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Ein Monat Krautreporter: Nutzer lesen überdurchschnittlich lang – vor allem Niggemeier und Gutjahr

Krautreporter-Gründer Sebastian Esser: Mit Paywall ins zweite Jahr
Krautreporter-Gründer Sebastian Esser: Mit Paywall ins zweite Jahr

Vor etwas mehr als einem Monat ist das spannende Online-Journalismus-Projekt Krautreporter an den Start gegangen. Mit einem Abo-Modell möchte man Geld verdienen, die Artikel kann aber jeder lesen. MEEDIA hat sich die ersten Traffic- und Social-Media-Daten angeschaut - und Gründer Sebastian Esser gefragt, warum er keine offiziellen Zahlen nennt.

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Der Start der Krautreporter sorgte Ende Oktober direkt für viel Aufmerksamkeit. Natürlich, weil nicht nur die Abonnenten der ersten Stunde sehen wollten, wofür sie Geld ausgeben – sondern auch, weil der erste Aufmacher ein Text von Stefan Niggemeier war, der in kürzester Zeit extrem gut in den sozialen Netzwerken herum gereicht wurde. Über 9.600 Likes, Shares, Tweets, etc. sind laut 10000 Flies für Niggemeiers Auseinandersetzung mit dem Buch „Gekaufte Journalisten“ von Udo Ulfkotte zusammen gekommen – ein überaus starker Wert.

Der Text „Die Wahrheit über die Lügen der Journalisten“ ist auch einer der beiden Artikel, die laut der Traffic-Hochrechnungen von SimilarWeb die meisten Leser in den ersten vier krautreporter-Wochen erreicht hat. Der andere stammt von Richard Gutjahr und behandelte ebenfalls ein Medien-Thema: In „Der Apfel fällt nicht weit vom Bann“ beschreibt er die Abhängigkeit der Redaktion von Apple – und wie der Konzern diese ausnutzt.

Abseits von Niggemeier und Gutjahr, die auch mit weiteren Artikeln viele Leser erreicht haben, finden sich unter den Top-Artikeln des ersten Monats aber auch ganz andere Themen: Anfang November punktete die Plattform mit einem Interview von Theresa Bäuerlein mit einer ehemaligen Prostituierten, auch eine klassische Reportage wie die von Victoria Schneider über ein Dorf in Tansania, das durch Gold in die Armut gestürzt wurde, findet sich laut SimilarWeb unter den Top-Artikeln. Außerdem regelmäßig dabei: Peer Schaders Supermarkt-Texte.

Vor allem in den sozialen Netzwerken ist die Website stark: Über 30% der krautreporter-Besucher kamen über einen Link bei Facebook, Twitter, etc. auf die Seite. Insgesamt erreichten seit Start bereits zehn krautreporter-Artikel die Marke von 500 Likes, Shares, Tweets, etc. – ein durchaus beachtlicher Wert für ein so neues Medium. Spannend ist auch die Aufenthaltsdauer der Nutzer auf der Website. Die liegt in den SimilarWeb-Hochrechnungen bei 5:45 Minuten. Zum Vergleich: Auf Spiegel Online hält sich ein Nutzer im Durchschnitt 4:57 Minuten pro Visit auf, bei Bild.de sind es 4:42 Minuten, bei Focus Online und Welt.de nur 3:16 und 2:52 und auch ein Lesemedium wie Zeit Online kommt mit 3;54 nicht an diese Zahlen heran. Mit anderen Worten: Die langen Texte auf krautreporter werden offenbar auch gelesen.

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Konkrete Visits-Zahlen der ersten vier krautreporter-Wochen zu nennen, fällt schwer. Laut SimilarWeb waren es vom 24. Oktober bis 25. November ca. 1,5 Millionen – mobiler Traffic nicht mitgerechnet. Da SimilarWeb bei seinen Hochrechnungen den Traffic auf deutschen Websites aber in der Regel eher zu niedrig ansetzt, dürften es eher mehr Visits gewesen sein. Offizielle Zahlen gibt krautreporter nicht heraus. Gründer und Geschäftsführer Sebastian Esser begründet das vor allem damit, dass man solche Zahlen auch nicht an die Redaktion und die Autoren weiter gibt, „weil wir uns überhaupt nicht daran orientieren wollen. Sobald mal die erste Zahl im Umlauf ist, orientiert man sich automatisch daran“, so Esser zu MEEDIA.

Man setze zudem auch gar kein klassisches Analytics-Tool ein: „Wir benutzen Mixpanel, um Segmentierung, Nutzungsverhalten, Konversion zu messen, zum growth hacking für neue Mitgliedschaften also“, sagt Esser. Und weiter: „Die für unser Geschäftsmodell entscheidenden KPI sind nicht Visits, sondern die Konversion von Lesern zu Mitgliedern. Wir wissen noch nicht, welches dabei die wichtigsten Werte sind. Die Hypothese ist: Je höher die Retention Rate von Nicht-Mitgliedern, desto höher die Konversion. Und je höher das User Engagement der Mitglieder, je intensiver die Leute KR also nutzen, desto effektiver ist die Viralität, also der Fall, dass die Leute anderen eine Mitgliedschaft empfehlen.“

Ganz frei wird sich Esser aber auch vom Traffic nicht machen können. Denn ähnlich wie im Pay-TV kommt es zwar nicht darauf an, dass dem Kunden alles gefällt – er muss allerdings Inhalte finden, die ihn interessieren – und für die er daher auch in Zukunft bereit ist, Geld zu zahlen. Was beim Betrachten der Visits-Verlaufskurve bei SimilarWeb auffällt, ist die Tatsache, dass sie nach der großen Aufmerksamkeit der ersten Tage stetig nach unten ging. Die jüngsten Tage, für die Daten vorliegen, die vom 20. bis 25. November, waren demnach auch die schwächsten für krautreporter. Spätestens jetzt beginnt die Arbeit für die Krautreporter damit wohl so richtig: Die Aufmerksamkeit und Euphorie der ersten Tage verfliegt, nun gilt es, die Mitglieder immer wieder neu zu begeistern und – letztlich eben dann doch durch aufmerksamkeitsstarke Themen – neue Kunden zu gewinnen.

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Alle Kommentare

  1. Ich habe die Erfahrung gemacht, dass SimilarWeb in Deutschland eher zu hohe Zahlen ausgibt. Wir liegen mit t3n laut SimilarWeb bei 7,4 Millionen Visits, laut IVW bei etwa 2,5 Millionen.

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