Anzeige

Saisonbilanz: Formel 1 bei RTL so schwach wie seit 20 Jahren nicht, auch bei Sky unter Vorjahr

Formel-1-Weltmeister Lewis Hamilton
Formel-1-Weltmeister Lewis Hamilton

Für die beiden deutschen Sender RTL und Sky war die Formel-1-Saison 2014 keine allzu erfreuliche Zeit. RTL fiel mit durchschnittlich 4,36 Mio. Zuschauern auf den schwächsten Wert seit 20 Jahren, erreichte nur mit zwei Rennen 5 Mio. Fans. Auch Sky landete klar unter den Zahlen des Vorjahres.

Anzeige
Anzeige

Mit 4,36 Mio. Zuschauern unterbot RTL den Durchschnitt der vorigen Saison um satte 870.000 Fans – ein Minus also von fast 17%. Die Zahl der Formel-1-Fans hat sich nicht nur punktuell verringert, sondern über die gesamte Saison hinweg. Fast kein Rennen ragte mehr aus der Masse heraus, 14 der 19 Grand Prix landeten zwischen 4 und 5 Mio. Zuschauern. Offenbar sind nur noch die Hardcore-Fans dabei. Die beiden einzigen Rennen, die die 5-Mio.-Marke durchbrachen, waren die in Bahrain und Abu Dhabi – die beiden Wüsten-Rennen also.

Besonders erschreckend ist der Einbruch des traditionsreichen Monaco-Grand-Prix: Nur noch 4,23 Mio. sahen ihn am 25. Mai – im Vorjahr waren es noch 7,45 Mio. – ein gigantisches Minus von über 3 Mio. also. Ganze zwei Rennen erreichten bei RTL in der Saison 2014 mehr Zuschauer als 2013: das erste in Australien und das letzte in Abu Dhabi.

Der Langzeit-Trend zeigt, in welche Richtung sich die Formel 1 bei RTL entwickelt: nach unten. Seit 1994 gab es keine Saison mit so wenigen Zuschauern und keine, in der im Durchschnitt weniger als 5 Mio. zusahen. Der Rekord aus dem Jahr 2001, als 10,52 Mio. die Rennen verfolgten, wirkt heute wie eine Zahl aus einer anderen Welt.

Und nicht nur RTL leidet: Sky, das sich in der Saison 2013 noch auf 440.000 Fans pro Rennen verbesserte, fiel nun wieder auf den blassen 2012er-Wert zurück: 370.000 sahen die 19 Grand Prix im Pay-TV. Und auch hier gab es nur drei Rennen, die erfolgreicher waren als die Pendants im Jahr 2013.

Anzeige

Die Gründe für die stark rückläufigen Zahlen dürften vor allem mit drei Faktoren zu tun haben: der ausbleibende Erfolg von Sebastian Vettel, die zu starken Mercedes-Autos und das immer undurchschaubarere Regelwerk. Vettel hatte den Abwärts-Trend, der schon in den Jahren 2005 bis 2008 zu beobachten war, halbwegs gestoppt und bescherte RTL insbesondere in der Saison 2010 den auch heute noch besten Wert seit 2006. Selbst 2013 lief es noch besser als in den Jahren 2008 und 2009. Nico Rosberg, der 2014 bis zum letzten Rennen um den Titel kämpfte, hat sich offenbar noch keine allzu große Fangemeinde aufbauen können, wirkt zudem noch farbloser als Vettel.

Die Mercedes-Erfolge dürften den deutschen Fans nicht sonderlich wichtig gewesen sein – zumal die Dominanz von Hamilton und Rosberg für gigantische Langeweile sorgte. 18 von 19 Pole Positions gingen 2014 an Rosberg und Hamilton, zudem 16 der 19 Rennsiege. Dass Formel-1-Interessenten, die keine Hardcore-Fans sind, der WM da den Rücken kehren, ist beinahe logisch.

Doch die Zahlen haben sich ja nicht erst im Laufe des Jahres negativ entwickelt, sondern direkt ab Rennen 2. Das wiederum zeigt, dass die Rennserie insgesamt in der Popularitäts-Krise steckt – egal, wer gewinnt und wie langweilig oder spannend die Rennen sind. Das für Otto Normalfan kaum noch zu durchschauende Regelwerk dürfte dafür verantwortlich sein. Es ist eben längst nicht mehr so dass mutige Männer in Rennautos steigen und um die Wette fahren. Stattdessen bedienen sie Computer, für deren Konstruktion zwei, drei Teams mehr Geld haben und aufwenden als andere – und die dafür sorgen, dass die Auto so stabil laufen, dass kaum Überraschungen drin sind. Zudem müssen sie eine bestimmte Zahl von Reifen wechseln, dürften zu bestimmten Zeiten Extra-Power hinzu schalten, damit überhaupt noch Überholmanöver stattfinden, und vieles Kompliziertes mehr.

Will die Formel 1 wieder Popularität gewinnen, sollte sie genau an dieser Schraube drehen: Regeln abbauen, Autos und Motoren vereinfachen, mehr Fairness für kleinere Teams einführen. Lasst die Männer einfach Auto fahren wie in den 70er oder 80er-Jahren. Dann klappt’s auch wieder mit den Zuschauern.

Anzeige

Mehr zum Thema

Anzeige
Anzeige

Alle Kommentare

  1. Sound weg = Emotion runter.

    Mir unverständlich, wie man das Wegregeln einer ganzen Sonnesempfindung nun auch noch bei der Betrachtung der Gründe eines nachlassenden Interesses einfach unter den Tisch fallen lassen kann.

    Aber es gibt ja noch weitere Sinne. Wobei der Gerechtigkeits-Sinn eigentlich kein Sinn darstellt, es vor allem wenig Sinn zu machen scheint, die entscheidende Punktevergabe auf das letzte Rennen zu verlegen. Dann reicht es, sich allenfalls das letzte Rennen anzusehen.

    Vielleicht sollte man es einmal mit einer Frauenquote versuchen. Oder das EU-Parlament um eine Regelung bitten.

Dein Kommentar

Deine E-Mailadresse wird nicht veröffentlicht.

*