Anzeige

„Der falsche Mann zum richtigen Zeitpunkt am falschen Ort“: Cordt Schnibbens Abrechnung mit Wolfgang Büchner

büchner-Schnibben-saffe.jpg
Wolfgang Büchner, Cordt Schnibben, Ove Saffe (v.l.)

Wolfgang Büchner und Ove Saffe treten beim Spiegel ab. Cordt Schnibben, der seit 25 Jahren für das Nachrichtenmagazin schreibt, hat den erwarteten Abgang mit einem langen Statement in eigener Sache auf Facebook kommentiert. Warum? "Weil ich und viele andere seit Monaten gefangen sind in diesem Irrsinn." Vehement wehrt sich Schnibben gegen den Vorwurf, die Print-Redakteure, die sich gegen Büchner gestellt hatten, seien Fortschritts- und Veränderungsverweigerer. Nein, so Schnibben, Büchner sei einfach "der falsche Mann zum richtigen Zeitpunkt am falschen Ort" gewesen. Das Urteil fällt hart aus. MEEDIA dokumentiert Schnibbens Abrechnung.

Anzeige
Anzeige

In eigener Sache

Ich bin hier auf Facebook in den letzten Monaten immer mal wieder angesprochen worden, warum diese verbohrten Print-Leute beim SPIEGEL sich dem Fortschritt verweigern. Kürzlich hat sogar Außenminister Frank-Walter Steinmeier in einer Rede behauptet, wir hätten „den Kampf um die besten Lösungen vorübergehend eingestellt“ und würden uns „konzentrieren auf interne Machtkämpfe“. Als SPD-Politiker muss er eigentlich wissen, dass beides (oft) zusammengehört.

Ja, Monate langer, quälender und peinlicher Auseinandersetzungen liegen hinter uns, und sie sind nur zu rechtfertigen damit, dass am Ende vernünftige Lösungen gefunden werden. Seit heute bin ich wieder optimistisch und ein glücklicher, freier Mensch, der wieder gern zur Arbeit fährt. Und erstaunt darüber, wie wenig hier und in anderen Medien verstanden wird, was im SPIEGEL in den letzten Monaten passiert ist. Darum muß es jetzt mal raus.

Ich schreibe seit 25 Jahren für den SPIEGEL, seit fünf Jahren mache ich mich stark für die Digitalisierung des Heftes, seit anderthalb Jahren bin ich nicht mehr Print-Ressortleiter sondern entwickele zusammen mit Online-Kollegen neue Formen des multimedialen Erzählens. Für die Chefredaktion besuche ich regelmäßig digitale Konferenzen in aller Welt, um Anregungen für den digitalen Umbau der Redaktion aufzuschnappen.

Meine Chefredakteure: Erst Erich Böhme und Werner Funk, dann Hans-Werner Kilz und Wolfgang Kaden, schließlich Stefan Aust, danach Georg Mascolo und Mathias Müller von Blumencron. Gute Journalisten, anregende, fordernde Chefs, mit allen kam ich gut klar. Als Wolfgang Büchner antrat, dachte ich: der richtige Mann zum richtigen Zeitpunkt am richtigen Ort.

Er war leider der falsche Mann zum richtigen Zeitpunkt am falschen Ort. Wir hätten einen Chefredakteur gebraucht, der die Redakteure mit nimmt, einbezieht, fordert, inspiriert. Der einen Plan hat zur Verbesserung des Heftes und der Website. Der die Redakteure von Print und Online von einem gemeinsamen Projekt überzeugt. Der zusammen mit den Redaktionen neue digitale Medien entwickelt.

Bekommen haben wir einen Chefredakteur, der Online und Print gegeneinander in Stellung gebracht hat, der Diskussionen mit Redakteuren großräumig vermied, der als journalistischer Inspirator weder bei Print noch bei Online auffiel, der sich um die Cover-Gestaltung des Heftes nur in Viertelstündchen widmete: So entstand mal eben „Stoppt Putin jetzt!“ und endete als Rüge vorm Presserat. Und dessen Digital-Strategie sich schnell erwies als Weg in zwei Sackgassen.

Bevor Wolfgang Büchner antrat, war das Feld der Verzahnung zwischen Print und Online bereitet: In drei Arbeitsgruppen hatten SPIEGEL Online und SPIEGEL-Redakteure Konzepte erarbeitet für die Zusammenarbeit zwischen beiden Redaktionen, für ein Paid-Content-Modell, für neue digitale Produkte. Statt auf dieser Basis zusammen mit beiden Redaktionen weiter zu arbeiten, hat Büchner eine Strategie voran getrieben, die bis heute nur ein paar Getreue verstehen. Die App ausbauen, okay, und SPIEGEL-Texte auf SPIEGEL Online kostenpflichtig machen und so fürs Heft und ein Abo werben. Das war alles. Wenn man ihn oder die anderen Überzeugten fragte, wie so – wie von ihnen versprochen – 100 000 bis 200 000 neue Abonnenten gewonnen werden sollen, zuckten sie mit den Achseln und sagten, das seien „strategische Zahlen“.

Dialog sei wichtiger als Digitalisierung, war Büchners Credo. Meine Dialoge mit ihm, immerhin sein „digitaler Scout“, wurden nie zu Gesprächen. Erkenntnisse aus der digitalen Welt, die seinem Konzept widersprachen, interessierten ihn nicht. Unsere Einwände, seine „digitale Strategie“ sei zu wenig, würden das Problem des SPIEGEL nicht lösen, führten nicht zu mehr Dialog sondern schließlich zu Null-Dialog. Das ging jedem so, der sich Sorgen machte über ein Konzept, das zu unausgegoren, zu ängstlich, zu gestrig war.

Anzeige

Die Arbeitsgruppe „Recherche“ beispielsweise, die am „Eisberg“ für die App arbeitete und neben Verbesserungsvorschlägen auch Zweifel hatte, wurde kurzerhand ausgetauscht.

Als die Zweifel an ihm als Chefredakteur immer größer wurden, trat er fortan nur noch als „Change-Manager“ auf, zog sich aus der Chefredaktion und dem Blattmachen zurück. Der „Eisberg“ schmolz immer mehr und wurde zu SPIEGEL 3.0 umgetauft. Das war dann nur noch ein Strukturpapierchen, das Ressortleiter quer durchs Haus schob und kritische Ressortleiter gleich vor die Tür.

Warum ich das alles schreibe? Weil ich und viele andere seit Monaten gefangen sind in diesem Irrsinn und jeden Tag vor Wut in die Tischkante beißen, wenn wieder hier auf Facebook, in den Mediendiensten oder in Zeitungen steht, da kämpfe eine Garde von uneinsichtigen Print-Ressortleitern gegen einen großen Reformer. Nein, da wehrte sich eine ganze Redaktion – zuletzt 91 Prozent aller Heftkollegen in einer Petition – dagegen, von einem Mann, der fehl am Platze war, ins Nichts geführt zu werden.

Gerade die Journalisten im Haus, denen an einer Verzahnung zwischen Print und Online gelegen ist, die endlich sehen möchten, dass der SPIEGEL all das, was wir haben – also auch unter Einbeziehung von SPIEGEL TV – in gemeinsam digitalen Projekten vereinen, sind an Büchner verzweifelt, weil er mehr blockiert als bewegt hat. In der Online – wie in der Print-Redaktion gibt es viele gute, auch gemeinsame Vorstellungen darüber, wie der SPIEGEL im mobilen Netz gemeinsam zu neuem Journalismus und neuen Erlösen kommen kann. Als das Privatfernsehen erfunden wurde, erfand der SPIEGEL SPIEGEL TV, als das Netz kam, kam SPIEGEL Online, nun geht es darum, den gesamten Laden gemeinsam zu digitalisieren. Kein Verlag in Deutschland hat bessere Voraussetzungen. Wehe, wir verkacken es.

Der Chefredakteur einer großen deutschen Zeitung sagte zu mir, als Büchner hier Chefredakteur wurde, beim SPIEGEL entscheidet sich, ob Redaktionen zukünftig von Journalisten oder von Managern geführt werden. Wir haben uns dafür entschieden, von einem Chefredakteur geführt zu werden, von einem Chefredakteur im wahren Sinne des Wortes, also von Redakteuren, die Chefs sind, weil sie zunächst mal gute Redakteure sind, die also wissen, was eine gute Story ist, die Schwächen in einem Text erkennen und korrigieren können, die ungewöhnliche Storys anregen und einfordern können, die Cover gestalten können und die eine Redaktion – weil sie all das können – deshalb von einem Transformationsprozess überzeugen können, der den Journalismus, für den sie einstehen, seit sie Journalist sind, ins Netz, vor allem ins mobile Netz überführt. Der Kern einer erfolgreichen Digitalstrategie, liebe Change-Manager, sind starke und ungewöhnliche Geschichten, für die digitale Leser gern Geld zahlen. Darum ist die erste Aufgabe jeder Digitalstrategie, in einer Redaktion –Print wie Online – starke Chefredakteure zu installieren, die eine Redaktion dazu bringen, den bestmöglichen Journalismus ins Heft und auf die Site zu stellen.

Wer glaubt, nur mit administrativen und machiavellischen Mitteln den Journalismus digitalisieren zu können, ist ein Mann von gestern. Wer glaubt, solch einen Mann an die Spitze von 400 leidenschaftlichen und kritischen Print- und Onlinejournalisten setzen zu können, hat den Fehlgriff seines Lebens zu verantworten. Sorry!

Lieber Ove, lieber Wolfgang, das sind harte Zeilen, ja, ich schreibe sie nicht, um euch zu verletzen, ich schreibe sie, weil ich nicht mehr ansehen kann, wie eine ganze Redaktion, die sich für die richtige Sache stark macht, als ein Haufen von Fortschrittsverweigerern an den Pranger gestellt wird. Wie heißt es unten bei uns im Atrium? „Sagen, was ist.“ In Stahl auf Stein, geschrieben von Rudolf Augstein.

Cordt Schnibben, 62, ist Reporter im Gesellschafts-Ressort des Spiegel. Für das Nachrichtenmagazin arbeitet er seit 1988, u.a. war er Leiter des Ressorts Gesellschaft und Mitgründer des wieder eingestellten Ablegers Spiegel Reporter. Für seine Reportagen und Essays gewann Schnibben zahlreiche Preise. In den vergangenen Jahren beschäftigte er sich intensiv mit digitalen Medienformaten.

Anzeige

Mehr zum Thema

Anzeige
Anzeige

Alle Kommentare

  1. Macht online zur agentur, print zum analyse-forum, die augstein-kinder zu chefredakteuren und holt veteranen wie dieter wild, thomas darnstädt, erich follath in einen herausgeberrat. beteiligung der online-redakteure an den kaum noch vorhandenen print-gewinnen nach rückzahlung der investitionskosten.

  2. Ich würde den Damen und Herren Vorrednern gern den Schaum vom Mund wischen: Könnte man sich nicht drauf einigen, dass Büchners Pläne gut gemeint, aber nicht gut gemacht waren? Die erregte Diskussion darüber, wer über und wer unter Niveau schreibt, ist doch müßig.
    Die Aufgabe, zu „Sagen, was ist“, ist weder analog noch digital. Sie ist zunächst Handwerk. Darin haben weder der Anspruch auf Besitzstandswahrung noch der Glaube an eine ökonomisch zukunftssichere „bessere“ digitale Welt Platz. Also rauft Euch demütig zusammen unter der gemeinsamen Aufgabe, Eure Leser besser zu informieren, dieses Land besser zu machen, Wirtschaft, Politik und Verwaltung besser zu kontrollieren. Der SPIEGEL als Organ der öffentlichen Meinungsbildung wird heute mehr denn je gebraucht. Der Vertriebsweg dafür dürfte unter Kollegen, die diese Mammutaufgabe ernst nehmen, nicht zum Streitobjekt werden.
    Und noch etwas: Eine gute Streitkultur verzichtet auf Anonymität. Offenes Visier, klare Kanten, respektvoller Umgang und kein selbstgefälliges Gelaber.

  3. Wo bleibt das Niveau? – vermutlich auf der Strecke

    Wer letztendlich Recht hat, wird sich nie klären lassen. Unerträglich finde ich die in die Öffentlichkeit getragene Schelte, die nichts anderes als eine persönliche Abrechnung ist. Das Niveau des professionellen Schreibers ist damit ins Bodenlose gestürzt. Warum um alles in der Welt muss man so nachtreten und die Person öffentlich beschädigen? Würde Schnibben gleiches an sich geschehen lassen, stünde er mal in der Kritik?

  4. Falls die Spiegelmannschaft Zeit finden sollte, was ausweislich der monatelangen Selbstdemontage unwahrscheinlich sein dürfte, sollte mal gelesen werden:
    Leander März, „Anleitung zur Gehässigkeit“ und
    Alexander Görlach, „Die Häme zerfrißt unser Land“
    Selbstzerfleischung auf offener Bühne läßt hoffen, daß die Berichtsobjekte des Spiegel sich demnächst auch öffentlich zu wehren beginnen.
    Und die Sprache wird hoffentlich auch nicht mehr vom Spiegel beeinflußt: wer will schon
    Geld dafür bezahlen, daß Journalisten es – so Schnibben wörtlich – „verkacken“. Mein Rechtschreib-Korrekturprogramm sagt da: VERKNACKEN. Und bei Spiegelleser: SPIEGELEIER. Gar nicht dumm.

  5. Fassungslos läßt einen der Kommentar von Herrn Schnibben zurück. Fassungslos gegenüber seiner Illoyalität, fassungslos gegenüber der Uneinsichtigkeit in die Ursache für laufende Prozesse.

    Warum wird der Spiegel nicht mehr gekauft? Doch nicht wegen irgendeines Chefredakteurs, Titelbildes oder Managers. Der Grund ist ein mangelhafter uninteressanter Inhalt. Wenn satte selbstzentrierte eitle Redakteure versuchen zu „beschreiben was ist“ kann dabei nur eines rauskommen: Nabelschau. Das Ergebnis läßt sich jede Woche besichtigen. Da schreibt niemand mehr wie es ist, sondern nur noch wie es aus Sicht eines Redakteures sein sollte. Hybris und Uneinsichtigkeit führen zu dem Ergebnis vor dem der Spiegel jetzt steht. Und der obszöne Glaskasten in dem die Redaktion sitzt, ist dafür ein ebenso eindrucksvolles Bild wie das Schreiben von Herrn Schnibben. Nicht wegen seines kleinlichen und uninteressanten Inhalts, sondern wegen der Geisteshaltung, die darin zum Ausdruck kommt. Gute Nacht, Spiegel.

    1. Fassungsloser Quatsch,
      denn ohne einen – wie bei Schnibben beschrieben – Allrounder als Chefredakteur wird das Heft eben nur Mainstream. Hybris und Uneinsichtigkeit führen zu solch kleinlichen und uninteressanten Kommentaren – bitte aufwachen, Herr Fassungslos.

      1. Wir können gerne noch einmal sprechen wenn sich die Auflage des Spiegel unter dem nächsten Allrounder noch einmal halbiert hat.

  6. der beitrag von herrn schnibben dokumentiert einen bedenklichen zustand von deutschlands herausragender medienmarke. das oeffentliche waschen schmutziger waesche ist stillos. man darf die faehigkeit zur veraenderung in zweifel stellen. von dem willen ganz abgesehen. in dem maße, wie der autor betont, dass es sich nicht um das triumphgeheul der „alten welt“ handelt, entlarvt es sich doch als genau dieses. alles gute, spiegel.

  7. spiegel online ist doch eher ein nachrichten-ticker mit boulevard einschlag. guckt doch mal beim guardian, wie gute print-online vernetzung funktioniert. freue mich, dass büchner weg ist. wird zeit, dass blome auch geht.
    sagen was ist, vielleicht geht das dann auch wieder im hause spiegel.

  8. Cord Schnibben – hat er recht? Vielleich hätte er die Schwachstellen des gedruckten Spiegels erfassen und darlegen sollen. Denn die eigentliche Schwäche des Heftes ist seine mittlerweile Belanglosigkeit. Spiegel online dagegen wird ernst genommen, das Blatt längst nicht mehr. Die Printredakteure haben gewonnen – aber das Ansehen des Blattes hat darüber verloren. So kommt es, wenn Egoisten durch die Wand wollen.

  9. Schnibben schreibt: „Darum ist die erste Aufgabe jeder Digitalstrategie, in einer Redaktion –Print wie Online – starke Chefredakteure zu installieren…“. Weshalb installiert man mit Brinkbäumer dann jetzt einen schwachen Chefredakteur? Richtig: Weil kein wirklich starker Chefredakteur von der Gnade der (Print-)Mitarbeiter KG abhängig sein will!

  10. Am Tage, als Putins Rede auch in Deutschland übertragen wurde, findet am Kopf des Spiegels ein Austausch statt. Was ist wichtiger?

    Ob der hierzu vorgelegte Artikel tatsächlich zum Kern der Probleme des Spiegel, und unserer Gesellschaft vorstößt: ich möchte es in Zweifel ziehen.

    Ihr könnt Chefredakteure auswechseln, so viel ihr wollt.

    Solange Medien nicht informieren, sondern indoktrinieren, solange sind sie entbehrlich. Unsere Medien haben sich in Resonanz begeben mit der Politik, die offenbar einen neuen Menschen heranziehen will. Beispiele dazu gibt es in mittlerweile erdrückender Masse: Klimapolitik, „Europäische Friedensordnung“, Ukraine-Putsch, EU-Währung, nicht vorhandene demokratische Legitimation der EU, sexuelle Kinder-Erziehung, Gender- Sprachregelung, usw usf. allesamt unsäglich. Wer dagegen zu sprechen wagt, wird diskriminiert, delegitimiert. Sowas wird als Demokratie ausgehängt.

    Unsere Medienschaffenden verstehen sich als Elite, nicht als Diener einer Gesellschaft.

      1. Nützt Ihnen nichts. Solange ich noch frei herumlaufen darf, werde ich schreiben, weil Sie es lesen.

        Die Probleme des Spiegel sind in allererster Linie Probleme der Print- Ausgabe. Erst in zweiter Linie kommen Probleme hinzu, die darin begründet sind, daß Spiegel-Online mit seinem schnellen Schund Erfolg hat. Dieses zweite Problem haben andere Verlage erst gar nicht, das macht die Sicht auf die Probleme für einige so unübersichtlich.

        Der Zeitgeist hat den Spiegel also von zwei Seiten in die Zange genommen. Befreien können wird man sich wohl nur dadurch, daß man wieder die Gesellschaft, und nicht die Mission ins Zentrum des Schaffens rückt. Dazu langt der Austausch eines Chefredakteurs nicht.

  11. Die elementare Passage steht am Ende von Cordt Schnibbens Text:

    [ “Sagen, was ist.” In Stahl auf Stein, geschrieben von Rudolf Augstein.]

    Genau das hat unter Büchner nicht mehr funktioniert. Doch wie nach jeder Frühlings- oder Winterrevolution muss man sich nach Abgang der Führungsspitze fragen, warum so viele, so lange nichts gegen die Missstände unternahmen. Bequemlichkeit? Angst? Gleichgültigkeit?

    Für ein Magazin wie den SPIEGEL war die Ära Büchner eine Ära der verpassten Chancen. Hoffen wir, dass das Magazin – digital oder altbacken Print – wieder mit Inhalten und Enthüllungen aufwartet. „Sagen, was ist“.

  12. Bravo. Das hat gesessen. Dank an Schnibben, einer musste es ja mal sagen. Wann, wenn nicht jetzt, stehen die anderen unzufriedenen, weil besserwissenden Redakteure anderer Zeitschriften und Magazine auf und rufen „raus mit ihm!“? Raus mit den Fähnchen-in-Wind-häng Chefredakteuren, raus mit den Geld-mach-um-jeden-Preis Verlagsmanagern, raus mit den PR-Sonderveröffentlichung-ins-Blatt-hebenden Geschäftsführern. Was bin ich froh, daß es noch Störenfriede gibt. Die Hoffnung stirbt zuletzt, aber man muss etwas dafür tun, dass sie nicht sterben kann, niemals. Dazu noch eine Literaturempfehlung: „Empört Euch!“ von Stephane Hessel (Ullstein Verlag, ISBN 978-3-550-08883-4). Macht was, sonst machen es andere.

  13. Ein wasch mich, aber mach mich nicht nass, gibt es nicht. Das hat weder Herr Schnibbens noch der Rest seiner Printkollegen bis heute verstanden. Hier träumt und lebt man immer noch in längst vergangenen Zeiten.

    Die Online-Kollegen waren bis zum Schluss sowohl vom Konzept als auch von der Person Büchner überzeugt.

    Aber vermutlich wissen die Printler beim Spiegel jetzt sogar besser wie online geht, als die Onliner selbst.

    Warum beteiligt man die Onliner bis zum heutigen Tage nicht an den Gewinnausschüttungen der Mitarbeiter KG?

    Hier hört also die Kollegialität an der eigenen Schreibtischkante auf.

    Herr Schnibbens und der Rest der ewig Gestrigen sollten einfach die hamburger Schnauze halten und sich schämen.

    Wir werden ja bald sehen, ob es nun mit der Auflage wieder rauf geht.

    1. Nochmal lesen, Herr „Kenner der Branche“, dann nachdenken, dann schreiben – und zwar ohne Verbalinjurien. Wie wär’s?

      Und zur Sache – Inhalte sind nicht alles, aber ohne Inhalte, ohne „starke Geschichten“ ist die beste Online-Strategie für die Katz!

      1. @R.O.: Die Verbalinjurien benutzt Schnibben. Dass seine Beschreibung einer Heilen Welt zwischen Printlern und Online (nur der gemeinsame Chef ist doof und unfähig) nicht stimmt, beweist die mittlerweile von Meedia gepostete Geschichte über die empörte Reaktion der Onliner!

  14. Wohl mancher Kollege, der schon länger im Geschäft ist, würde diesen Beitrag wie ich am liebsten in Stein meißeln, um ihn all den Content-Strategen und Diplom-Entscheidern an ihre Bürotüren zu nageln.

    Alleine – ob es helfen würde?

Dein Kommentar

Deine E-Mailadresse wird nicht veröffentlicht.

*