezialität schützen.“

Die geltenden EU-Regeln für regionale Lebensmittel seien außerdem „sehr bürokratisch“. Die EU schütze auch solche Spezialitäten, deren Grundstoffe längst nicht mehr nur in ihren Heimatregionen hergestellt werden. „Es wäre unseren amerikanischen Handelspartnern schwer vermittelbar, dass sie keinen Tiroler Speck oder Holländischen Gouda zu uns exportieren dürften, wenn wir in Europa selbst den Schutz nicht konsequent durchsetzen würden“, so der Minister.

Diese Aussagen lösten eine Debatte über den Schutz regionaler Spezialitäten aus. Gegenüber der Bild-Zeitung kritisiert zum Beispiel Klaus Müller, Chef der deutschen Verbraucherzentrale: „TTIP darf nicht zum Fanal für Verbrauchertäuschung werden: Kein Schwarzwälder Schinken aus Texas und kein Made in Germany aus Disneyland.“ Und Thüringens Ministerpräsident Bodo Ramelow fordert: „Wir brauchen mehr statt weniger Schutz regionaler Spezialitäten.“

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Genau dies habe er gemeint, betont Christian Schmidt daraufhin in einem Interview mit der Bild-Zeitung: „Mir geht es darum, den Amerikanern zu zeigen, die Europäer halten ihre Standards selbst ein, und wollen sie behalten. Unsere Verbraucher sollen sicher sein, was außen drauf steht, ist auch innen drin.“ Er wirft dem Spiegel vor, ihn „missverständlich zitiert“ zu haben. Er wolle bei den Verhandlungen über das Freihandelsabkommen TTIP zwischen EU und den USA mehr Schutz für unsere regionalen Produkte, nicht weniger.

Mit spitzer Feder fragte sich der Politik-Chef der Bild Bela Anda bereits in seinem morgendlichen E-Mail-Briefing, was wohl „die Spiegel-Kollegen dazu sagen“. Die Antwort ist deutlich: Die Spiegel-Autoren widersprechen dem Minister und der Bild-Darstellung.

Im Gespräch mit MEEDIA reagiert der Spiegel auf die Vorwürfe: „Die Zitate wurden vor der Veröffentlichung an die Pressestelle von Christian Schmidt geschickt und autorisiert“, sagt die zuständige Redakteurin Melanie Amann. Insbesondere die Aussage, dass im Fall eines freien Handels mit den USA nicht mehr jede Wurst und jeder Käse als Spezialität geschützt werden könnten, sei wörtlich so von Schmidt freigegeben worden.

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Alle Kommentare

  1. missverständlich oder nicht. Es dürfte wohl kein Verhandlungsergebnis sein, durch einem Code auf den Produkten, der mit Smartphones ausgelesen werden soll, auf Gen-„optimierte“-Produkte hinzuweisen. Wenn das echte Verbraucherinformation sein soll, können die Amis das auch gleich im Klartext auf die Verpackung schreiben. Alle andere ist Volksverdummung a la CSU. Herr Schmidt sollte dann besser schweigen, statt zu versuchen solchen Blödsinn den Menschen zu verkaufen. Wer geht denn schon mit dem Smartphone aktiv einkaufen? Die Mehrheit sicher nicht.

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