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Ehrgeizige Ziele: 2015 soll das Jahr von Pinterest werden

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Jan Honsel, Pinterest-Chef Deutschland

2015 soll das Jahr von Pinterest werden. Der Deutschlandchef des Sozialen Netzwerkes, Jan Honsel, zieht nach den ersten Monaten seit dem Start der deutschsprachigen Version der Plattform ein positives Fazit. Das Jahr habe Pinterest mit einer Verdreifachung der Nutzerzahlen in Deutschland abgeschlossen. Noch sei Pinterest hierzulande zwar ein "hidden champion", aber mittelfristig soll das Interessens-Netzwerk nach Facebook die zweitgrößte soziale Plattform werden.

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Honsel, der u.a. Medienmanager bei den Gruner+Jahr Wirtschaftsmedien war, hatte in den Anfangsmonaten u.a. das Ziel, mehr Content-Partner zu gewinnen. Das sind vor allem Medien, aber auch etwa E-Commerce-Firmen – die alle über reichlich Bildmaterial verfügen, vor allem von Produkten. Bei dem Bildernetzwerk „pinnen“ Menschen Fotos von Dingen, die sie interessieren. „Visuelles Entdeckungs- und Planungstool“ wird Pinterest von den eigenen Marketingmenschen genannt. Auf „Pinnwänden“ für Mode, Design, Essen oder Reisen sammeln die Nutzer Inhalte, die sie schön finden oder für die sie sich vielleicht interessieren. Wer beispielsweise bald in den Urlaub nach Paris will, sammelt schon mal solche Inhalte, die für den Aufenthalt relevant sein könnten – Museen, Shops, historische Bauten, Restaurants. Groß wurde Pinterest in den USA auch mit Hochzeiten – offensichtlich puzzeln sich viele Frauen auf der Plattform schon mal ihre virtuelle Hochzeitsfeier zusammen – vom Kuchen bis zum Kleid.

Jeder „Pin“ führt zur Ursprungsquelle zurück, also etwa zu einem Wohnmagazin. Medien und E-Commerce-Firmen haben entsprechend ein gesteigertes Bedürfnis, Inhalte auf Pinterest zu platzieren, die die Aufmerksamkeit der vor allem weiblichen Nutzer auf sich zieht. Im vierten Quartal des vergangenen jahres haben Honsel und sein noch kleines Team von drei Mitarbeitern mit interessierten Content-Partnern gesprochen. Gegenüber MEEDIA kündigt Honsel an, dass diese Partnerschaften im ersten Quartal intensiviert werden sollen. Zu Weihnachten und Neujahr gab es bereits Specials, bei denen Medien wie Essen&Trinken, Eat Smarter, Glamour, Couch, Mollie Makes, Wunderweib, Lecker und Wohnidee verstärkt Inhalte beigesteuert haben.

Absolute Nutzerzahlen gibt Pinterest nicht nach Ländern aufgeschlüsselt bekannt. 70 Millionen Nutzer weltweit sollen es vor rund zwei Monaten gewesen sein. Die Zahl der Besucher steigt rasch – 6,42 Millionen Visits waren es im vergangenen September laut SimilarWeb (MEEDIA berichtete) – ein Sprung von 189 Prozent gegenüber dem Vorjahr. Vor Pinterest liegen aber immer noch Soziale Netzwerke wie Instagram, Tumblr, Twitter und allen voran, zumindest bis zum nächsten großen Ding uneinholbar, Facebook (zum Vergleich: 541 Millionen Visits laut SimilarWeb im vergangenen September). Wichtiger als die absoluten Zahlen, die bereits jetzt viel höher ausfallen dürften, weil bei SimilarWeb beispielsweise mobile Visits gar nicht mitgezählt werden, ist der steile Aufwärtstrend insgesamt.

75 Prozent der Nutzungszeit von Pinterest gehen laut Honsel auf mobile Endgeräte zurück, davon sind etwa 80 Prozent Smartphones. Das Ziel der Amerikaner um den Gründer Ben Silbermann wird sein, das mobile Pinnen und Re-Pinnen (also das erneute Setzen eines Inhalte-Pins auf einem eigenen Pinnbrett) noch leichter zu machen, als es ohnehin schon ist. Die wenigsten Nutzer laden übrigens eigene Pins hoch – die absolute Mehrheit der Inhalte stammt bereits aus dem Netz. Inhalteanbieter sind einerseits mit der Verbreitung von Bildern via Pinterest einverstanden, weil deutlich mehr Traffic generiert wird. Honsel bezeichnete das Netzwerk in einem Interview als „extreme Traffic-Maschine“. Andererseits sind diese Inhalte-Anbieter auch bestrebt, die Nutzung von Inhalten für andere Zwecke, beispielsweise auf kommerziellen Webseiten von Drittanbietern, zu untersagen. Die Rechtefrage ist für Pinterest entsprechend ein großes Thema.

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2015 wird Jan Honsel vermutlich noch Zeit haben, das Netzwerk in Deutschland bekannter zu machen und die Nutzerschaft zu erhöhen. Die Voraussetzungen seien gut – schließlich sei „Pinterest ein Produkt für Jedermann“. Es gehe um Projekte und Interessen, abgedeckt würden alle denkbaren Themen, gewissermaßen eine Bandbreite „vom Schlager bis zum Death Metal“, wie Honsel es ausdrückt. Werbung könnte dann im kommenden Jahr, also 2016, dazukommen. Die heißt bei Pinterest „Promoted Pin“. Diese ähnlich wie bei Native Advertising in den Inhalten „eingebetteten“, bezahlten Inhalte werden mit Targeting-Methoden zielgruppensepzifisch ausgespielt. Bevor es soweit ist, muss jedoch die Nutzerbasis noch größer werden. „Bisher haben wir für den Markt in Deutschland, Österreich und der Schweiz noch keinen Monetarisierungsauftrag“, sagt Honsel.

Lernen will der Diplom-Kaufmann Honsel auch von den Erfahrungen seiner Kollegen in den USA, Großbritannien und Frankreich. In England startete Pinterest allerdings auch erst 2013, also vor noch nicht allzu langer Zeit. Honsel sagt: „Pinterest funktioniert anders als ein Softwareunternehmen, bei dem das Headquarter die Strategie macht und die dann über alle Länder hinweg exekutiert wird. Jedes Land muss seine eigenen Ziele setzen.“ Zu Pinterest war Honsel gelangt, weil er bei den mittlerweile eingestampften G+J Wirtschaftsmedien auch für das junge Magazin Business Punk verantwortlich war. Die hatten schon früh über das schnell wachsende Netzwerk berichtet.

Die großen Themen in den USA lauten jedenfalls nach Honsel: Produktfortentwicklung, Internationalisierung und Aufbau anderer Content-Kategorien. Verstärkt sollen Männer als aktive „Pinner“ gewonnen werden – die Frauen hat Pinterest ja ohnehin schon für sich begeistert. Im Fokus stehe immer die Frage: „Was ist der Nutzen für unsere Nutzer?“ Die nutzerzentrierte Entwicklung von Medien-Angeboten setzt sich gerade in Deutschland erst mit einiger Verzögerung durch – obwohl sie selbstverständlich sein sollte.

Bei Pinterest arbeiteten nach Honsels Erfahrung „mehr erwachsene und erfahrene Mitarbeiter als im normalen Start-up.“ Es gehe „unaufgeregter“ zu. Und so wird sich Pinterest vermutlich auch in Deutschland ohne großes Tamtam zu einem der meistgenutzten Netzwerke entwickeln.

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