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Start im Frühjahr 2015: Springer verrät erste Details zu Politico.eu

Springer-CEO Mathias Döpfner und Politico-Chefredakteur John F. Harris
Springer-CEO Mathias Döpfner und Politico-Chefredakteur John F. Harris

“Fresh, sharp and fast”: Im Frühjahr soll das europäische Politico in Brüssel starten. Wie bereits in Washington soll auch die EU-Ausgabe zu einer journalistischen und wirtschaftlichen Erfolgsgeschichte werden. Damit der neue Polit-Player in der Medienbranche nicht bei Null anfangen muss, haben seine beiden Besitzer, Axel Springer und Politico-US, die Wochenzeitung European Voice und den französischen Event-Spezialisten DII gekauft.

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Am heutigen Mittwoch-Mittag enthüllen die Macher ihre Pläne für die EU-Ausgabe in Brüssel. Bereits am Abend zuvor erklärten sie diese in Berlin, im feinen Journalisten-Club im Springer-Haus, vor der versammelten deutschen Fachpresse. Dabei wurde schnell klar: Politico.eu wird nach demselben Playbook wie Politico.com spielen.

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Heißt: Auch in Brüssel soll mit größter Ernsthaftigkeit und maximaler Professionalität ein Newsroom für Politik-Berichterstattung entstehen. Ziel:  spitz und fokussiert die absoluten EU-Top-Entscheider erreichen. Lesen diese Politico, weil sie das schlauer und schneller macht, ziehen die anderen Leser automatisch nach. So die Logik der Amerikaner.

Die Gesellschafter investieren kräftig in Journalismus. So sollen bereits zum Start rund 30 Reporter in Brüssel und den wichtigsten europäischen Hauptstädten arbeiten. Um das journalistische Tagesgeschäft kümmert sich Matthew Kaminski, der vom Wall Street Journal zu Politico als Executive Editor wechselt. John F. Harris, Gründer und Chefredakteur der US-Mutter, behält jedoch das letzte redaktionelle Wort.

Der Output, den Kaminski und sein Team organisieren und recherchieren sollen, ist immens. So soll auch die EU-Ausgabe mit einer gedruckten Wochenzeitung, einer aktuellen Webseite plus einiger spezialisierten – kostenpflichtiger – Themen-Channels inklusive Newsletter- und Alert-Angebote kommen.

Finanzieren soll sich diese Produkt-Palette über eine Mischkalkulation von Vertriebserlösen, Vermarktungseinahmen und Abo-Gebühren für die Themen-Channels. In den USA kostet ein Jahres-Abo für eine Firma und fünf Nutzer 7.500 Dollar. Insgesamt haben die Amerikaner in ihrem Heimatmarkt 16.000 zahlende Abonnenten. Die Webseite erreicht 50 Millionen Page-Views pro Monat. Zudem trägt ein Event- und Seminar-Geschäft dazu bei, dass Politico schwarze Zahlen schreibt. Wie hoch Umsatz und Gewinn sind, wollen die Manager allerdings nicht verraten. Das US-Politico gehört dem amerikanischen Milliardär Roger Allbritton.

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Damit Politico.eu zum Start im Frühjahr über eine journalistische Basis verfügt, öffnen die beiden gleichberechtigten Besitzer, Politico-US und Axel Springer, ihre Geldbörsen und kaufen die Wochenzeitung European Voice aus Brüssel und den französischen Event-Experten DII. Die European Voice, einst im Besitz des britischen Economist, berichtet schon heute ausschließlich über EU-Politik. Mit dem Start von Politico verschwindet der eingeführte Name European Voice.

Die bisherige Macherin der European Voice, Semsar de Boisséson, bleibt als Geschäftsführerin an Bord.

Beim Berliner Medienhaus fällt das neue Joint Venture in die Zuständigkeit von Springer International von Vorstand Ralph Büchi. Er erklärte auch, warum Springer in Politico investiert (wie viel, wollten die Manager nicht verraten). Erstens würden die US-Amerikaner für ein „pures Journalistenunternehmen“ stehen. Zweitens sei Politico eine digitale Erfolgsgeschichte und drittens ein „monetärer Erfolg“, der auf funktionierenden Bezahlinhalten fuße.

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Tatsächlich passt Politico unter diesen Gesichtspunkten exakt in das konzeptionelle Raster von Springer.

Die Zielsetzung der US-Politico-Macher für ihr neues Brüssel-Projekt könnte amerikanischer kaum sein. Auf die entsprechende Frage antwortete Springer-Mann Christoph Keese, dass man hoffe, dass es ihnen gelinge, den Politik-Betrieb in der EU-Hauptstadt so packend und interessant darzustellen, dass endlich auch ein paar europäische Filmemacher auf die Idee kämen, Filme und Serien über das politische Europa zu drehen. Immerhin gäbe es unzählige Hollywood-Blockbuster über Washington.

Bleibt zu hoffen, dass Politico.eu wirklich für einige Thriller und Kassenschlager sorgt. Interessante Berichterstattung aus Brüssel ist bisher auch in der deutschen Medienszene eine Marktlücke.

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