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G+J-Kommunikator Schrack: Markenbotschafter im Wechselbad der Konzernstrategien

Claus-Peter Schrack (li.), Julia Jäkel und Bernd Buchholz
Claus-Peter Schrack (li.), Julia Jäkel und Bernd Buchholz

Mit Claus-Peter Schrack verlässt einer der Top-Mediensprecher der Verlagsbranche sein Unternehmen. Der 49-Jährige wird bei seinem endgültigen Ausscheiden im Sommer 2015 rund sechs Jahre in G+J-Diensten gewesen sein – eine Zeit, die von gravierenden Umbrüchen der Medienwelt und einer für Gruner beispiellosen Neuordnung auf personeller wie organisatorischer Ebene geprägt war. Vergnügungssteuerpflichtig waren diese Jahre für einen Markenbotschafter wie Schrack sicher nicht. Für seine Art, den Change-Prozess zu begleiten und zu vermitteln, hat der Kommunikator sich am Baumwall wie bei den Medienjournalisten Respekt verdient.

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Wer die Gründe verstehen will, warum der Konzernsprecher Gruner + Jahr verlässt, muss zurückschauen, nicht nach vorn: Als der gerade ernannte CEO Bernd Buchholz im Frühjahr 2009 mit Claus-Peter Schrack einen Kommunikationschef ohne Wurzeln in der Medienbranche holte, folgte das der Agenda des damaligen Vorstandschefs. Buchholz wollte den Zeitschriftenverlag durch zusätzliche Erlössäulen zukunftssicher und unabhängiger von der volatilen Werbekonjunktur machen. Sein strategisches Interesse galt dem Professional Publishing, und mit dem amerikanisch-britischen Trend-Analysten WGSN hatte der Topmanager auch schon ein Übernahmeobjekt ins Auge gefasst. Schrack hatte sich zuvor als Sprecher u.a. bei Bain & Company, Apax Partners sowie Payback bewährt und schien die Idealbesetzung für die M&A-Pläne von Buchholz.

Daraus wurde bekanntlich nichts, vor allem, weil der Mutterkonzern Bertelsmann die notwendigen Mittel nicht bereitstellte und Buchholz dreieinhalb Jahre nach Amtsantritt in die Wüste schickte. In der Folgezeit hatte der Kommunikationschef, der sich im für ihn neuen Verlags-Business nach kurzer Zeit sicher bewegte, Schwerstarbeit zu leisten: Von der Bankenpleite verhagelte Bilanzen, die Zusammenlegung und Schrumpfkur bei den Wirtschaftsmedien sowie eine Stagnation im Neugeschäft. Gruner hatte oft genug nur schlechte Nachrichten und dünne Erfolgsgeschichten zu vermelden. Schrack musste daraus das Beste machen und ein Team von 30 Mitarbeitern motivieren.

Medienjournalisten lernten den G+J-Chefsprecher bald zu schätzen, denn der reagierte stets schnell, kompetent und in der Sache klar, und: Er langweilte nie mit platter Verlagspropaganda, sondern versuchte, sein Gegenüber mit Eloquenz argumentativ zu überzeugen. Das war nicht immer leicht. Nach dem Abgang von Bernd Buchholz verloren auch dessen Vorstandskollegen Achim Twardy (Finanzen) und Torsten-Jörn Klein (Ausland) ihre Jobs; Gruner + Jahr erhielt mit Julia Jäkel, Stephan Schäfer und Oliver Radtke ein komplett neues Führungstrio mit einem neuen Ressortzuschnitt und einer runderneuerten Agenda: G+J soll als multimediales „Haus der Inhalte“ in die Zukunft geführt werden.

Neben der Neugestaltung heißt das aber vor allem, Strukturen zu vereinfachen und radikal an den Kosten zu arbeiten. Rund 400 Arbeitsplätze sollen diesem Kurs in den kommenden Jahren zum Opfer fallen, bei Traditionstiteln wie Brigitte oder Geo müssen auch etliche langjährige Redakteure das Haus verlassen. Ein harter Weg, der vom neuen Alleingesellschafter in Gütersloh ausdrücklich gebilligt, besser gesagt: eingefordert wird. Für die Unternehmenskommunikation ist ein solcher Prozess eine besondere Herausforderung, denn der Positiveffekt der Kürzungen wird sich (wenn die Rechnung des Managements denn aufgeht) vermutlich erst nach Jahren durchschlagend bemerkbar machen. Zudem verbreiteten sich am Baumwall Personalien zuletzt oft früher, als die nötigen Formalien geregelt waren. Der Rauswurf von stern-Chefredakteur Dominik Wichmann war so ein Fall – ein Alptraum für Pressesprecher, die dann zum Schweigen verdammt sind oder – schlimmer noch – offiziell mit abstrusen Dementis zum Schein eine längst verlorene Stellung halten müssen.

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Schließlich verkauften die Erben des Verlagsgründers John Jahr ihre Anteile an den Mehrheitsgesellschafter Bertelsmann, was zusätzlich Spekulationen beförderte, wohin die Reise mit dem in Hamburg oft misstrauisch beäugten Mutterkonzern langfristig geht. Und wäre das nicht genug, lieferte auch der Spiegel-Verlag 2014 eine abendfüllende Führungsposse, bei der der Finanzinvestor und Minderheitsbeteiligte Gruner + Jahr aufgrund der komplizierten Gesellschafterstruktur gar nicht anders konnte, als eine unglückliche Figur abzugeben.

Es spricht für die Professionalität eines Konzernsprechers, wenn dieser unter völlig unterschiedlichen Führungskonstellationen seinen Job gleichermaßen effektiv erledigt. Dass CEO Julia Jäkel den „Buchholz-Mann“ während des grundlegenden Umbaus bis jetzt behalten hat, spricht ebenfalls für Wertschätzung und Respekt gegenüber ihrem Kommunikator. Tatsächlich harmonierten die beiden sehr unterschiedlichen Charaktere offenbar während der vergangenen zwei Jahre erstaunlich gut miteinander. Indizien, die auf eine schleichende oder akute Entfremdung oder ein Zerwürfnis hindeuteten, gibt es Insidern zufolge jedenfalls nicht.

Schrack selbst hatte immer wieder mal die Überzeugung geäußert, dass nach fünf oder sechs Jahren in einem Unternehmen für ihn „die Halbwertszeit im Regelfall erreicht“ sei, sonst laufe man Gefahr, betriebsblind zu werden. Nun hält er sich selbst daran und wechselt nach einer Phase des Übergangs vermutlich wieder „bergwärts“ Richtung Süddeutschland, wo es den gebürtigen Schwaben immer schon hinzog. Bei Gruner war er zuletzt im Personaltableau der Führungskräfte ohnehin einer der wenigen verbliebenen Topleute aus der Buchholz-Ära. Ob er nach seinem Vertragsende der Medienbranche bleibt, ist mit Blick auf sein breites berufliches Spektrum ungewiss.

Bei Gruner + Jahr folgt Frank Thomsen als Konzernsprecher. Mit seiner Ernennung betont und stärkt Julia Jäkel die journalistische DNA des Medienhauses. Der Mann, der bislang in Diensten des stern stand, verkörpert zudem sowohl Print- wie Digitalkompetenz und verkörpert damit die Zukunftsvision am Baumwall. Aber er vertritt auch einen Verlag, dessen hochfliegende Expansions- und Wachstumsszenarien im In- und Ausland wohl endgültig der Vergangenheit angehören.

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