Umfrage: Fast die Hälfte der Deutschen hält Medien für voreingenommen und von der Politik gelenkt

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Das Umfrage-Institut YouGov hat für die Zeit eine repräsentative Umfrage darüber gemacht, wie die Deutschen die Medien beurteilen. Das Ergebnis fällt vernichtend aus. Demnach glauben 47 Prozent der Deutschen, die Medien würden einseitig berichten und seien von der Politik gelenkt. 40 Prozent glauben an eine unabhängige Berichterstattung.

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Schlimmer noch sind die Zahlen, wenn man nur Ostdeutschland betrachtet. Dort glauben 55 Prozent an vom Staat gelenkte Medien und nur 34 Prozent halten die Medien für unabhängig. Wer denkt, das Misstrauen gegenüber den Medien liege nur an der umstrittenen Berichterstattung über die Ukraine-Krise, liegt allerdings falsch. Das Meinungsbild zur Ukraine ist durchaus differenziert: Wie die Zeit schreibt, glauben nur 14 Prozent der Befragten, dass der Westen hauptverantwortlich für die Krise in der Ukraine ist. Ganze 40 Prozent sehen in dem russischen Präsidenten Wladimir Putin den Hauptschuldigen, 37 Prozent machen beide Seiten gleichermaßen verantwortlich.

Die größten Medien-Skeptiker finden sich laut der Umfrage in den Reihen der AfD- und FDP-Anhänger. 63 Prozent der AfD-Anhänger misstrauen den Medien und 59 Prozent der FDP-Anhänger, deutlich mehr als bei Anhängern von CDU/CSU, SPD und Grünen.

Überraschend: Je besser Bildung und Einkommen, desto größer das Medienmisstrauen. Befragte mit Abitur oder Hochschulabschluss sowie einem hohen Monatseinkommen misstrauen den Medien deutlich stärker als andere. Für die Umfrage wurden zwischen dem 19. und 22. Dezember 1.043 Personen befragt.

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Alle Kommentare

  1. Misstrauen kann auch ein Zeichen von Mündigkeit sein. Gerade in Diktaturen und „gelenkten Demokratien“ wird den Medien doch gerne jeder Mist abgekauft – natürlich auch mangels frei zugänglicher Alternativen. Konstruktive Kritik und kontroverse Debatten sind immer gut – aber ganz bestimmt nicht zu verwechseln mit dem faschistoiden „Lügenpresse, auf die Fresse!“ oder irgendwelchen paranoiden Verschwörungstheorien à la „ihr müsst ja Putin kritisieren, sonst schaltet das Pentagon bei euch keine Anzeigen mehr“.

  2. Mich hat auch überrascht, dass ausgerechnet mit besserer Ausbildung das Mißtrauen in die Medien steige.
    Das unter den (mitte?) Rechten bis ganz Rechten das Mißtrauen in dieser Gruppe verwundert widerum niemand.

    Kann es sein, dass das ein schlechtes Licht eigentlich trotzdem eher auf unser Bildungssystem wirft?

    @ Otibet: Unsicherheit bezüglich einer Veranstaltung organisiert von bekannten Rechtsextremisten, kann ich ja mal absolut nachempfinden.

    Aber ich versteh nicht ganz was Genderism damit zu tun hat. Dies ist ja auch nur die bewusste Wahrnehmung von ungleichem Verhalten (sozioloisch gesehen) und in Folge das Herausfiltern und Erkennen von Ungleichbehandlung z.B. (Lohn) in der Berufswelt im Vergleich beider Geschlechter..

    Was die ökologische Ideologie anbelangt sehe ich allein die damals als übertrieben verdammten ‚Milchmädchen-Rechnungen‘ bezüglich Kosten-Nutzen der Atomreaktoren mittlereile bewahrheitet, aktuell:

    Subvention bis dato 2,7 Mrd. durch den Staat (also uns).
    7 Mrd. die Kosten der Instandhaltung und Endlagerung bis jetzt
    (Kosten der Endlagerung und Sicherung hören nach dem Ausschalten aller Atomkraftwerke nicht auf. Werden sich unsere Kinder noch dafür bei uns bedanken. *IRONIE*)
    Die verbliebenen 0,7 Mrd. fanden ihren Weg in die Gewinnausschüttung der Stromanbieter an ihre Aktionäre. Wenn das mal nicht menschenfreundlich ist, das Geld nicht einfach einzubehalten.
    Aber ach nein, man vergisst ja, dass ie Stromabnehmer (also wieder wir) für den Strom aus der Dose auch noch bezahlen 🙂
    [Vom Versuch der Stromanbieter die seit Fukushima ungeliebten und bald abgeschalteten Atomkraftwerke dem Staat unterzujubeln, damit die weiteren Folgekosten von anderen (uns 🙂 ) getragen werden, hat unser aller Merkel schon einen Riegel vorgeschoben und weitere sollen folgen. Ich weiß nicht was die anderen alle haben, sie wird mir immer sympathischer *und ich wähle die politisch andere Seite* 😉 ]

    Die Unsicherheit in der Bevölkerung zu erkennen, war zumindest ein Schritt in die richtige Rischtung. Einen Ausweg finden ist unser aller Aufgabe,
    nicht die der Medien. Aber ich hoffe, dass demnächst solidere Angebote in selbigen zu sehen sind, als AfD ein Forum zum Schwätze zu bieten. (Siehe Jauch-Diskussion, ich hatte mich vor Scham unter’m Teppich versteckt)

    @Klaus Hillebrand:
    ‚Newspeek‘ habe ich auch in Medien gefunden. Allerdings weniger in unseren Medien. In den ersten Monaten vor allen Dingen bezüglich Berichterstattung in Zusammenhang mit der Ukraine-Krise eher ein gewaltiges Aufarbeiten (auch dr Medien selber) einer chaotischen Situation, durchsetzt von Lügen, Schuldzuweisungen und Vertuschungsversuchen.
    Newspeek vor allem auf einem öffentlichen, – wenn nicht allen, aber soviel Spaß machte mir das zusehen und -hören nicht, weshalb ich mir nur noch wenige russische Zeitungsberichte heranzog.., meine Haare wollten sich vor Entsetzen nicht mehr niederlegen lassen und mein Magen zog sich zusammen vor Übelkeit, – russischem Sender.

    @Karl Jobig:
    Dann haben wir unsere öffentlichen Sender wirklich an denjenigen verloren, der das meiste Geld bietet. *Nur* eine normale Unternehmensphilosophie die einkehrt. ‚Wes Brot ich eß, des Lied ich sing.‘
    Und aktuell ’singt unser Vögelchen‘ immer noch das Lied einer parlamentarischen Demokratie. ALLE Meinungen sind vertreten.
    Wer die Meinung der anderen Seite nicht erträgt, sollte sich lieber Sorgen, um sein Demokratieverständnis machen. (Womit nicht Sie gemeint, – nur eine allgemeine Feststellung.)

    @ Joachim Böttcher:
    Nachrichten sollen auch neutral dargeboten werden.
    Die Meinung sollen wir uns ja auch bilden. Ich wüsste nicht, was so schwer dran ist.

    1. Kein perfektes Deutsch, aber dennoch absolut perfekt auf den Punkt gebracht. Und das ist mir persönlich 1000mal lieber, wie ein feingeschliffenes syntaktisch korrektes Pressedeutsch, dass jeder vernünftigen Semantik entbehrt. Weiter so….

  3. Eine Kamera ist ein Medium. Diese kann wie das Internet positive und negative Situationen aufnehmen und schildern. Aber sobald ein Kommentar dazu abgegeben wird, ist das ganze subjektiv zu betrachten.
    Objektiv sind nur Bilder die sprechen.
    Die Bilder die aber sprechen, sind geschnitten. Ausserdem ist heutzutage jegliche Manipulation der Bilder möglich.
    Abgesehen von all dem, ist die Medienbranche schlimmer als ein Bordell.

  4. Ich glaube nicht, dass eine derart holzschnittartige Umfrage dem Meinungsbild in der Bevölkerung gerecht wird.
    Es gibt auf der einen Seite Leute, die an den meisten Medien kritisieren, dass sie im Zusammenhang mit dem Ukraine-Konflikt unverantwortlich Stimmung für einen zumindest Kalten Krieg machen.
    Auf der anderen Seite gibt es Leute, denen nicht passt, dass in den Medien zum Beispiel Frauen gleichberechtigt und Muslime respektvoll behandelt werden. Beide Bevölkerungsgruppen einfach zu addieren, nur weil sie an der Unabhängigkeit der Redaktionen zweifeln, ergibt eine eindrucksvolle Zahl – und sonst gar nichts.

  5. Diese Pediga-Leute muss man nicht beim Wort nehmen, die haben gemerkt, dass die Presse sie für A-löcher hält und sie halten die Journalsiten eben auch für Är__he.

    Und zu den anderen Dingen: Man muss doch klar sagen, dass „die“ Presse nicht erst seit der Ukraine Krise ein Glaubwürdigkeitsproblem hat. Die Berichterstattung zu Wulff wurde nicht zu Unrecht als Kampage mit widerlichem Beigeschmack gewertet worden. Oder ganz unideologisch: Wer sich die Jubelartikel zum Start der Riesterrente heute noch mal durchliest und den haarsträubenden Unsinn, der zur Hausdämmung verzapft wird, kann schon auf die Idee kommen, dass da nicht Inkompetenz sondern ein Absicht hinter steht

  6. Unsere Presse ist nicht gelenkt, die ist einfach nur zu feige und zu blöde, irgendetwas zu berichten. Denn hin und wieder gibt es mal gute Berichte, die auch kritisch und selbst gemacht sind. Ansonsten pure Faulheit, einfach nur faul und kein Schmackes mal anzuecken. Es sei denn es gibt einen Skandal, wie Höneß oder Edati, da sind sie da, wie eine Horde Paviane stürzen sie sich drauf und zerfetzen sich ihre Schandmäuler.

    Und das schlimmste ist, die Menschen sind genau so! Lassen sich aufhetzen, gegen die öffentlich rechtlichen, obwohl die diejenigen sind, bei denen es noch halbwegs funktioniert. In der Anstalt wird die Wahrheit gesagt, im ZDF zur Primetime. Da stehen die Leute auf der Straße und schimpfen auf die GEZ. Eingeredet von den Privatmedien, die uns die Hirne vergiften, mit Geiz, Neid und Gier. Da sieht man mal was dabei rauskommt.

    Wessen Brot ich ess dessen Lied ich sing.

  7. von wem Medien gesteuert sind wird klar wenn man sich ansieht wer sie finanziert.
    da wäre zum einen der Anzeigenkunden – sprich die Industrie.
    Dann der zahlende User, dieser muss bei der Stange gehalten werden, also sagt man ihm das von dem man glaubt was er hören will – quasi ein Strauß aus Achterbahn, Geisterbahn und Karusell.
    Im Falle der zwangsfinanzierten Öffentlichen werden die obigen Punkte kombiniert plus ein ordentlicher Grad der Einflussnahme durch Rundfunkrat – in dem ausschließlich Parteibuchträger und Angehörige der Leitreligion zu finden sind.

  8. ich frage mich gerade wer sich aufgrund solcher statistischen Zahlen mehr Gedanken machen sollte – die Medien oder die Konsumenten?

  9. Die Sache ist komplexer.

    Medienverlage fürchten juristische Attacken mehr als den Verlust einer guten investigativen Story. Auch ich musste die Erfahrung machen, dass im Falle EADS-Korruptionsskandal unliebsame Anwaltspost von ex-Kanzler Schröder kam – mit der Androhung saftiger Strafen und gerichtlicher Schritte.

    Doch dagegen kann man sich wehren: Weder habe ich die geforderte Unterlassungserklärung unterzeichnet (warum auch?), noch werde ich in Zukunft auf Recherchen zum Thema verzichten. Und weil sich keine einziges Leitmedium hierzulande fand, meine Story samt Unterlagen abzudrucken, gingen letztere an die StaWa München 1. Als Strafantrag gegen EADS und weitere Beteiligte, mit Benennung von gleich zwei Kronzeugen aus Bukarest.

    Die Medien des Jahres 2014 sind aus meiner Sicht nicht unbedingt von der Politik gesteuert. Aber ihr fehlt irgendwie der ultimative Biss, um sich gegen die Armada der Anwälte zu wehren, die mit Klagedrohungen und Einschüchterungsversuchen aufwarten. Wenn Freelancer wie ich sich aber wehren können – warum schaffen das große Verlage und Leitmedien nicht?

  10. Wenn man sich die Deutschen Medien anschaut gelangt man immer zu zwei Personen die am Ende stehen. Zum einen Friede Springer (Springer Konzern, Bild usw.) und zum anderen Liz Mohn (Bertelsmann, RTL usw.), diese beiden haben die Medien fest in der Hand, und zwar alle Medien. Beide sind, wer könnte es ahnen, enge Vertraute und Busenfreundinnen unseres sprechenden Hosenanzugs. Glaubt man da wirklich noch an eine unvoreingenommene und überparteiliche Berichterstattung?

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