Erste Daten belegen: WhatsApp hat das Zeug zum mächtigen Traffic-Lieferanten für News-Sites

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Es sieht so aus, als ob wir uns an einen neuen Sharing-Button gewöhnen müssten: Seit gut zwei Jahren bieten fast alle Nachrichten-Seiten nur noch eine Facebook- oder Twitter-Option zum teilen von Artikeln an. Doch je mobiler das Web wird, umso mächtiger wird auch die virale Macht von WhatsApp. Zum ersten Mal zeigt nun eine Datenanalyse, dass sich mit Hilfe der Chat-Applikation der Nachrichten-Traffic massiv steigern lässt.

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Tatsächlich ist WhatsApp von seinem ganzen Aufbau her ein ideales Social-Sharing-Tool. So ist die gesamte Konstruktion darauf ausgelegt, Bilder, Texte und Links zu teilen. Diese Erkenntnis ist nicht neu. Doch bis auf Buzzfeed, Spiegel TV oder Bild.de haben bislang nur recht wenige Nachrichten-Angebote mit der Smartphone-Community experimentiert. Dabei müsste spätestens seit dem Frühjahr, als Facebook bereit war, 19 Milliarden Dollar für das Startup zu zahlen, klar sein, dass WhatsApp weit mehr als nur eine kostenloser SMS-Dienst sein muss.

In Sachen WhatsApp-Traffic sind die gängigen Traffic-Tools blind

Einer der Hauptgründe, warum der entsprechende Button noch immer sparsam eingesetzt wird, liegt darin begründet, dass niemand so richtig sagen konnte, ob er überhaupt als Besucher-Zulieferer funktioniert. Denn es ist eine Art Geburtsfehler des Angebots, dass die Macher vergessen haben, eine – wie auch immer geartete – Analyse-Funktion zu integrieren.

In Sachen WhatsApp-Traffic sind die gängigen Traffic-Tools, wie überhaupt bei App-Traffic, blind. Deshalb spricht man in diesen Fällen auch von „Dark Social“. In dieser Ecke des Internets sind Daten-Analysten geradezu blind. Und da lassen sich auch kaum die Seiten-Manager und Chefredakteure überzeugen, auf den kleinen grünen Button zu setzen.

So gab es bislang nur zaghafte Einsätze. Dabei sprechen die ersten Erkenntnis eine eindeutige Sprache: Der WhatsApp-Knopf bietet ein noch ungehobenes Traffic-Potenzial. Bereits vor einem Jahr zeigten sich die Social-Sharing-Profis von BuzzFeed wegen der Möglichkeiten des mobilen Netzwerkes begeistert. Seit Oktober vergangenen Jahres habe die US-Amerikaner einen entsprechenden Knopf integriert und seine Nutzung scheint sprunghaft zu steigen.

Ein spanische Fußball-Seite als Test-Labor

Wie viel Traffic er aber wirklich erzeugt, können selbst die Analyse-Fetischisten von Buzzfeed nicht genau beziffern. Sie wissen nur wie häufig der Knopf gedrückt wird. An wie viele WhatsApp-Freunde der Link dann verteilt wird und wie oft diese ihn wieder weiterreichen, ist auch den Listicles-Königen völlig unklar.

Ein interessanter Einzelfall scheint jetzt jedoch erstmals ernsthaft Aufschluss über das mögliche Traffic-Potenzial der Chat-App zu bieten. So analysiert Joshua Benton für das Nieman Lab Daten der Webseite des spanischen Fußball-Clubs FC Valencia.

Wie längst bei den meisten Top-Teams üblich, bietet die Webseite des Tabellen-Vierten der Premiera Division, neben einem Shop und Statistiken überwiegend Newsartikel rund um das Team. Alle Nachrichten lassen sich auch über Social-Sharing Buttons teilen. Das Besondere an der Fußball-Seite ist nun der Umstand, dass die Iberer sowohl die Klicks auf die Social-Sharing-Button zählen, wie auch einen bestimmten URL-Parameter nutzen, der den Links, die über die unterschiedlichen Netzwerke wie Twitter, Facebook oder eben WhatApps geleitet werden, eine spezielle Adresse zuweisen.

So zeigt die Analyse, dass sich die Nutzung wie folgt aufteilt: Facebook 35 Prozent, WhatsApp 33 Prozent, Twitter 19 Prozent, Google+ 13 Prozent.

Interessant an diesen Zahlen ist bereits, dass der WhatsApp-Button nur zu sehen ist, wenn die Seite mobil von einem Apple-Gerät aufgerufen wird. Bislang läuft der Knopf nämlich nur auf iOS.

Die wirkliche Überraschung zeigt sich dann beim Blick auf den Gesamt-Traffic. Von WhatsApp kamen trotzdem 48 Prozent allen Social-Media-Besucher. Das heißt: Die Links wurden nicht nur an Freunde weitergereicht, sondern auch von diesen geklickt und weitergeteilt. Ein Traum für die Macher von Nachrichten-Seiten.

An dieser Stelle sei noch einmal angemerkt: Es handelt sich um isolierte Zahlen eines Fußball-Vereins. Die Leser der Vereins-Nachrichten sind maximal emotional bei der Sache. Deshalb dürften sie auch eine weitaus höhere Bereitschaft haben, die News zu lesen und zu teilen. Ein möglicher Trend könnte sich trotzdem abzeichnen: WhatsApp scheint das Potenzial zu haben, sich zu einem massiven Traffic-Lieferanten von Nachrichten-Seiten zu entwickeln.

Wir bei MEEDIA wollen es ganz genau wissen und haben deshalb auch einen WhatsApp-Button in der mobilen Ansicht der Seite eingebaut. Auf die Ergebnisse sind wir selbst sehr gespannt.

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Alle Kommentare

  1. Der WhatsApp-Button läuft auch auf Android. Zu sehen zum Beispiel auf der mobilen Seite von spiegel.de (nicht in der App).

  2. Selbst ohne eine Auswertung seitens WhatsApp wäre es doch kein Problem diesen Traffic zu messen. Es würde doch schon ausreichen den zu sharenden Link um GA Kampagneninformationen zu erweitern. -> Eine Sache von 10 Minuten.
    Das Daher finde ich es etwas verwunderlich, dass größere Webseiten nicht einfach mal eine Integration von WA ausprobieren.

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