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Wetten dass..?“-Finale: Schade, dass endlich Schluss ist

Markus Lanz
Markus Lanz

Aus, Aus, Aus. Die Show ist aus. "Wetten dass..?" verabschiedete sich am Samstag auf den Elefantenfriedhof der Fernsehgeschichte. Die Redaktion gönnte sich und den Zuschauern TV-Nostalgie in homöopathischer Dosierung.  Der große Druck war weg, was immer gut tut. Und so geriet die hoffentlich wirklich letzte Ausgabe dieser Show, die viel zu lange künstlich beatmet worden war, erfreulich erträglich.

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Bezeichnend, dass Markus Lanz den anwesenden Quoten-„Weltstar“ Ben Stiller darauf ansprach, ob er von dieser crazy Show aus Germany schon gehört hatte, ob ihn vielleicht gar Tom Hanks (der Katzenmützen-Vorfall!) gewarnt habe. Stiller lachte und erläuterte, er und Hanks kämen nicht so oft zusammen aber, ja, er habe von dieser Show gehört. Und schaute dann so paralysiert-schockiert-belustigt drein, wie man es von Hollywood-Leuten auf der „Wetten dass..?“-Couch heutzutage fast schon erwartet.

An dieser Stelle war „Wetten dass..?“ fast meta, fast ein ganz klitzekleines bisschen selbstironisch und das darf natürlich überhaupt nicht sein. „Wetten dass..?“, das wurde wirklich oft genug erwähnt, steht für samstägliches Baden, Frottee-Schlafanzug, Familienfernsehen und am nächsten Tag beim Frühstück in der BamS lesen, was am Vorabend zu sehen war. Meistens irgend ein „Skandal“, der nach heutigen Maßstäben an Harmlosigkeit nicht zu überbieten wäre. Eine Sängerin hatte ein knappes Kleid an oder Gottschalk hatte sich mit Götz George gekabbelt. Diese Preisklasse. Das war der Gold-Standard der deutschen Fernsehunterhaltung und ganz und gar unironisch. Und längst vergangen.

Heute ist Ironie das Mittel der Wahl im TV. Von Stefan Raab bis Joko und Klaas leben inzwischen mehrere Generationen vom ironischen Bezug zum Original, zu „Wetten dass..?“. Die Show war schon in der späten Gottschalk-Phase hoffnungslos altmodisch und über ihrer Zeit. Aus alter Gewohnheit oder weil man vielleicht wirklich hoffte, etwas von dem alten Samstag-Gefühl erhaschen zu können, schalteten immer noch so verdammt viele Millionen ein, dass das ZDF es sich nicht leisten konnte, den XXL-Kindergeburtstag abzublasen.

So wurde aus dem von allen geliebten Show-Dampfer ein Objekt der Hass-Liebe. Alle redeten über „Wetten dass..?“ aber fast alle machten sich darüber lustig. Während Gottschalk noch in ein Senfbad getaucht wurde, musste Markus Lanz regelmäßig ein Hass-Bad nehmen. Nicht angenehm. Dabei ist Lanz auch kein schlechterer Moderator als – sagen wir mal – Frank Elstner und sicher ein besserer als Wolfgang Lippert. Und auch Gottschalk hatte nicht nicht nur Sternstunden. Aber er hatte immerhin dann und wann welche.

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Und die letzte Show? Die war überraschend gelungen. Okay, vielleicht war auch Verklärung dabei. Aber die Wetten waren amüsant und originell. Gewonnen hat ein junger Mann, der schneller eine Parkhausfassade hoch und runterklettern konnte als der zweifache Rallye-Weltmeister hoch- und runterfahren. Erstaunlich auch ein blinder Kandidat, der mit Hilfe von Echo-Ortung Puzzleteile identifizierte. Das war klassisches „Wetten dass..?“ Lanz war hier und da fast schlagfertig. Katarina Witts Outfit bei ihrem allerersten „Wetten dass..?“-Auftritt 1990, kurz vor der Wiedervereinigung, bezeichnete Lanz als „Mischung aus Gardine und Eisernem Vorhang“. Charmant geht anders aber erstens hatte er nicht unrecht und zweitens war das ein Spruch, der auch von Gottschalk hätte kommen können. Und wer denkt Lanz sei der King of Peinlich, der sollte sich nochmal den Ausschnitt anschauen, als Wolfgang Lippert Paul McCartney den Schweiß vom Gesicht tupft und dann das Taschentuch als Souvenir einsteckte.

Ganz am Ende trällerte dann der unheilige Graf, dass nun aber Zeit sei zu gehen. Wie Lanz verriet, will sich der Gothic-Schlagerbarde auch aus dem TV-Biz zurückziehen. Das schau her, wie’s passt.

Natürlich war die Show viel zu lang. Natürlich war sie irgendwie auch wieder so ein bisschen peinlich, wie Eltern, die auf der Party ihrer Kinder mit einer Schüssel Nudelsalat auftauchen. Natürlich war Lanz der falsche Mann für diese Sendung aber einen richtigen hätte es eben auch nicht gegeben. Und natürlich wäre die Show auch mit Thomas Gottschalk den Bach runtergegangen. Das Finale hätte aber auch viel schrecklicher sein können, als es war. Es war Gelegenheit, sich noch einmal an diese andere Fernsehzeit zu erinnern, die mit drei Programmen, ohne Smartphones und Mediatheken. Nun ist also Schluss mit „Wetten dass..?“. Schade, dass es vorbei ist. Gut, dass es endlich vorbei ist.

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