Deutsche Internetaktien 2014: Kursraketen mit Spätzünder

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Im Tiefenrausch: Deutsche Internetaktien brachten ihren Besitzern 2016 fast nur Verluste ein

Nicht nur mit Alibaba und Facebook hätten onlineaffine Anleger 2014 gut verdien+' – auch diesseits des Atlantiks waren üppige Renditen mit Internetaktien drin. Xing und United Internet machten ihrem Ruf als Börsendauerläufer alle Ehre – vor allem aber zwei Samwer-Beteiligungen entwickelten sich nach einem Fehlstart zu echten Kursraketen.

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5. Tomorrow Focus –13 %

Aktionäre der Tomorrow Focus AG sind keine großen Sprünge gewohnt: Seit einem Jahrzehnt notiert die ToFo-Aktie wie eingemauert in einer engen Handelsspanne. Daran änderte sich auch 2014 nichts – im Gegenteil. Was sich im Sommer abspielte, dürfte unterdessen selbst die hartgesottenen Aktionäre verstört haben: das Papier stürzte auf ein 5-Jahrestief ab.

Die Gründe liegen naheliegenderweise in der wenig beeindruckenden Geschäftsentwicklung der Münchner, die ihr Internet-Unternehmen in den vergangenen zehn Jahren zum E-Commerce-Anbieter umgebaut haben – nicht redaktionelle Inhalte, sondern vor allem Travel-Angebote sind heute die Umsatzbringer.

Aktionäre sind unzufrieden: In den ersten neun Monaten legten die Umsätze nur noch einstellig zu, während unterm Strich als Konzernergebnis gerade mal drei Millionen Euro hängen blieben. Bei 3,79 Euro ging die ToFo-Aktie 13 Prozent schwächer aus dem Börsenjahr 2014 – und notiert damit auf dem Niveau von vor 14 Jahren.

4. Zalando: + 19 %

Der zeitweise größte Börsengang eines deutschen Internet-Unternehmens seit T-Online begann holprig. Das Börsendebüt von Europas größtem Online-Modeversender Zalando geriet zur Enttäuschung. Nur mit größter Mühe konnte zunächst der Ausgabekurs gehalten werden  – dann folgte der Ausverkauf.

Schnelle 20 Prozent lagen Zalando-Zeichner nach wenigen Handelstagen plötzlich hinten – das Berliner E-Commerce-Unternehmen, das unter tatkräftiger Unterstützung der Samwer-Brüder vor mittlerweile sechs Jahren hochgezogen wurde, schien sich als überteuerter Rohrkrepierer zu entpuppen. „Man kann sagen: schwach angefangen und dann stark nachgelassen“, kommentierte ein Händler spöttisch das verpatzte Börsendebüt.

Wenige Wochen später jedoch setzte ein bemerkenswerter Turnaround ein, der die Aktie in der Spitze um 50 Prozent in die Höhe befördern sollte. Am Ende bleibt Aktionären, die Zalando Ende September gezeichnet haben, ein Plus von 19 Prozent. Damit ist Zalando binnen weniger Monate zu einem Internet-Schwergewicht mit einem Börsenwert von 6,25 Milliarden Euro aufgestiegen – und damit an den Kapitalmärkten nun schon wertvoller als die Dax-Konzerne K+S oder Lanxess. Von der Deutschen Lufthansa trennen Zalando gerade mal ein paar Prozent…

3. United Internet: + 21 %

Erneut besser als der Leitindex TecDax, der 2014 um 14 Prozent zulegte, tendierte ein alter Internet-Pionier: United Internet konnte sich über ein Kursplus von 21 Prozent freuen, musste sich nach dem Börsenwert, der 2014 auf beachtliche 7,68 Milliarden Euro angeschwollen ist, aber hauchdünn mit dem zweiten Platz unter den deutschen Internetwerten zufrieden geben.

Sowohl Umsatz als auch Gewinn konnten in den ersten neun Monaten des Jahres weiter zweistellig zulegen – der Vorsteuergewinn zog sogar um erstaunliche 49 Prozent an. Für Schlagzeilen sorgte der frühere Neue Markt-Liebling auch mit Beteiligungen: Der von Ralph Dommermuth bereits 1988 gegründete Internet-Dienstleister verkündete im August den Einstieg bei der Samwer-Tochter Rocket Internet.

United Internet übernahm kurz vor dem Börsengang von Rocket Internet knapp 11 Prozent der Anteile an der Internet-Holding der Samwer-Brüder für 435 Millionen Euro zu einer Bewertung von 4,3 Milliarden Euro. Wenige Monate später ist klar: Ralph Dommermuth hat alles richtig gemacht – und den Wert seines Investments binnen eines Quartals mal eben um 80  Prozent gesteigert.

2. Rocket Internet: + 22 %

Wer hätte das noch wenige Tage nach dem völlig verkorksten Börsengang gedacht: Die Samwers triumphieren auch 2014 im ganz großen Stil. Ihre Beteiligungsgesellschaft Rocket Internet wagte sich Anfang Oktober mit der extrem ambitionierten Bewertung von 6,7 Milliarden Euro an die Börse – beim IPO erlöste Rocket allein 1,6 Milliarden Euro. Es war damit der größte Börsengang eines Internet-Unternehmens seit T-Online 2000 bzw. der größte deutsche Börsengang seit der Postbank vor zehn Jahren.

Zunächst konnte keine Rede von einem Samwer-Bonus an den Aktienmärkten sein – die vermeintliche Kursrakete legte erst mal einen krachenden Fehlstart hin: Der Internet-Inkubator erlebte in den ersten drei Handelstagen einen massiven Kurssturz, dessen Ausmaße nach all dem Hype im Vorfeld nur schwer vermittelbar schienen: Bei nur noch 33 Euro beendete das Papier in der ersten Woche den Handel, nachdem es Zeichnern noch zu 42,50 Euro zugeteilt worden war –  eine enorme Wertvernichtung von 9,50 Euro bzw. 23 Prozent pro Aktie binnen der ersten 72 Stunden an der Börse.

Dann jedoch setzte die Magie der Wertvermehrung ein, die Samwer-Investments seit eineinhalb Jahrzehnten umgibt. Binnen sechs Wochen drehte der Trend komplett: Mutige Anleger, die im Oktober in Rocket Internet-Aktien eingestiegen wären, hätten bis Ende November, als das Papier bei über 56 Euro ein vorläufiges Allzeithoch aufstellte, über 70 Prozent verdienen können!

Am Ende des Börsenjahres blieb bei Notierungen von rund 52 Euro immer noch ein respektables Plus von 22 Prozent – und für die Samwers wieder einmal die Gewissheit, es allen gezeigt zu haben. Ganz nebenbei ist Rocket Internet mit einer Marktkapitalisierung von knapp 8 Milliarden Euro inzwischen nicht nur wertvoller als die Deutsche Lufthansa – sondern schon fast doppelt so wertvoll wie das Social Commerce-Schwergewicht Groupon, an dem die Samwers einst maßgeblich beteiligt waren…

1. Xing: + 25 % 

Power auf Dauer: Das bietet die Hamburger Xing AG an der Börse. 2006 wagte das Business-Netzwerk seinerzeit noch unter Gründer Lars Hinrichs „als erstes Web 2.0-Unternehmen“ den Gang an die Kapitalmärkte, wie Xing, das damals noch OpenBC hieß, stolz herausstellte.

Man muss es eine veritable Erfolgsstory nennen: Auf den seinerzeit 30 Euro wären 2014 in der Spitze 100 Euro geworden. Dabei wurde die Aktie des Hamburger Business-Netzwerks nur ein Jahr zuvor noch zu Kursen von weniger als 40 Euro gehandelt. Doch nach Jahren in einer eigenen Handelsspanne brach die Aktie schließlich nach der Übernahme der Mehrheit durch Burda aus. Das Münchner Medienhaus hatte die Mehrheit an Xing Ende 2012 zu Kursen von 44 Euro übernommen.

Aus heutiger Sicht ein extrem guter Preis, wie der enorme Kursanstieg der vergangenen 18 Monate beweist. Auch die immer größere internationale Konkurrenz in Form von LinkedIn, die immer stärker auf den deutschen Markt drängt, kann Xing hierzulande bislang offenkundig nichts anhaben.

So vermeldeten die Hamburger für das jüngste Quartal ein „beschleunigtes“ Wachstum beim Umsatz und vor allem bei den Mitgliedern. Mit 282.000 Neukunden verzeichnet das Business-Netzwerk so viele neue Nutzer wie seit dem Börsengang 2006 nicht mehr. Lohn des Erfolgsjahres 2014: Ein Kurssprung von 25 Prozent, ein Börsenwert von immerhin schon mehr als einer halben Milliarde Euro – und die beste Performance unter den deutschen Internetaktien.

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