Wenn 140 Zeichen nicht genug sind: Medium.com als Sprachrohr für Meinungsmacher

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Die 140 Zeichen auf Twitter sind oft zu kurz – aber nicht jeder hat ein eigenes Blog, um seine Meinung kundzutun. Medium.com ist hier die perfekte Lösung: eine Plattform für alle, die etwas zu sagen haben. Die Seite, die von den Twitter-Gründern ins Leben gerufen wurde, gibt es schon seit fast drei Jahren. In jüngster Zeit nimmt Medium.com richtig Fahrt auf, es häufen sich in den sozialen Netzwerken Beiträge, die dort publiziert wurden. MEEDIA erklärt, was so besonders ist an Medium.com.

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Barack Obama und das Weiße Haus tun es, Walter Isaacson tut es und auch Tim O’Reilley ist dabei: sie veröffentlichen Stellungnahmen, Sichtweisen und Meinungen auf der amerikanischen Plattform Medium.com. Und auch in Deutschland wird der Dienst immer stärker genutzt – vor allem von Journalisten und Medienmachern: Richard Gutjahr publiziert dort Blogbeiträge auf Englisch und auch Stefan Niggemeier, Katharina Borchert und Johnny Häusler sind aktiv. Zwar bloggen nicht alle, doch sie haben eigene Profile und empfehlen ihren Followern Beiträge von anderen.

Es muss nicht immer ein eigenes Blog sein

Medium.com ist ein Kompromiss zwischen Twitter und dem eigenen Blog. 140 Zeichen sind oft zu wenig, um eine detaillierte Meinung kundzutun, dank Medium.com muss es aber auch nicht gleich ein eigener Blog bei Anbietern wie zum Beispiel WordPress sein. Die Handhabung bei Medium ist simpel – und nach wenigen Schritten kann jeder losschreiben. Das eigene Profil wird mit dem Twitter- oder Facebook-Account verknüpft; wenn man nur lesen will, ist es jedoch nicht notwendig, einen Social-Media-Account zu hinterlegen.

Die Plattform sammelt Geschichten, so wie Pinterest Fotos sammelt. Sortiert werden sie dabei nicht nach Autor, sondern nach Themen. Die Leser bewerten die Beiträge – die am besten bewerteten stehen auf der Startseite. Dort finden sich dann zum Beispiel eine Auseinandersetzung mit der Taxi-App Uber oder eine Geschichte mit der Überschrift: „You Can’t Make it on YouTube Anymore“. Außerdem gibt es – auch wie bei Pinterest – Kategorien, in denen mehrere Artikel zu einem Thema gesammelt werden und die Leser können Artikel bookmarken, also zum später Lesen speichern. Das Design ist edel minimalistisch – so gibt es kaum Ablenkungen vom Lesefluss. Auch die App ist schlicht gehalten und simpel zu handhaben. Die User wischen von Artikel zu Artikel und haben auch hier die Möglichkeit, ein personalisiertes Inhaltsverzeichnis mit markierten Beiträgen zu erstellen, die sie zu einem anderen Zeitpunkt lesen wollen. Alle Geschichten können – sowohl im Browser als auch in der App – via Twitter und Facebook weiterempfohlen werden.

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Eine potenziell große Reichweite – auch international

2012 wurde Medium.com von der Firma der beiden Twitter-Gründer Evan Williams und Biz Stone, Obvious Corp., ins Leben gerufen. Seitdem etabliert es sich mehr und mehr als Sprachrohr. Aktuell sucht das Unternehmen in einer Stellenausschreibung sogar nach einem Mitarbeiter, der noch mehr US-amerikanische Politiker, Organisationen und Personen des öffentlichen Lebens davon überzeugen soll, auf Medium.com zu publizieren – vor allem zur Präsidentschaftswahl 2016.

Generell bietet die Plattform allen, die Artikel veröffentlichen wollen, die Möglichkeit, dies ohne große Hürden und mit einer potenziell großen Reichweite in einem ansprechenden Layout zu tun. Für deutsche Blogger und Journalisten dürfte es vor allem reizvoll sein, auch ein internationales Publikum zu erreichen. Dadurch, dass die Artikel nicht nach Autor, sondern nach Themen sortiert werden, gibt es eine höhere Wahrscheinlichkeit, neue Leser zu gewinnen. Das Hindernis ist die Sprache. Richard Gutjahr lässt seine Texte ins Englische übersetzen, doch natürlich hat nicht jeder Schreiber dazu die Möglichkeit. Aber auch ohne selbst zu veröffentlichen, ist Medium.com ein Sammelsurium spannender Themen und Inspirationen.

Es ist zu erwarten, dass Medium.com weiter wächst und in ein paar Jahren auch verstärkt international genutzt wird. So hat auch Twitter schließlich einige Jahre gebraucht, sich außerhalb der USA zu etablieren: Gegründet wurde der Dienst zwar schon 2006, doch so richtig fleißig zwitschert die deutsche Medienlandschaft eigentlich erst seit 2-3 Jahren.

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Alle Kommentare

  1. Als täglicher Meedia-Leser wundere ich mich über die stetig wachsende Zahl von Jubel-PR-Artikeln wie diesem, ohne jegliche kritische Distanz. Bedenklich für einen Branchendienst, der sonst gern – und zu recht! – handwerkliche Mängel in journalistischen Betrieben geißelt.

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