Bloß nicht mehr „Microblogging-Dienst“ genannt werden: Rowan Barnett über Twitter im Jahr 2015

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Rowan Barnett, zuständig für Marktentwicklung bei Twitter Deutschland

Twitter war eine, wenn nicht die Lieblingsquelle der Medien im Jahr 2014. So viele Beiträge werden inzwischen mit Hinweisen auf Tweets garniert. Doch wie lief das Jahr für Twitter Deutschland insgesamt? Sehr gut, vor allem wegen der Fußball-Weltmeisterschaft, sagt Rowan Barnett, verantwortlich für Marktentwicklung und Medien-Kooperationen. Doch immer noch sei es nötig, deutschen Nutzern zu erklären, "was Twitter genau ist".

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MEEDIA: Wie ist das Jahr für Twitter Deutschland gelaufen?
Rowan Barnett: Es war ein unglaublich spannendes Jahr. Wenn etwas auf der Welt passiert, dann passiert es direkt auf Twitter. Es gab kaum Nachrichten, die nicht über Twitter verbreitet wurden. Dabei schlug Twitter immer wieder die Brücke – ob zur ISS und dem Astronauten Alexander Gerst oder nach Brasilien zur deutschen WM-Mannschaft in Campo Bahia. Was die Medien betrifft – die waren auch unmittelbar via Twitter dabei. Hier sind vor allem die Live-Reportagen via Twitter von Paul Ronzheimer oder Dirk Emmerich aus der Ukraine, Ingo Zamperoni aus Ferguson oder Richard Schneider aus Israel zu nennen.

Für jedes Medium ist es eine Selbstverständlichkeit, auf Twitter zu sein, auch die jeweiligen Köpfe einer Redaktion selbst sind präsent. Aber ist der Ruf von Twitter als ein Medienkanal oder Journalistenmedium nicht auch limitierend?
Ich glaube, diesen Ruf gibt es nur unter Journalisten selbst. Twitter ist ein Interessennetzwerk. Die meistdiskutierten Themen setzen nicht Journalisten sondern die Nutzer.

Twitter mag es aber doch sicher, vor allem ein Kanal für Multiplikatoren zu sein…
Zu einem gewissen Teil stimmt das. Aber Twitter ist weit mehr als Promis, Politiker und Journalisten. Twitter ist eine Kommunikationsplattform für Menschen, die sich zu unfassbar vielen Themen austauschen, von #twitfahrzentrale, #Mauerfall und #JokogegenKlaas bis hin zu #notjustsad und #icantbreathe. Auf Twitter kann jede Stimme gehört werden.

Wie hat sich denn die Nutzung in Deutschland ganz konkret verändert? Also in Zahlen?
Wir weisen das nicht getrennt nach Ländern aus. In diesem Jahr sind wir gut gewachsen, besonders schnell in der jüngeren Zielgruppe. Die Fußball-WM hat uns einen deutlichen Schub gegeben. Weltweit haben wir aktuell 284Millionen aktive Nutzer, weitere 500 Millionen Nutzer nutzen Twitter, loggen sich aber nicht ein und konsumieren nur anstatt aktiv zu twittern.  

Twitter kooperiert zunehmend mit TV-Sendern, bei wichtigen TV-Events beispielsweise. Was funktioniert, was nicht?
Viele Menschen sitzen mittlerweile mit einem Gerät in der Hand vor dem Fernseher, wollen mitfiebern, partizipieren. Da fragt man sich, was eigentlich „first screen“ ist und was „second screen“. 56 Prozent der Nutzer in Deutschland twittern auch, während sie Fernsehen schauen. Die Live-Shows von „Voice of Germany“ sind ein hervorragendes Beispiel, wie Social TV optimal funktionieren kann. Da gibt es verschiedene Anreize wie Hashtags, Nutzerabstimmungen, personalisierte Autogramme und Live-Tweets von Jurymitgliedern, alles direkt via Twitter. Der Zuschauer wird optimal aktiviert und integriert. Was in manchen anderen Formaten nicht so effektiv ist, ist das reine Anzeigen eines Hashtags ohne Aktivierungsanreiz, ohne Twitter-Logo  und ohne Begründung, was die Zuschauer nun eigentlich machen sollen.

Vor kurzem hat Twitter Neuigkeiten vorgestellt. Ziel: „making tweets richer“. Also die Tweets gehaltvoller machen, etwas über den Text hinaus bieten.
Medien- und Contentpartner haben ja neben Vine bereits die Möglichkeit, Videos und Audio in Tweets einzubauen. Bis zu vier Fotos oder auch GIFs können nun ebenfalls in einen Tweet gepackt werden und sind in der Timeline direkt sichtbar. 2015 wollen wir die Möglichkeit, Bewegtbilder aufzunehmen und direkt zu teilen, allen Twitter-Nutzern zugänglich machen.

Twitter soll mehr eine Plattform sein als ein allein stehender Dienst. Dazu gehört auch das Programm „Fabric“, mit dem Tweets leichter integrierbar sind. Können Sie zu der Strategie etwas mehr sagen?
Vor allem geht es bei Fabric um die Entwicklung erfolgreicher Mobile Apps. Twitter hat diesen Prozess selbst durchlaufen und daher wissen wir, welchen Herausforderungen sich Entwickler stellen müssen. Mit dem kostenfreien modularen Fabric Programm unterstützen wir Developer bei der gesamten Entwicklung von Mobile Apps über die Distribution via Twitter bis hin zur erfolgreichen Monetarisierung.

Es soll ebenfalls leichter werden, öffentliche Unterhaltungen in private Unterhaltungen zu überführen. Eine Antwort auf den Erfolg von What’s App?
Wir probieren viele Dinge aus, und dazu gehören auch private Unterhaltungen. Direkte Nachrichten werden schon jetzt gut auf Twitter benutzt, wir wollen diese Experience besser machen.

Zielen diese Dinge vor allem darauf ab, die Unübersichtlichkeit der Timeline etwas zu mildern?
Es ist nicht so, dass Twitter unübersichtlich ist. Twitter liefert einfach einen Snapshot von dem, was gerade passiert.

Das ist die positive Interpretation der Flut von Tweets, die ein Nutzer sieht, wenn er einigermaßen vielen Menschen folgt.
Aber auf MEEDIA.de frage ich mich doch auch nicht, welche Nachrichten in den letzten zwei Tagen wichtig gewesen sind. Ich will doch wissen: was ist heute, in der letzten Stunde, vor allem aber gerade jetzt in meiner Welt wichtig?

Sollte man als Twitter-Nutzer überhaupt das Gefühl haben, etwas verpasst zu haben? Ist das Old-Media-Denke?
So sehe ich das. Twitter ist Echtzeit.

Aus Sicht von Twitter Deutschland – was sind die Ziele für 2015?
Es ist weiter wichtig, deutschen Nutzern zu erklären, was Twitter genau ist: Ein Interessennetzwerk. Die Medien nennen uns teilweise immer noch einen Microblogging-Dienst, das würde ich 2015 eigentlich nicht mehr gerne lesen oder hören.

Das ist ja auch ein Ziel. Aber hat Twitter nicht ein Problem, wenn man Leuten immer noch erklären muss, worum es eigentlich geht?
Nein. Eine Herausforderung, die wir sicherlich haben, ist es, es Menschen einfacher zu machen, ihre Interessen auf Twitter zu finden und diese mit anderen mitzuteilen. Auch da werden wir weiter experimentieren und haben einige spannende Ideen für das Produkt in 2015. Ich blicke also sehr positiv auf 2015. Alle Energie des stark wachsenden Teams ist auf Wachstum ausgelegt. Da werden noch viele weitere spannende Projekte sowohl mit Medien- als auch Markenpartnern entstehen.

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