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Ferrero kämpft um die Top-Level-Domain .kinder

Foto: Ferrero
Foto: Ferrero

Ferrero, der Süßwarenkonzern, der neben Rocher und Mon Chérie auch Kinder Schokolade und Kinder Überraschung produziert, hätte gerne als Top-Level-Domain (TLD) für Online-Angebot die Endung .kinder. Die Internet-Verwaltung ICANN ist dem Wunsch nicht abgeneigt - aber der Deutsche Kinderschutzbund und das Deutsche Kinderhilfswerk protestieren.

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Die ICANN (Internet Corporation for Assigned Names and Numbers) ist so etwas wie die Verwaltung des Internet. Die Organisation mit Hauptsitz in den USA kümmert sich um Zuweisung von Namen, Nummern und Endungen im weltweiten Datennetz. Um den Bedürfnissen von Firmen gerecht zu werden, lässt ICANN seit einiger Zeit auch Markennamen als Top Level Domains zu. So hat sich der Süßwaren-Multi Ferrero die Endungen .ferrero,  .rocher und .kinder als Endungen für Internet-Adressen registrieren lassen.

Damit geht der Ärger los. Der Deutsche Kinderschutzbund und das Deutsche Kinderhilfswerk sind nämlich der Auffassung, dass das Wort „Kinder“ als geschützter Markenbegriff nicht zulässig ist. Zumal Ferrero sich mit seinen Süßigkeiten in erster Linie an Kinder als Zielgruppe richtet. Heise.de zitiert Kai Hanke vom Kinderhilfswerk mit den Worten: „Die Leidtragenden wären zudem die Kinder, die womöglich auch noch davon ausgehen, dass unter .kinder-TLDs Kinderangebote zu finden sind. Letztlich landen sie aber immer nur bei Angeboten von einem Konzern mit konkreten kommerziellen Interessen.“

Die Regeln, welche Begriffe ICANN als Top Level Domain zulässt und welche nicht, sind nicht ganz einfach. Erlaubt sind Markennamen aber keine generischen Begriffe, also Worte mit allgemeiner Gültigkeit. So wollte Amazon beispielsweise gerne die Endung .book für seine E-Book-Sparte sichern lassen, was abgelehnt wurde. Klingt klar und deutlich, ist es aber nicht. Denn wenn ein generischer Begriff als Markenname so verwendet wird, dass der Marken-Inhalt nicht mit der allgemeinen Bedeutung des Wortes übereinstimmt, ist die Endung als Top Level Domain wieder zulässig.

ICANN erklärt dies am Beispiel des Wortes Sushi. Ein Sushi-Restaurant dürfte sich das Wort „.sushi“ nicht als Top Level Domain sichern. Ein Autoreifenservice namens „Sushi“ aber schon. Im Falle von Ferrero ist nun die Frage: Berührt die inhaltliche Bedeutung des generischen Begriffs „Kinder“ das Geschäft der Marke „Kinder“ von Ferrero. Kinderschutzbund und -hilfswerk sagen: Ja. Weil Kinder Schokolade und Kinder Überraschung Produkte sind, die sich vorrangig an Kinder richten. Ferrero sagt: Nein. Weil „Kinder“ eine internationale Marke ist und die etwaige inhaltliche Überschneidung nur im deutschen Sprachraum vorkommt.

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ICANN hat bereits einen Vertrag mit Ferrero über die TLD .kinder geschlossen, derzeit befindet sich die Domain in einer technischen Testphase. Die Kinderschützer wollen noch verhindern, dass die Domain .kinder Realität wird. Auf Betreiben des Kinderschutzbundes hat die Kinderkommission des Deutschen Bundestages das Wirtschafts- und das Familienministerium dazu aufgefordert, sich bei der ICANN gegen die Vergabe der Domain .kinder an Ferrero zu beschweren. Außerdem hat sich der Kinderschutzbund bei dem GAC (Governmental Advisory Committee) und der Familienministerin direkt beschwert. Das GAC ist ein Beratungsgremium der ICANN, in dem Regierungsvertreter aus rund 100 Ländern sitzen. Das GAC hatte bereits im vergangenen Jahr Einspruch gegen die Verwendung allgemeiner, generischer Begriffe als Top Level Domains erhoben.

Wie der Streit im Falle von Ferrero und .kinder ausgeht, ist noch unklar.

 

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