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Gestatten: das lustigste Social-Media-Team der Welt

Nu, nu geht klar …
Nu, nu geht klar ...

In diesem MEEDIA-Wochenrückblick: Bei Springer feierten sie die wohl rauschendste Weihnachtsfeier der Branche. Das Magazin der Süddeutschen Zeitung betreibt Print-Clickbaiting. Aus Sachsen kommt ein lesenswertes Medienmagazin. Focus-Chef Uli Reitz hat keinen Lauf. Und die Leute vom Social-Media-Team der Welt zeigen, wie lustig die Interaktion mit Lesern sein kann.

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Weihnachtszeit, Weihnachtsfeierzeit. Eine der größten und vermutlich rauschendsten Weihnachtsfeiern der Branche war die bei Axel Springer. Mit 5.000 Leuten feierte der vielleicht am besten gemanagte Medienkonzern der Republik in der Arena Berlin. Es gab u.a. Pizza-Stückchen und als Star-Gäste waren Carl Craig, Michi Beck, Liv Warfield, Mando Diao und Nile Rodgers geladen.

Ober-Boss Mathias Döpfner soll den Mitarbeitern zu sehr vorgerückter Stunde gar verkündet haben, dass jeder, der nach 4 Uhr morgens noch da ist, später nicht mehr zur Arbeit zu kommen braucht. So wild wurde gefeiert, dass Döpfner tags darauf beim traditionellen Journalisten Get-together noch leicht derangiert und mit auffällig hochgerutschtem Hosenbein auftrat. Wenn es einer tragen kann, dann er.

Bei Preisverleihungen räumen die Magazin-Beilagen von Süddeutscher Zeitung und Zeit regelmäßig Preise ab. Beste Reportagen, beste Interviews, beste Fotografie. Bei eben diesen Preisverleihungen raunen einem dann ebenso regelmäßig Kollegen von anderen Magazinen zu: „Jahaa, klar: die müssen sich ja auch nicht am Kiosk verkaufen. Die können ganz anders Blatt machen als wir!“ Das ist in der Tat so. Komisch nur, wenn sich die so genannten Supplements so verhalten, als lägen sie tatsächlich am Büdchen zum Verkauf aus. Das SZ-Magazin liefert an diesem Freitag so ein Beispiel. Im Heft: Ein Porträt der „mächtigsten Frau der Modewelt“, der Net-A-Porter-Gründerin Natalie Massenet. Gespräche mit Flüchtlingen in der Münchner Bayern-Kaserne. Eine Reportage über traumatisierte amerikanische Soldaten. Ein Interview mit Christo. Und nun die Preisfrage: wie titelt eben dieses gut bestückte SZ-Magazin? Mit der Story „Das Wir-Gefühl – Warum Verliebte so schnell verlernen, ‚ich‘ zu sagen“. Bebildert mit einem grobkörnigen Foto eines sich küssenden Paares. Okay …vielleicht eine Art populäre Wissenschafts-Reportage mit neuen Erkenntnissen aus der Beziehungs- oder Hirnforschung? Oder ein Gespräch mit einem Paartherapeuten? Denkste! Drei Seiten brutto im Heft, eine Seite Text netto, ein laues Stückchen, in dem Sätze stehen wie „Die erste Person Plural fängt dabei harmlos an“ oder „Jedenfalls kommt immer eine seltsam unscharfe Botschaft dabei heraus, wenn man ‚wir‘ sagt“. Im Online-Biz würde man sagen: Click-Baiting! Hey, SZ-Magazin: Das habt ihr doch nicht nötig, ein starkes Heft mit einer so oberflächlichen Nummer aufzumachen. Naja, offenbar doch.

Der neue Focus-Chef Ulrich Reitz hat noch keinen wirklich spitzenmäßigen Lauf in diesem Jahr. Die Ausgabe 43 mit den “Deutschen Helden” bescherte dem neuen Mann an der Focus-Spitze einen historischen Minus-Rekord. Auch danach lief es unrund. Zwar brachte der Titel über “Die dunkle Seite des Islam” einen vergleichsweise guten Wert mit über 85.000 Einzelverkäufen. Die aktuelle Ausgabe mit Bastian Schweinsteiger soll aber – so ist zu hören – wieder bleischwer in den Regalen liegen. Und dann ist da noch der Spott im Netz darüber, dass der Focus die Schweinsteiger-Story als das erste Interview seit der WM verkaufte, obwohl der Fußballer zwischenzeitlich schon gefühlt überall ein Interview gegeben hatte. Zu allem Überfluss machen sich Stefan Niggemeier und die lustigen Leute bei Clap auch noch über die Focus-Werbung lustig.

Kleiner Trost für Uli Reitz: Auch über Gründer Helmut Markworts Focus-Werbung wurden gerne Späße gemacht.

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Wer ein schönes Beispiel sehen mag, wie Print gut funktioniert, der kann sich das sächsische Medienmagazin “Funkturm” anschauen, das die Agentur Stawowy Media gerade herausgebracht hat. Entstanden ist das Heft aus dem Blog Flurfunk heraus, das sich mit Medienthemen in Sachsen auseinandersetzt. Im Blatt finden sich Interviews, u.a. mit MDR-Intendatin Karola Wille, der Chefreporter von Bild-Dresden erzählt, wie er Social Media einsetzt, es gibt ein Ranking der 100 Medienköpfe Sachsens und vieles mehr. Vor allem sind da auch viele kleine Lustigkeiten, wie ein sächsisches Medienquartett, Geburts- und Todesanzeigen für sächsische Medien und die besten gestellten Foto-Motive für Lokalzeitungen. Das zeigt, dass die Macher rund um Peter Stawowy sich selbst und den Medienzirkus erfreulicherweise nicht ganz ernst nehmen. Das Heft kostet acht Euro und ist hier zu bestellen. Disclaimer: Ich habe mit Peter Stawowy beim kressreport früher mal zusammen gearbeitet und sogar in einem Büro gehockt. Dass er eines Tages zum mächtigen Medien-Strippenzieher in Sachsen aufsteigen würde, war damals nicht abzusehen.

Begonnen haben wir mit der Springer-Weihnachtsfeier, schließen wollen wir mit dem lustigen Social-Media-Team der Welt. Die haben diese Woche mit zwei launigen Facebook-Antworten, die via Twitter verbreitet wurden, für einigermaßen gute Laune gesorgt.

Schönes Wochenende!

PS: Nicht vergessen: Am Samstag zum letzten Mal großes “Wetten dass..?”-Bashing ab 20.15 Uhr auf Twitter!

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