Anzeige

Tischkultur-Magazin Salon: Hohelied auf ein vergessenes Kulturgut

SALON-Anne-Petersen-Thomas-Niederste-Werbeck.jpg
Salon-Eröffnung: Redaktionschefin Anne Petersen und Art-Director Thomas Niederste-Werbeck

Gewichtig kommt er daher, opulent ausgestattet und mit einem Namen, der Programm ist: Salon heißt der neue Titel, den Gruner + Jahr zunächst vierteljährlich an die Kioske schickt. Was es will, sagt das Magazin in einer Unterzeile: "Magazin für Gastlichkeit, Tischkultur und Lebensart" – ein Slogan, der in einer rastlos digitalen Welt aus der Zeit gefallen scheint. Welche Chancen hat der Newcomer am Markt? MEEDIA hat die Zeitschrift geblättert.

Anzeige
Anzeige

Bildschirmfoto 2014-11-27 um 16.59.01

„Alte Werte, neue Ideen“ lautet der Ausruf, pardon, der Common Sense der Zielgruppe. Schließlich sind wir nicht im Saloon gelandet, sondern im feinen Gesellschaftszimmer, wo beste Manieren und ein gepflegter Umgangston selbstverständlich sind. Die Zielgruppe beschreiben die Salon-Macher um G+J-Food-Chef Jan Spielhagen wie folgt: „Frauen ab 35 Jahren, die bei hoher Ausgabebereitschaft modernen, zeitgemäßen Luxus und Lifestyle mit ihrer traditionellen Werthaltung in Einklang bringen wollen. Sie kochen gerne und legen Wert darauf, eine gute Gastgeberin zu sein. Dabei achten sie auf gepflegte Tischkultur.“ Entsprechend damenhaft und wertig ist das Ambiente, das Salon ausbreitet: Selbst das feinste Essen, so die Botschaft, ist nichts ohne die dazu gehörige Deko, ohne Kerzenschein, Blumenschmuck, Deckchen und bedruckten Servietten und all das, was Fast-Food-Generationen als lästigen Schnickschnack aus ihrem Alltag ausradiert haben. Gruners Salon durchweht der Geist der 20er Jahre des vergangenen Jahrhunderts, (nach Meinung der Macher) neu „interpretiert und aufgefrischt“ mit Modernität und Design von heute, im Ergebnis ein Gegenentwurf zur digitalen Hektik unseres Lebens.

Bildschirmfoto 2014-11-27 um 16.59.57

Salon bringt vergessene Tradition zurück und feiert jene, die sich den Versuchungen der Modeströmungen stets widersetzt und das Althergebrachte in einem Paralleluniversum weiter kultiviert haben. Julia Freifrau von Jenisch ist solch eine Protagonistin, die Salon in der Erstausgabe zur Homestory in ihrem klassizistischen Hamburger Landhaus empfängt. Eine 14 Seiten-Fotostrecke kam dabei heraus, der eigentliche Artikel beschränkt sich dabei auf netto nicht einmal eine Seite – was auch Indiz dafür ist, dass Salon zuerst ein Magazin zum Blättern und Staunen ist und erst in zweiter Linie zum Lesen. Dabei lässt es die Zeitschrift in alter G+J-Tradition handwerklich an nichts fehlen und ist bis in die Bildunterschriften vollendet gestaltet. Doch Perfektion ist nur eine Voraussetzung, die es für einen Erfolg im angepeilten Marktsegment langfristig braucht. Noch wichtiger ist die Leidenschaft, die ein solcher Titel beim Leser wecken muss. Schafft man das mit dem Nachdruck der Menü-Folge des Hochzeitsessens der englischen Königin von anno dazumal? Naja. Die Story über den Göttinger Verleger Gerhard Steidl und seine (kultur-)prominent besetzten Mittagstische dagegen ist eine, die das schafft: außergewöhnlich gut fotografiert und mit einer Geschichte, an der man teilhaben will.

Anzeige

Bildschirmfoto 2014-11-27 um 17.00.32

Man möchte Salon wünschen, dass solche Momentaufnahmen in folgenden Ausgaben häufiger eingefangen werden und die reinen Produktwelten und das blutarme Posing mancher Testimonials in den Hintergrund drängen, denn mehr Lebendigkeit würde dem Magazin inmitten all der exquisiten Salon-Staffage gut bekommen. An Service hingegen mangelt es nicht: Salon ist nicht nur ein elegantes Magazin, sondern auch eine volle Nutzwertpackung mit Tipps, Rezepten sowie Wissenshäppchen für die Konversation unter Kennern. Und wenn der Titel in Zukunft sich mehr Themen von emotionaler Relevanz verschreibt, hat Salon durchaus Potenzial, eine neue Nische im Zeitschriftenmarkt zu besetzen. Für Anzeigenkunden, so beweist es schon der Erstling, ist der neue Titel von Gruner + Jahr offenbar interessant. Und wer die Inhalte snobby oder blasiert findet, gehört eben nicht zur Zielgruppe, macht einen Bogen um den Salon und spart sich die 8,50 Euro Eintrittsgeld. Damit können beide Seiten gut leben, denn wenn der Vertrieb etwa für die Hälfte der Startauflage von 100.000 Exemplaren zahlungswillige Abnehmer findet, dürfte die Rechnung des Verlags aufgehen, ein weiteres Premium-Magazin mit Perspektive in einem insgesamt schrumpfenden Markt zu verankern.

 

Das rund 200 Seiten starke Heft (inkl. herausnehmbarem Rezeptteil mit 36 S.) ist im Einzelhandel und unter www.salon-mag.de auch im Abonnement erhältlich. Salon erscheint quartalsweise, die Frühjahrsausgabe erscheint am 5. März 2015.

Anzeige

Mehr zum Thema

Anzeige
Anzeige

Alle Kommentare

  1. „Meedia hat die Zeitschrift geblättert“. Was soll das denn heißen? „Meedia hat IN der Zeitschrift geblättert“, so ergibt es einen Sinn.

Dein Kommentar

Deine E-Mailadresse wird nicht veröffentlicht.

*